Herr Küttner, wenn in der Live-Sendung plötzlich, wie vor wenigen Tagen geschehen, minutenlang die Technik streikt – wie hoch ist dann der Puls hinter den Kulissen?
Lustig, es fühlt inzwischen so an, als sei unsere kleine Panne mehrere Monate her – so viel ist in der Zwischenzeit passiert. Aber klar, so ein bisschen Schnappatmung gehört in so einem Moment durchaus dazu. Live bleibt eben live – auch nach über 20 Jahren Dschungel. Natürlich haben wir ein eingespieltes Team vor Ort, das solche Situationen professionell managt. Aber wenn die Technik mal für ein paar Minuten streikt, dann geht hinter den Kulissen schon kurz der Puls hoch. Und gleichzeitig ist genau das auch der Thrill, warum ich Live-Fernsehen so liebe: Es ist echt und man kann nie zu 100% wissen, was passiert. Aber wenn man so ein souveränes und spontanes Duo wie Sonja und Jan vor der Kamera hat, kann die Störung ruhig noch etwas länger dauern. (lacht)
Der große Elefant im Raum beziehungsweise im Camp ist in diesem Jahr der Davidstern-Skandal um Gil Ofarim. Der Sänger schweigt dazu und beruft sich auf eine Verschwiegenheitserklärung. Haben Sie sich das so vorgestellt?
Als wir vor 18 Jahren Ingrid van Bergen für den Dschungel verpflichtet haben, hat sie im Vorfeld ganz klar gesagt, dass sie keinesfalls im Camp über die alte Mord-Geschichte reden werde. Für mich war das okay, weil wir sie als Person spannend fanden – und am Ende hat sie dann doch nach ein paar Tagen ausführlich ihren Mitcampern alles erzählt. Damals wie heute haben wir keine klaren Vorstellungen von oder gar Vorgaben, über was gesprochen werden soll und über was nicht. Gil Ofarim hatten wir bereits lange vor der Leipzig-Geschichte auf dem Zettel und seit über 10 Jahren haben wir ihn regelmäßig für den Dschungel angefragt. Ich fand und finde ihn und seine Vita spannend, daran hat sich nichts geändert. Von einer Verschwiegenheitsverpflichtung wusste ich nicht. Aber wir nehmen es wie es kommt. Und wer weiß, was da noch passiert in den nächsten Tagen.
Jeder hat im Leben eine zweite Chance verdient. Aber wo verläuft aus Ihrer Sicht der Grat, ein Fehlverhalten mit einer mutmaßlich gut bezahlten Teilnahme an einer TV-Show wie dem Dschungel auch noch zu belohnen?
Wie gesagt: Gil Ofarim ist nicht im Dschungel, weil es diesen Vorfall im Hotel in Leipzig gab. Also würde ich nicht sagen, dass er von uns für ein Fehlverhalten belohnt wird. Ich bin froh, dass Gil in diesem Jahr dabei ist.
Abseits davon wird auch in diesem Jahr wieder gestritten und geschrien. Wie bewerten Sie den diesjährigen Zoff-Faktor?
Der diesjährige Cast liefert eine spannende Mischung: Es gibt durchaus Beef, aber da kann ich mich an Staffeln erinnern, in denen es noch mehr zur Sache ging. Es gibt ein paar harmonische Duos – und natürlich Stars, die in ihrer Eigenwahrnehmung eher diplomatisch unterwegs sind. Das sorgt für interessante Dynamiken. Für mich ist der diesjährige Zoff-Faktor hoch, aber nicht toxisch: Es gibt laute Momente, aber auch überraschende Allianzen und Versöhnungen, die man vielleicht so nicht erwartet hätte. Und das Schöne ist: Der Zoff steht nicht im Vordergrund – es sind oft die leisen Momente, die hängen bleiben.
Mit Samira und Eva sind zwei Frauen im Camp, die eine sehr persönliche
Vorgeschichte verbindet. Der Streit war in diesem Fall also vorprogrammiert. Wollen Sie also lieber nichts dem Zufall überlassen?
Nichts ist vorprogrammiert und niemand konnte vorhersagen, wie es wird, wenn Eva und Samira im Camp aufeinandertreffen. Irgendwie lustig, dass uns immer wieder unterstellt wird, wir würden mit unserem Cast eine klare Agenda und Dramaturgie verfolgen. Wir stellen uns ganz sicher nicht morgens hin und sagen: "So, wo zoffen wir denn heute?" Aber wenn wir wissen, dass zwei Stars ein Geschichte miteinander haben, schauen wir natürlich genauer hin. Nicht, um sie gegeneinander auszuspielen – sondern weil es spannend ist, wie Menschen mit Konflikten umgehen. Und ja: Die beiden hatten Stoff, da könnte manche Daily Soap neidisch werden.
Zu Beginn der Staffel gab’s erstmals seit vielen Jahren wieder ein zweites Camp, das Sie jedoch schnell wieder mit dem Haupt-Camp zusammengeführt haben. Wieso hatten Sie es so eilig?
Das war tatsächlich ein redaktioneller Kniff. Wir wollten mit einer Überraschung in die Staffel starten – und das ist uns auch gelungen. Und wir haben die Stars relativ früh wieder zusammengeführt, weil der Kern des Formats das gemeinsame große Lagerfeuer ist. Die Energie der Staffel entsteht dann, wenn wirklich alle Stars zusammen im Camp sind und das Publikum den kompletten Cast im Blick hat.
Zum Schluss der obligatorische Blick in die Glaskugel: Wer wird König oder Königin des Dschungels?
Sehr gut, ich hatte gehofft, dass Sie mich auch in diesem Jahr wieder nach meinem Favoriten fragen – in all den Jahren habe ich noch kein einziges Mal richtig gelegen. Also: Ich glaube, Samira gewinnt.
Herr Küttner, vielen Dank für das Gespräch.
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