International Update vom 29. August
Sportrechte-Kosten explodieren, YouTube immer dominanter
© RTL
Auf dem US-Markt hat sich der Preis für Sportrechte mehr als verdoppelt, in Argentinien gelingt ein Schlag gegen Streaming-Piraterie, auf dem Fernseher läuft immer häufiger YouTube und "Dexter: Original Sin" geht nun doch nicht weiter.
© ProSieben / Marc Rehbeck
USA: Dass es in Zeiten der Medien-Fragmentierung immer schwieriger wird, viele Menschen gleichzeitig vor dem Bildschirm zu versammeln, ist eine Binsenweisheit - dass es mit Sport-Übertragungen noch vergleichsweise gut gelingt, ist auch kein Geheimnis. Medienkonzerne sind daher bereit, immer weiter steigende Summen zu zahlen. Ampere Analysis hat nun nachgerechnet, wie extrem der Anstieg der Rechtekosten tatsächlich war: Demnach wurden 2015 in den USA für Sport-Rechte noch 13,8 Milliarden US-Dollar gezahlt, 2025 nun hignegen 30,5 Milliarden Euro. Ein Zuwachs um satte 122 Prozent - während die Einnahmen der TV-Industrie im gleichen Zeitraum nur um rund 24 Prozent gestiegen seien. Der Berechnung zufolge fließen nun schon 14 Prozent der gesamten Einnahmen der TV-Konzerne in Sport-Rechte. In Europa sieht die Lage anders aus. Im Zeitraum 2019 bis 2025 habe das Wachstum der TV-Einnahmen demnach in den fünf größten europäischen Märkten sogar über der Steigerung der Ausgaben für Sportrechte gelegen. Angesichts der wirtschaftlich angespannten Lage sind europäische TV-Konzerne also offenbar deutlich vorsichtiger unterwegs als ihre US-Konkurrenten.
© ZDF/DHX Teletubbies Productions Limited
Kanada: Das kanadische Medienunternehmen WildBrain, das bislang den Family Channel und andere Kindersender betreibt, wird den Sendebetrieb dieser Sender einstellen und seine Rundfunklizenzen zurückgeben. Die Sender seien nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, nachdem man bei gleich zwei der größten Kabelnetzbetreiber des Landes aus dem Angebot gefallen war. Der Versuch, mit einer Klage dagegen vorzugehen, scheiterte. "Es ist zwar bedauerlich, dass die Sender eingestellt werden, aber die Auswirkungen auf unser Gesamtgeschäft sind minimal und haben keinen Einfluss auf unsere Zukunftsstrategie", sagt WildBrain-CEO Josh Scherba. Man konzentriere sich auf die golbale Monetarisierung seiner IP über Streaming-Plattformen, YouTube und Consumer Products. Zu den WildBrain-Marken gehören beispielsweise die Teletubbies und Peanuts.
© YouTube
USA: Auf dem Fernseher läuft immer häufiger YouTube. Im Gauge-Report, in dem Nielsen jeden Monat angibt, welcher Anteil der TV-Nutzung auf welches Medienunternehmen entfiel, lag YouTube im Juli nicht nur den sechsten Monat in Folge vorn, gleichzeitig verzeichnete man auch noch den größten je gemessenen Vorsprung. 13,4 Prozent der gesamten TV-Nutzungszeit entfiel demnach im Juli auf YouTube. Dahinter folgt deutlich abgeschlagen mit 9,4 Prozent die Angebote von Disney, Netflix rangiert mit 8,8 Prozent auf Rang 3. NBC Universal (7,6 Prozent) und Paramount (7,0 Prozent) folgen auf den weiteren Plätzen. Amazon bringt es mit Prime Video übrigens auf 3,9 Prozent. Gemessen wird hier wirklich nur die Nutzung am Fernseher - da YouTube deutlich häufiger als die Apps anderer Medien aber auch auf dem Smartphone genutzt werden dürfte, ist die Dominanz von YouTube im Bewegtbildmarkt vermutlich noch deutlich ausgeprägter.
