Paramount © Paramount
USA: Dass Paramount keinesfalls gewillt ist, in der Übernahmeschlacht um Warner Bros. Discovery klein beizugeben, machte David Ellison in dieser Woche doppelt mit der Einreichung einer Klage und der Ankündigung, die Hauptversammlung zu torpedieren, deutlich. Eine erste juristische Niederlage gab es nun aber bereits: Eigentlich wollte Paramount, dass das Gericht Warner Bros. zur sofortigen Offenlegung weiterer finanzieller Details zum Netflix-Deal zwingt. Das Board von WBD bezeichnet das Paramount-Angebot als unterlegen, Paramount ist anderer Meinung und führt an, dass WBD mehr Details - vor allem zur Bewertung des vor der Abspaltung stehenden Kabelsender-Teils, den Netflix nicht mit übernehmen will - offenlegen müsse, damit die Aktionäre eine fundierte Entscheidung treffen könnten. Die besondere Eile ergebe sich daraus, dass das feindliche Übernahme-Angebot von Paramount eigentlich bereits kommende Woche endet. Das Gericht wollte dem aber nicht folgen - schließlich hat Paramount diese Frist selbst gesetzt und könnte diese auch verlängern. Genau das wurde nun auch in Aussicht gestellt, ein neuer Termin steht aber noch nicht fest. Bei Netflix arbeitet man unterdessen daran, das eigene Angebot nun auch vollständig in Cash zu begleichen, statt zum Teil mit eigenen Aktien, deren Kurs Schwankungen unterliegt und die in den letzten Monaten deutlich gefallen sind. Spruchreif ist aber auch das noch nicht. Unterdessen hat sich auch Donald Trump zu Wort gemeldet: Er repostete ein Meinungsstück "Stop the Cultural Takeover" von "One America News" aus dem November, in dem die US-Behörden aufgefordert werden, die Übernahme durch Netflix und damit ein angebliches "wokes Medien-Monopol" zu verhindern.

Sony Pictures © Sony Pictures
Weltweit: Filme von Sony Pictures Entertainment laufen - nach der Kino- und Home-Entertainment-Auswertung - künftig weltweit zuerst bei Netflix. Es ist das erste Mal, dass ein Studio einen solchen weltweiten Deal für das sogenannte Pay-1-Verwertungsfenster mit einem Streaming-Angebot geschlossen hat. Auch bislang waren Netflix und Sony schon Partner, allerdings nicht weltweit. Da bislang in unterschiedlichen Ländern noch Verträge mit anderen Partnern bestehen, wird es aber eine Weile dauern, bis Netflix wirklich rund um den Globus die erste Heimat für Sony-Filme wird. Soweit sein wird es Anfang 2029, der Deal läuft dann bis 2032 und wird mit einem Wert von über sieben Milliarden US-Dollar beziffert. Damit soll Sony wohl etwa 40 Prozent mehr erlösen als bislang, vor allem aus den internationalen Märkten, wie "Deadline" berichtet. Der Mega-Deal mit Sony könnte auch ein Zeichen an die Kartellbehörden weltweit sein, dass man trotz der beabsichtigten Übernahme von Warner Bros. Discovery weiterhin viel Geld in Zukäufe von externen Studios investieren will. Für Deutschland ändert sich damit übrigens nichts, hier hat Netflix bereits jetzt die Erstverwertungsrechte im Pay-TV für Sony-Filme. Im Serien-Bereich hat Sony hingegen gerade eine Partnerschaft mit Sky geschlossen.

TV4 © TV4
Schweden: TV4, der reichweitenstärkste schwedische Privatsender, hat seine terrestrische Verbreitung Anfang dieser Woche eingestellt. Etwa vier Prozent der schwedischen Haushalte gaben zuletzt die TV-Antenne als einzigen Empfangsweg an. TV4 war es nun offensichtlich zu teuer, für diesen kleiner werdenden Anteil an dieser Verbreitungsart festzuhalten. Die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit der stärkeren Fokussierung auf das Streaming-Angebot TV4 Play. Über Kabel, Satellit und Glasfaser lässt sich der lineare Sender aber weiterhin empfangen. TV4 teilte dazu mit: "Wir sind uns bewusst, dass die Umstellung für manche Gruppen, insbesondere für ältere Menschen und diejenigen, die mit Technologie nicht vertraut sind, eine Herausforderung darstellen kann. Daher arbeiten wir aktiv daran, diese Zuschauer sowohl vor als auch nach der Einstellung des terrestrischen Fernsehens zu unterstützen. Wir ermutigen auch Verwandte, Vermieter und Eigentümer, Informationen weiterzugeben und denjenigen zu helfen, die zusätzliche Unterstützung benötigen."

