© Groupe M6
Frankreich: 2022 musste die RTL Group die geplante Fusion ihrer französischen Tochter M6 mit dem Konkurrenten TF1 abblasen, nachdem klar geworden war, dass die Wettbewerbsbehörden dem Vorhaben nur zugestimmt hätten, wenn einer der beiden großen TV-Sender verkauft worden wäre. Trotzdem gab RTL-Boss Thomas Rabe seither immer wieder zu erkennen, dass der Plan noch nicht gänzlich zu den Akten gelegt wurde - falls sich die regulatorischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen in Frankreich ändern. Dort ist die Situation noch verfahrener als in Deutschland, aufgrund unterschiedlicher Lizenz-Laufzeiten ist die Eigentümerstruktur von M6 nach geltendem Recht de facto bis 2032 eingefroren. Angesichts des sich rasant wandelnden Medienmarktes eine halbe Ewigkeit. M6-CEO bezeichnete diese vor 40 Jahren entworfenen Vorschriften zuletzt als "unhaltbar", auch TF1 dringt auf Reformen. Wie Reuters berichtet könnte es nun dazu kommen, dass die sogenannte Lizenzbindungsfrist von fünf auf zwei Jahre verkürzt wird - womit weitere Konsolidierungsschritte immerhin ab 2028 möglich würden. Weiter schreibt Reuters, dass die französische Kulturministerin Rachida Dati diese Pläne unterstützen würde - doch die Handlungsfähigkeit der französischen Regierung ist angesichts der schwierigen politischen Verhältnisse eingeschränkt. Das Zeitfenster für Änderungen am Medienrecht schließe sich schon nach den nächsten Kommunalwahlen im Frühjahr. Ob bis dahin eine Reform gelingt, wird man nicht nur bei RTL und Bertelsmann gespannt verfolgen: Auch bei MFE hat man dem Bericht zufolge weiterhin Interesse an einem Einstieg in den französischen Markt.
© BBC
Großbritannien: Am 9. November kündigte BBC-Generaldirektor Tim Davie im Zuge der Kritik an einer geschnittenen Trump-Rede in einer Doku seinen Rücktritt an, nun steht fest, wann er tatsächlich das Unternehmen verlässt: Am 2. April endet seine Amtszeit. Wer Davie dauerhaft nachfolgen wird, ist allerdings bislang noch offen. Vorerst gibt es daher eine Übergangsregelung, bei der man sich immerhin beim Nachnamen nicht allzu sehr umstellen muss: Zum Interims-Generaldirektor wird Rhodri Talfan Davies bestellt. Davies ist bislang Director of Nations bei der BBC. Er wird bereits ab dem 1. Februar dem BBC Board angehören, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Der Wechsel an der BBC-Spitze kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, weil gerade über die weitere Finanzierung der BBC verhandelt wird. Zudem hat Trump die BBC auf einen irrwitzigen Schadensersatz in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Dollar verklagt.
© CBS
USA: Das Datum für die letzte "Late Show" mit Stephen Colbert steht fest: Am 21. Mai 2026 endet die Late-Night-Ära bei CBS. CBS hatte im Juli vergangenen Jahres überraschend das Aus für die "Late Show" verkündet, die 1993 mit David Letterman startete und seit 2015 von Stephen Colbert präsentiert wird. Offiziell führte CBS dafür finanzielle Gründe an und behauptete, der Late-Night-Marktführer würde hohe Verluste schreiben. Allerdings ist der zeitliche Zusammenhang mit der Genehmigung des Paramount-Skydance-Deals auffällig. Colbert hatte zuvor von einer "dicken fetten Schmiergeldzahlung" gesprochen, die CBS-Mutter Paramount an Trump im Rahmen eines 16-Millionen-Dollar-Vergleichs gezahlt hatte. Die Absetzung von Colbert wird von vielen daher auch als weiteres Zugeständnis an Trump gesehen. Colbert, der schon lange zuvor als einer der schärfsten Trump-Kritiker im US-Fernsehen war, blieb auch nach dem angekündigten Aus seiner Show bei seiner Linie. Erst vergangene Woche sagte er zu Trumps Friedensrat: "Zugegeben, die Vorstellung, eine Milliarde Dollar zu zahlen, um Trump zu gehorchen, erscheint etwas übertrieben. CBS musste schließlich nur 16 Millionen Dollar zahlen."
© NBC Universal
USA: Während die meisten US-Medienkonzerne ihr Streaming-Geschäft mittlerweile in Richtung Profitabilität getrimmt haben, schreibt Peacock von Comcast weiterhin tiefrote Zahlen. Allein im 4. Quartal 2025 fielen 552 Millionen US-Dollar Verlust an, das waren nochmal 180 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Erklärt wird das teils mit teuren Sport-Rechten (NBA, NFL), die zwar den Umsatz von 1,3 auf 1,6 Milliarden Dollar ansteigen ließen, aber erstmal offenbar ein Zuschuss-Geschäft waren. Immerhin steigen aber die Abo-Zahlen: Zuletzt waren es 44 Millionen - ein Plus von acht Millionen im Vergleich zum Vorjahr. Man erreiche damit eine "bedeutungsvolle Größe" und werde die Verluste in diesem Jahr deutlich reduzieren können, heißt es seitens Comcast. Von einem Break Even ist nach wie vor nicht die Rede. Aufs gesamte Jahr 2025 gesehen summieren sich die Peacock-Verluste übrigens auf fast 1,1 Milliarden Dollar - was aber immerhin weniger war als die 1,8 Milliarden im Jahr zuvor.
