In den vergangenen Jahren mangelte es im Hause RTL Deutschland nicht an Führungswechseln, Strategieschwenks und Umstrukturierungen - kurzum: Meldungen in eigener Sache. Die werden nicht nur von Journalist*innen beurteilt, sondern seit einigen Jahren auch aus dem eigenen Haus: Der Instagram-Account @MemeRTL wurde zum manchmal humorvollen, manchmal bitterbösen Ventil der Stimmung im Haus.
Mit Memes, die die Strategie und Stimmung bei RTL Deutschland kommentieren, besonders gerne die internen „Business Updates“ der Geschäftsführung. Die pointierten Postings kursierten irgendwann auch unter der Hand über den eigentlich nicht öffentlichen Account hinaus. Inzwischen gehören zu den mehr als 6.000 Followern auch Sendergesichter und Produzent*innen. Zwischenzeitlich wurde es still um die etwas andere „Unternehmenskommunikation“ aus Köln-Deutz.
Mit dem Restrukturierungsprogramm „Shift 2026“ wurde der Account jedoch reaktiviert; zu groß der Bedarf nach einem Ventil. Doch wie kam es zu diesem inoffiziellen Intranet der flotten Memes? DWDL.de traf das Duo hinter dem Account zum Gespräch über Motivation, Erfolg, Comeback und das finale Ende von MemeRTL. Die Identität der Beiden sei an dieser Stelle nicht preisgegeben. Nennen wir Sie doch einfach Ding und Dong. Warum, das verstehen Sie gleich…
Die Herren Ding und Dong, hier sitzen wir also und wollen sprechen über @MemeRTL. Wie würden Sie das nennen, was Sie da bei Instagram treiben?
Ding: Wir haben den Flurfunk digitalisiert, würde ich sagen. In einem so großen, dynamischen Unternehmen wird natürlich viel geredet und wir haben dem über die Memes eine visuelle Strahlkraft verpasst.
Dong: Man hat sich aber schon ständig Gedanken gemacht, weil wir ja auf einem schmalen Grat unterwegs sind. Das war immer ein Austesten, was man sich erlauben kann. Wir haben uns da gegenseitig manchmal ins Gewissen geredet, aber wir haben es von Anfang an gemacht, weil wir gemerkt haben, dass das den Leuten etwas gibt. Also haben wir uns zu CMOs gemacht, Chief Meme Officers.
Ding: MemeRTL ist irgendwann wie ein kleine interne Marke geworden. Im Unternehmen wurde angefangen darüber zu reden, was auf dem Account für neue Memes sind. Plötzlich hatten wir so eine Art Verantwortung, aber auch unsere eigene kleine Anarchie, weil wir haben das ja mit niemand abgesprochen.
Dong: Und dann haben wir irgendwann gemerkt: Wow. Das hier ist echt mehr als nur Unterhaltung. Das ist einfach Unternehmenskommunikation at it's best. Eben von innen, aus Mitarbeitendenperspektive. Das hat es so krass authentisch gemacht.
Wie fing das Ganze eigentlich an?
Dong: Es gab eine Umstrukturierung und die neuen Teams sollten sich intern vorstellen. Das haben wir statt mit einer Präsentation mit diesem Instagram-Account getan, wo wir uns selbst in Memes montiert haben. Das kam super an. Dann passierte erstmal lange nichts, bis ich irgendwann angefangen Memes zu posten, einfach über ganz alltäglich Dinge bei uns im Haus. Das kam direkt relativ gut an und hat sich scheinbar rumgesprochen. Weil der Account ist ja privat, aber es kamen schon recht regelmäßig neue Leute dazu. Ab dem Zeitpunkt haben wir unsere Ursprungsposts, wo wir uns vorgestellt haben, dann auch gelöscht, damit wir anoym bleiben.
Ding: Es wurde auf einmal ein kleines Phänomen auch über die Mitarbeitenden hinaus. Plötzlich folgten uns Stars des Senders, irgendwas mussten wir wohl richtig gemacht haben. Ich glaube das hat auch einige fasziniert. Dass da irgendjemand so mutig ist, alles mit Humor zu kommentieren. Wir hatten so 700, 800 Follower als uns plötzlich Matthias Dang folgen wollte.
Und wie fühlt man sich in dem Moment?
Ding: Im ersten Moment freu man sich.
Dong: Aber man fragt sich halt im gleich Moment auch: Was heißt das denn jetzt? Nehmen wir den wirklich an.
Ding: Ja genau, weil man weiß ja nicht, findet der das gut oder macht der uns jetzt die Pfanne heiß. Aber wir sind dann in die Flucht nach vor gegangen und haben direkt eine Story gemacht, das er uns jetzt folgt, darauf hat er direkt wohlwollend reagiert und das war so nen kleiner Ritterschlag für uns. Quasi von ganz oben abgesegnet. Ab da waren wir dann: Ding Dong Dang.
Ihr habt zuletzt auch mal die KI angeschmissen für das ein oder andere Posting. Haben Memes ausgedient?
Dong: Nein! Alltime-Classic-Memes auf die 1! Memes funktionieren einfach am besten, wenn sie alle kennen. Klassiker nehmen und eine neue Ebene reinbringen - das ist es.