Netflix © Netflix
USA: In den vergangenen Jahren hat sich ein bedeutender Teil der Podcast-Nutzung auf YouTube verlagert - und damit auch Video-Podcasts immer populärer gemacht. Es stellt damit auch für klassische Video-Streaminganbieter eine zunehmende Herausforderung dar, der sich Netflix nun mit einem eigenen Vodcast-Angebot stellen will. Dafür hat man nun seine ersten beiden Eigenproduktionen in diesem Bereich in Auftrag gegeben: Der u.a. aus "Saturday Night Live" bekannte Comedian Pete Davidson wird eine wöchentliche Talkshow aus seiner Garage moderieren, sogar zwei Mal pro Woche soll es neue Folgen von "The White House" mit Michael Irvin geben. Darin geht's nicht um Politik, sondern um Sport. Netflix spricht von Video-Podcasts, die exklusiv bei Netflix und über keine andere Podcast-Plattform veröffentlicht werden. Zuletzt hatte Netflix im Herbst schon eine Partnerschaft mit Spotify geschlossen, die künftig mehrere Video-Podcasts auf beiden Angeboten verfügbar machen soll, auch mit iHeartMedia wurde ein Exklusiv-Deal eingefädelt. Teil dieser Vereinbarung ist auch, dass es künftig von diesen Produktionen keine kompletten Folgen mehr auf YouTube geben wird. Die ursprüngliche Idee der ubiquitären Verfügbarkeit von Podcasts wird damit freilich ad absurdum geführt.

Kleingeld © neo.n / photocase.com
International: Streamer werden in diesem Jahr weltweit erstmals mehr als 100 Milliarden Dollar in Inhalte investieren - zu diesem Ergebnis kommt zumindest Ampere Analysis. In diesen Zahlen sind auch die steigenden Ausgaben für Sportrechte enthalten, die auch für Streamer eine immer größere Rolle spielen. Die Streamer investieren demnach sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor, was zu einem Anstieg des Gesamtmarktes um zwei Prozent führt. Streaming-Dienste sind damit inzwischen der Studie zufolge für etwa 40 Prozent der Gesamt-Investitionen in Inhalte verantwortlich, der Rest entfällt auf die traditionellen Medienkonzerne, deren Ausgaben aber stagnieren oder leicht rückläufig sind. Besonders ausgeprägt sind die Rückgänge dabei demnach in den USA, während sich die klassischen Medienhäuser international stabiler halten.

Serien-Update

Sky © Sky
2011 wagte sich der Regisseur David Fincher zusammen mit Sony an die Budget intensive Kino-Verfilmung eines Teils der Millennium-Trilogie des Schweden Stieg Larsson, “Verblendung”, und zeigte das ungleiche Duo aus Daniels Craigs Charakter, dem Journalisten Mikael Blomkvist, und der von Rooney Mara gespielten, brillanten wie isolierten Hackerin Lisbeth Salander, wie sie gemeinsam versuchen, einen 40 Jahre alten Mordfall aufzuklären. Bei Sky gibt es nun das lange erwartete Comeback des Stoffs als Serie “Girl With the Dragon Tattoo” von Steve Lightfood und Angela LaManna zusammen mit der Produktionsfirma Left Bank, die auch hinter “The Crown” steht und zu Sony gehört. Laut “Deadline Hollywood” hat Banijay jedoch nur einen Tag nach Bekanntgabe der Bestellung ein Schiedsverfahren gegen Sony angestrebt. Dort ist man der Ansicht, dass die TV- und Filmrechte nach 2018 - der Veröffentlichung des Films “Verschwörung” (baut nicht direkt auf den Büchern auf) - wieder an sie zurückgefallen seien. Im neuen Sony-Projekt für Sky sieht Banijay daher einen Vertragsbruch, was dann auch vor Gericht landen könnte, sollte keine Einigung erzielt werden. Das zu Banijay gehörende Yellow Bird produzierte noch vor der Internationalisierung die schwedischen Filme zu Larssons Romanen und ging für die Filme “Verblendung” und “Verschwörung” eine Partnerschaft mit Sony ein. 