© Secuoya Studios
Spanien / Island: Die spanischen Secuoya Studios sind auf Interantionalisierungs-Kurs und haben das Ziel ausgegeben, bis 2027 30 Prozent ihres Katalogs in anderen Sprachen als Spanisch zu produzieren. Durch eine Zusammenarbeit mit der isländischen Produktionsfirma Act4 setzt man nun einen Schritt auf den nordischen Markt. Es handelt sich um einen First-Look-Deal für die Entwicklung und Koproduktion von Premium-Serien. Island hat sich dabei nicht nur wegen seiner beeindruckenden Naturkulissen als interessanter Produktionsstandort etabliert, sondern auch wegen eines Steueranreizmodells für bis zu 35 Prozent der Produktionskosten. "Die fundierten Kenntnisse von Act4 über diese Ressourcen – insbesondere in Bezug auf Finanzstrukturen, rechtliche Rahmenbedingungen und die Dynamik internationaler Kooperationen – passen perfekt zur Produktionsphilosophie und zum operativen Ansatz von Secuoya Studios", heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Secuoya hat zuletzt auch schon Allianzen mit BlackBox Multimedia in Großbritannien und Sydney Gallonde in Frankreich geschlossen. Über die Strategie von Secuoya Studios haben wir an dieser Stelle berichtet.
© Al Angulo TV
Argentinien: Den Argentinischen Behörden ist ein großer Schlag gegen Streaming-Piraterie gelungen: Der unter dem Namen Shishi bekannte Gründer und Betreiber der illegalen Streaming-Plattform Al Ángulo TV, über die sich zahlreiche nationale und internationale Fußballspiele, aber auch Formel 1-Rennen streamen ließen, wurde in seinem Zuhause festgenommen. Dort entdeckten die Ermittler auch die Technik zum Betrieb des Piraterie-Netzwerks. Das Streaming lief über 14 Mirror-Domains - und neuerdings sogar eine eigene Android-App. Finanziert hat sich das ganze durch Werbung, die häufig allerdings auch Malware-verseucht war. Shishi kokettierte vor seinen über 100.000 Followern in Social Media damit, dass er unantastbar sei. Das ist nun eindeutig widerlegt. Die Gewinne in Kryptowährung wurden ebenfalls beschlagnahmt.
© Ree Saunders/flickr (CC BY-SA 2.0)
Großbritannien: Eine Umfrage der britischen Gewerkschaft Bectu hat ergeben, dass rund 45 Prozent der 3.621 Befragten aus der TV-Branche derzeit ohne Beschäftigung sein, 68 Prozent gaben an, in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken, fast 90 Prozent der Beschäftigten empfinden ihre Arbeit als prekär. Fast ein Drittel hat sich inzwischen nach anderen Jobs außerhalb der TV-Branche umgesehen, ein Drittel gibt an, die Branche innerhalb der nächsten fünf Jahre verlassen zu wollen. Zugleich berichten 61 Prozent davon, im letzten Jahr Mobbing oder Belästigung am Arbeitsplatz entweder selbst erlebt oder beobachtet zu haben. Die Hälfte der Vorfälle sei dabei nicht gemeldet worden. "Diese Ergebnisse zeigen die verheerenden Auswirkungen der jüngsten Herausforderungen in der Branche, die durch jahrelange unsichere Beschäftigungspraktiken und schlechte Arbeitsbedingungen in weiten Teilen des Sektors noch verschärft wurden", sagt Gewerkschafts-Chefin Philippa Childs, die von einem "Weckruf" spricht.