© Fremantle
Großbritannien: Fast ein Jahrzehnt hat Christian Vesper die globale Serien- und Film-Strategie von Fremantle als CEO Global Drama and Film geprägt, nun hat er seinen Abschied angekündigt. Vor allem im Film-Bereich hat Fremantle seither viele Erfolge gefeiert und zahlreiche Preise abgeräumt - darunter in den letzetn Jahren vier Oscars, fünf BAFTAs, zwei Golden Globes und acht Siege in Cannes. "Ich bin sehr stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben, und die Tatsache, dass wir in diesem Jahr unseren 100. Film liefern werden, unterstreicht den erzielten Fortschritt." kommentierte er seinen Abschied. Bis die Nachfolge geklärt ist, kümmert sich Andrea Scrosati, Group COO und CEO für Kontinentaleuropa, selbst in Zusammenarbeit mit dem erweiterten Führungsteam des Segments um den Bereich Film & Drama.
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USA: Das Rennen um einen Emmy für die beste Late Night könnte in diesem Jahr jeder für sich entscheiden. Also: Tatsächlich alle gleichzeitig. Die zuletzt getrennten Kategorien "Outstanding Talk Series" und "Outstanding Scripted Variety Series" werden angesichts immer weniger Formaten, die es in diesen Bereichen noch gibt, zusammengelegt. Während in der ersten Kategorie die traditionellen Late-Night-Shows antraten, gab es in der zweiten in den beiden vergangenen Jahren nur noch die Entscheidung zwischen "Last Week Tonight with John Oliver" und "Saturday Night Live". Künftig fallen alle in die Kategorie "Outstanding Variety Series, die neu als sogenannter "Area Award" vergeben wird. In diesem eigentümlichen Verfahren stimmen die Academy-Mitglieder nicht mehr ab, wer ihr Favorit ist, stattdessen wird für jeden Nominierten einzeln abgestimmt, ob das Format einen Emmy verdient hat oder nicht. Jeder mit mindestens 90 Prozent Zustimmung erhält dann auch einen Emmy. Liegen alle unter 90 Prozent, setzt sich derjenige mit der höchsten Zustimmungsrate durch. Nun ist zu erwarten, dass zu den Nominierten wohl Kimmel und Colbert gehören werden. Während der eine eine Kurzzeit-Absetzung hinter sich hat, verliert der andere seine Show - aus politischen Gründen dürfte beiden also die Gunst aller Nicht-Trump-Anhänger unter den Academy-Mitgliedern zufliegen. Zugleich gelten auch "Daily Show", "Last Week Tonight" und "Saturday Night Live" als dauerhafte Emmy-Lieblinge. Ganz ausgeschlossen ist also nicht, dass diesmal einfach jeder gewinnt.
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USA: Seth MacFarlane darf sich als "Streaming Icon of the Year" feiern lassen. Vergeben wird der Award von Nielsen an die Person, deren Produktionen das meiste Streaming-Volumen generiert hat. MacFarlane kommt demnach 2025 auf rund 60 Milliarden Minuten über alle Plattformen hinweg - vor allem dank unzähliger Staffeln von "Family Guy" und "American Dad", dazu punktete aber auch im Film-Bereich u.a. die Neuauflage von "Die Nackte Kanone". MacFarlane kommentierte gewohnt bissig: "Es ist eine große Ehre, den ersten Preis in der Unterhaltungsbranche zu erhalten, der nicht von der Qualität abhängt." Die meistgestreamte Serie in den USA war 2025 das zweite Jahr in Folge aber keine US-Produktion, sondern die australische Kinderserie "Bluey", so Nielsen. 45,2 Milliarden Minuten kamen da auf Disney+ zusammen, dahinter folgt "Grey's Anatomy" mit 40,9 Milliarden Minuten. Die BBC stellte unterdessen unter Beweis, dass das lineare Fernsehen auch noch in der Lage ist, enorme Reichweiten zu generieren, auch ganz ohne Sport: Das Finale der vierten Staffel von "The Traitors" erreichte dort im Schnitt 9,4 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer und einen Marktanteil von sagenhaften 54,9 Prozent.