Netflix © Netflix
Gerade erst hatte “Abbott Elementary” bei den Golden Globes - mal wieder die einzige Network-Comedy im Feld -  wegen der Hollywood-Satire “The Studio” das Nachsehen, schon gibt es Infos über die Mit-Macher der Schul-Mockumentary, Justin Halpern und Patrick Schumacker, die neben Mastermind Quinta Brunson als Co-Showrunner fungieren. Netflix hat eine auf den gleichnamigen Memoiren “I Suck at Girls” von Halpern basierende Comedyserie bestellt, die dann auch noch Bill Lawrence (“Scrubs”, “Shrinking”) als Produzent in ihren Reihen weiß. Laut “Variety” ist das Projekt vom Cast abhängig - sollte dieser nicht gefallen, könnte der Streamer auch wieder zurückziehen. Die Serie will drei Freunden in der Oberstufe folgen, wie sie sich in Teenie-Romanzen auf der Suche nach Identität und dem Verlust von Jungfräulichkeit verstricken.

Paramount+ © Paramount
In verschiedene Warenkörbe wurden zwei Thriller-Serien gelegt, die beide auf starke weibliche Hauptcharaktere setzen, hinter denen zudem bekannte Schauspielerinnen-Namen stehen. Für Paramount+ gibt es die sechsteilige Mini-Serie “Fear Not” von Bash Doran, in der Oscarpreisträgerin Anne Hathaway Margy Palm spielt, die dem Serienmörder Stephen Morin nach ihrer Entführung wohl wollender begegnete als zu vermuten wäre. Die auf einer wahren Geschichte basierende Story zeigt die ungewöhnliche Bindung, die die gläubige Palm zum über 40 Opfer auf dem Gewissen habenden Morin, bis zu seiner Todesstrafe aufrecht erhielt. Für Apple TV schlüpft Dakota Fanning in die Rolle einer verdeckten Ermittlerin des Finanzministeriums. Dabei soll sie ein milliardenschweres, international agierendes Konglomerat inspizieren, das politische und kriminelle Macht ausübt. Ihr Hauptziel ist jedoch sympathischer als gedacht. 

Fallout © Amazon Content Services LLC
Bei Amazon folgt man dem Netflix-Weg und transferiert eine Serie in eine Competition-Show. Nachdem “Squid Game” zu “Squid Game: The Challenge” wurde, wird nun das ursprünglich auf dem Videospiel basierende “Fallout” zu “Fallout Shelter”. Als Partner hat man sich sogar an das Studio Lambert gehalten, das auch die “Überlebens”-Show zur koreanischen Erfolgsserie verantwortet. Geplant sind zehn Teile, in denen eine Gruppe in den bombensicheren Bunkern von Vault-Tec um die Siegesprämie kämpft. Dabei soll es zu “zunehmenden Herausforderungen, strategischen Dilemmata und moralischen Entscheidungen” kommen. 

Apple TV © Apple
Mit der Veröffentlichung der Biografie “Open: Das Selbstporträt” von und über Andre Agassi im Jahr 2009 ging ein Raunen nicht nur durch die Sportwelt. Die Tennis-Ikone berichtete dabei über Einsatz von Toupets, seinen Hass auf den Schläger-Sport, den Gebrauch von Crystal Meth und die Vertuschung eines positiven Dopingtests, aber auch über seinen Rückkampf für Festigkeit, bei dem Ex-Profi und Brühlerin Steffi Graf ihren Anteil hatte. Apple TV möchte genau dieses vielseitige Leben einfangen, so dass dort eine auf den Memoiren fußende Dokumentarserie geordert wurde. Verantwortet wird sie von Emmy-Preisträger Chris Smith und seiner Produktionsfirma Library Films kommt. 

Serien-Ticker +++ Netflix bestellt eine achte Staffel von "Black Mirror". Die Serie startete einst bei Channel 4 und wechselte 2016 zu Netflix +++ Der zu Paramount gehörende britische Sender 5 lässt Graham Nortons Roman "Forever Home" als Serie adaptieren. Eine Frau entdeckt darin eine Leiche im Keller und realisiert, dass sie mit einem Mörder zusammenlebt +++ Prime Video baut sein Angebot an animierter Comedy für Erwachsene aus und hat mit "Odd Workers" eine Workplace-Comedy, die 100 Jahre in der Zukunft spielt, bestellt. Dahinter steckt das Team von "Solar Opposites", das nach sechs Staffeln zu Ende ging +++