Serien-Update
© Myrna Suarez/Paramount+ with Showtime
Beim Ensemble von "Dexter: Original Sin" dürfte man sich fast so fühlen, wie beim Lösen einer Verlobung. Nachdem zunächst das Vertrauen ausgesprochen wurde, ein Fortgang beschlossen ist, wird dies wieder einkassiert und entzogen. Die Geschichte über den jungen Dexter Morgan (Patrick Gibson) sollte mit einer zweiten Staffel weitergehen, so meinte man dies zumindest bei Showtime/Paramount im April und damit noch vor dem Merger mit Skydance. Doch nun die Rolle rückwärts für die Vorgeschichte und damit die Puzzleteile darüber, wie der Charakter zum Serienkiller wurde. Da momentan vieles auf dem Prüfstand steht und Quellen zufolge ein Writers Room für den anderen Ableger aus dem Universum geplant ist, scheint "Original Sin" das Nachsehen zu haben. "Dexter: Ressurection" zeigt nochmals den Original-Dexter mit Michael C. Hall, setzt nach "New Blood" an und feierte am 11. Juli Premiere. Das Vertrauen scheint also dorthin gewandert zu sein.
© Jeopardy Productions
Einem sehr breiten Publikum wurde Mayim Bialik durch ihre Rolle als Amy Farrah Fowler in "The Big Bang Theory" bekannt. Den Grundstein für ihre Karriere legte sie jedoch schon lange zuvor als Hauptdarstellerin in der Coming-of-Age-Sitcom "Blossom" in den 90er-Jahren. Rechteinhaber Disney schlug sie zusammen mit dem einstigen Ideengeber und Autor, Don Reo, ein Reboot vor, doch wie nun in einem Blogeintrag zu lesen war, wurde ihnen "ohne besonderen Grund eine Absage erteilt", womit die Tür zu sei. Dabei sei das Drehbuch zunächst auf Gefallen gestoßen, doch die Zuständigkeiten änderten sich über die Zeit. Bialik sparte auch nicht mit Kritik: "Der ständige Wechsel an den Spitzen, die Fusionen, die Unaufrichtigkeit und die immer länger werdenden Zeiträume, bis man Antworten oder abgeschlossene Verträge erhält" sei nicht die Branche, in der sie groß geworden ist. Auch den Vorschlag zum Rechteerwerb lehnte Disney ab, um sich die Möglichkeit offen zu halten, doch nochmals einen eigenen Versuch zu wagen. In der Entscheidung, "Blossom" nicht mit ihnen zusammen aus dem Archiv zu holen, sieht Bialik eine große Fehlentscheidung.
© Amazon
Bei Amazon nähert man sich einer modernen Interpretation des "Zauberer von Oz". Mit Grammy-Preisträgerin Gwen Stefani als Produzentin an Bord, entwickelt Gina Matthews eine zeitgenössische und musikbetonte Version für junge Erwachsene, die auf den Namen "Dorothy" hört. Die in den Kinderbüchern von L. Frank Baum kreierte Figur gerät ungewollt in das magische Land Oz, wo sie kuriose Gestalten an fremden Orten trifft. Doch sie möchte heim, weswegen sie sich in der Hoffnung auf Hilfe auf die Reise zum "Wizard of Oz" macht. Eine große Rolle bei der Wanderung spielt die gelbe Steinstraße, die in der geplanten Serie als Metapher für die Anforderungen und Entscheidungen, denen junge Erwachsene ausgesetzt sind, dienen soll. "Dorothy ist ein Symbol für Stärke und zeigt uns, dass wir mit ein wenig Freundlichkeit – und viel Durchhaltevermögen – nicht nur Großes erreichen können, sondern auch die Menschen um uns herum stärken", so die Macherin Matthews.
Serien-Ticker +++ Die auf dem Stephen-King-Roman "The Institute" basierende gleichnamige Serie bei MGM+ erhält eine zweite Staffel. Es war die erfolgreichste Serienpremiere ever für den Streamer +++ Netflix macht nach nur einer Staffel Schluss mit der Serie "The Waterfront" +++ Die "Deli Boys" kehren mit einer zweiten Staffel zu Hulu zurück und erhalten Verstärkung durch Fred Armisen, der neu zum Hauptcast stößt
Sportrechte-Kosten explodieren, YouTube immer dominanter
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