Serien-Update
© Warner Bros. Discovery
"Lost"-Macher Damon Lindelof unterschrieb im letzten Jahr einen zweijährigen Deal mit HBO und nun greift die erste Bestellung, bei der er als Showrunner fungiert. Geordert wurde das auf dem gleichnamigen Buch von Adrian McKinty basierende "The Chain", das am Albtraum aller Eltern ansetzt: die Entführung des eigenen Kindes. Konkret geht es um Rachel Klein, die ganz alltäglich ihre Tochter an der Bushaltestelle absetzt und danach einen Anruf von einer unbekannten Nummer mit der Info erhält, dass die andere Frau in der Leitung ihre Tochter bei sich hat. Um sie zurückzubekommen, soll sie tun, was ihr gesagt wird. Denn auch der Sohn der Anruferin wurde entführt, die wiederum zu tun hat, was ihr gesagt wurde. Die Kette an Entführungen entspinnt sich - erzählt in einem Thriller. Und auch Halle Berry könnte bei HBO auftauchen: in Arbeit befindet sich "The Patient", das als Psycho-Horror beschrieben wird. Neben mehreren Filmrollen, die sie beispielsweise nun auch für Apple bei "The President is Missing" und "Bad Cop, Bad Cop" einnehmen wird, soll sie bei HBO eine unheilbare, wie berüchtigte Patientin eines Krankenhauses spielen, die ein junger Psychiater zu knacken versucht. Doch je tiefer er in ihre Vergangenheit gerät, desto mysteriöser wird alles. Ist sie sogar verflucht?
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Der öffentlich-rechtliche finnische Sender YLE hat bei Banijay Finland eine achtteilige Drag-Queen-Crime-Comedy namens "Queen Heist" bestellt. Die Serie handelt von zwei Brüdern, die nach dem Verlust ihrer Jobs in einer Wurstfabrik in einer Kleinstadt zufällig in ein Leben voller krimineller Eskapaden im Drag-Stil geraten. Zusammen mit ihren Freunden aus Kindertagen werden sie zu Amateurdieben in Amateur-Drag-Outfits und begeben sich auf eine Reise der unerwarteten Selbstfindung. Entstanden ist das Projekt beim "Banijay Bootcamp", bei der die Umsetzung von Drehbuch-Ideen aus der ganzen Banijay-Gruppe vorangetrieben werden sollen. In Dänemark hat TV2 unterdessen bei der Fremantle-Tochter Miso Film den Crime-Thriller "Side Effects" bestellt. Es geht darin um den Mord an einem Sicherheitsbeamten und das Verschwinden einer großen Lieferung von Tabletten, die ein tödliches Opioid enthalten. Josephine Park spielt Chef-Ermittlerin Nora Søby.
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Ins Portfolio von Prime Video stoßen zwei Crime-Dramen. Zum einen bedient man sich beim Oscar nominierten Autoren Matt Charman ("Bridge of Spies - Der Unterhändler"). Der Brite konnte "Dirty" unterbringen, das sich einem Mutter-Tochter-Polizistinnen-Duo widmet, das für eine Mordermittlung in Manchester zusammenarbeiten muss. Während sie privat ohnehin eine komplexe Beziehung miteinander haben, wird es beruflich immer "schmutziger", denn die Tochter beginnt, verbrecherische Ungereimtheiten bei der Mutter zu entdecken, was zu einem Katz-und-Mausspiel der beiden führt. Zum anderen wurde eine Adaption zu den Comics "Sex Criminals" von Image Comics in den Warenkorb gelegt, hinter der Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani zusammen mit Tze Chun stehen. Der Titel ist dabei richtungsweisend: Suze hat eine außergewöhnliche Gabe. Wenn sie Sex hat, steht die Zeit still. Als sie jemanden trifft, dem es genauso geht, tun sie sich zusammen. Nicht, um endlos miteinander Intimitäten auszutauschen, sondern um als "Sexkriminelle" eine Bank auszurauben.
Serien-Ticker +++ Pünktlich zum Start der dritten Staffel von "Shrinking" hat Apple TV bereits eine vierte Staffel der Comedyserie mit Jasan Segal und Harrison Ford bestellt +++ Ebenso wild entschlossen: Netflix hat schon vor Premiere der vierten eine fünfte Staffel von "The Lincoln Lawyer" beauftragt +++ Britbox hat eine Neuauflage des britischen Krimi-Klassikers "Dalziel and Pascoe" bestellt, der von 1996 bis 2007 bei der BBC lief. Nach Deutschland schaffte es davon nur eine von zwölf Staffeln als "Mord in Yorkshire" +++ Zwischen Sidney und Glasgow spielt sich die Geschichte von "Careless" über einen mysteriösen Backpacker ab, die vom australischen Streamer Stan und dem britischen Channel 4 als Vierteiler in Auftrag gegeben wurde +++ Netflix hat die japanische Serie "Alice in Borderland" nach drei Staffeln beendet +++ Antony Starr hat ein nächstes Projekt nach dem Ende von "The Boys" gefunden: Netflix hat die Serie "Breakers" mit ihm in der Hauptrolle bestellt. Die Serie handelt von zwei Backpackern in Australien, die in eine scheinbar perfekte Surfer-Community hineingezogen werden, die von einer charismatischen, aber mysteriösen Figur namens Brando angeführt wird.