Ding: Wir haben ein bisschen mit KI gespielt, aber ich glaube das genügend Menschen gerade auch schon wieder die Schnauze voll haben von KI. Das Coole an echten Memes ist ja, dass da was Menschliches drin steckt. Irgendwas war einmal die Basis, jedes Meme hat eine Geschichte und das ist ein bisschen die Magie. Das ist doch spannender als genau das von der KI zu bekommen, was man promptet.
"Ich hab mir aber immer gesagt, wenn ich deswegen gekündigt werde, dann geh ich mit Stolz"
Gab es Memes, die sich als heikel herausstellten?
Dong: Ich weiß nicht mehr genau, wann das war. Aber bei einem internen „Business Update“ saßen drei Leute nebeneinander und wir haben dazu das Meme „Die neue DSDS-Jury“ gemacht. Hat viel Anklang gefunden, aber wurde auf jeden Fall eines der heikleren. Wir haben uns ja auch immer wieder gefragt, wie lange das gut geht. Wir waren zwar anonym, aber es gibt ja Mittel und Wege herauszufinden wer wir sind, vor allem als Geschäftsführer. Ich hab mir aber immer gesagt, wenn ich deswegen gekündigt werde, dann geh ich mit Stolz.
Aber dann war das alles doch nicht ganz so gelassen…
Ding: Das hat es ja auch spicy gemacht! „Können wir das wirklich machen? Fliegt uns das irgendwann um die Ohren?“ Der sporadische Kontakt zu Matthias in der Geschäftsführung hat uns etwas beruhigt. Da denkt man sich dann: Der wird uns doch nicht das Gefühl geben, es lustig zu finden und uns dann in die Pfanne hauen.
Dong: Und dann kam die Anfrage den Weihnachtsfilm 2023 zu machen, der ist Tradition bei der Xmas Party. Und da war natürlich klar: Auch Farid Dang muss hier nochmal auf dem großen Screen so richtig abgefeiert werden. Der ist eingeschlagen wie eine Bombe. Das Musikvideo mit Farid Dang; die Energie die das freigesetzt hat. Ich würde schon sagen, das war unser größtes Schaffen. Darauf sind wir sehr stolz.
Ding: Für mich ist das immer noch ein krasser Abend, wenn man zurückblickt. Weil da auf einmal aus einem digitalen Produkt ein Event wurde. Und statt die Likes zu zählen hat man die Reaktion live mitbekommen. Ein geiles Feeling. Da haben wir gemerkt, dass der Account doch irgendwie Firmenkultur geprägt hat.
Aber es ist doch sicher komisch, wenn dann fast keiner im Publikum weiß, dass man dahinter steckt?
Dong: Ja, nicht mal Matthias! Matthias wusste sehr lange nicht wer wir sind, auch nach dem Weihnachtsfilm nicht. In dem Musikvideo waren wir ja verkleidet, haben ihm den goldenen Anzug in die Hand gedrückt und er hat mitgemacht. Als Matthias bei der Weihnachtsfeier 2024 seinen Abschied feierte, haben wir ihn noch ein letztes Mal als Farid Dang inszeniert. Ding musikalisch nochmal einen rausgehauen und ein Feature mit Eko klargemacht. Das war eigentlich unser letzter Akt. Danach haben wir uns zum ersten Mal persönlich bei ihm vorgestellt. Völlig random sind wir auf der Party zu ihm hin und haben gefragt, wo sein Anzug sei. Dann hat es ein bisschen gerattert, bis er uns anhand unserer Größen erkannt hat. Das war ein schöner Moment. Danach haben wir den Account begraben.
"Wir haben das zusammen angefangen, wir beenden es auch zusammen"
Aber der Account ist zurückgekehrt…
Dong: Gejuckt hat es schon immer mal wieder und jetzt hat es mich bei Shift erwischt, dementsprechend war das der perfekte Zeitpunkt nochmal was zu machen. Die Stimmung war auf einmal so schlecht, da konnte nur Humor helfen. Und so fiel das Feedback sehr schnell sehr positiv aus. Wenn man schon nichts ändern kann, dann wenigstens ein bisschen lachen; Druck rausnehmen.
Ding: Wir machen das, was wir davor schon mit dem Account gemacht haben: das Gefühl vermitteln, alle im gleichen Boot zu sitzen. Und wir kennen jetzt ja beide Seiten - also die derjenigen, die gehen müssen und die derjenigen, die bleiben - weil das auch bei uns Beiden so ist. Er geht, ich bleibe. Das ist ein Faktor, der das Ganze total nahbar macht und sich jeder irgendwie wiederfinden kann. Es ist ein bisschen Schockverarbeitung im Kollektiv.
Wie lange wollt Ihr den Account noch bespielen?
Dong: Bis Ende März, danach werden wir den Account, auch mit allen bisherigen Memes, als Zeitdokument stehen lassen. Jetzt wirklich. Wir werden ihn nicht weiter bespielen. Wenn ich raus bin, fühle ich mich nicht mehr berechtigt etwas zur Stimmung im Haus zu machen. Ich bekomme ja nicht mehr mit, was abgeht.
Ding: Wir haben das zusammen angefangen, wir beenden es auch zusammen. Es war eine geile Zeit, aber das Kapitel „Meme RTL“ ist dann beendet.
Herr Ding, Herr Dong, herzlichen Dank für das Gespräch.
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