Foto: ZDFWas war denn der Anlass für die Planungen den Dokukanal umzuwandeln?

Wir haben für Dokumentationen, eine unserer ganz großen Stärken, im Hauptprogramm, bei Phoenix, 3Sat und Arte hinreichend gute Sendeplätze. Dafür ist kein eigener Kanals mehr nötig. Deshalb suchen wir jetzt für den Sender eine neue Ausrichtung, die für den Ein-Kanal-Sender ZDF  weitaus wichtiger ist: ein abwechslungsreiches, familienorientiertes Programm für das jüngere Publikum. Unser Fernsehrat hat prinzipiell schon einmal grünes Licht gegeben, das Konzept wird derzeit ausführlich beraten und soll im Oktober beschlossen werden.

Das digitale Programmangebot des ZDF erwacht also aus seinem Dornröschenschlaf?

Als wir vor 12 Jahren mit den Digitalkanälen gestartet sind, gab es eine sehr geringe Verbreitung. Es war also nicht klug, dort viel zu investieren. Deswegen bestand das Programm der drei Sender lange Zeit nur aus in Schleifen ausgestrahlten Wiederholungen, durchaus auch mit ersten Erfolgen. Aber wir sind jetzt nicht mehr weit davon entfernt, dass digitaler Fernsehempfang Standard wird. Und das ist eine gute Chance unsere inhaltlichen Angebote mit diesen Zusatzkanälen breiter aufzustellen.

Wie sieht die aus?

Das ZDF litt bisher unter dem Geburtsfehler, ein Ein-Kanal-Sender zu sein. Das Problem ist heute gravierender als je zuvor, weil sich die Senderfamilie als Programmierungsprinzip durchgesetzt hat - bei den Privaten, wie bei der ARD.

Das heißt, der Nachfolger des ZDF Dokukanals würde dann eine deutlich höhere Bedeutung für Sie haben, auch wenn das ZDF-Hauptprogramm selbst der unangefochtene Patriarch bleibt?


Das ZDF-Hauptprogramm bleibt der Patriarch der Familie. Aber wir sehen, dass wir mit einem Kanal allein nicht mehr die ganze Gesellschaft erreichen. Diese Zeiten sind definitiv vorbei. Künftig müssen wir unsere Kompetenz, unser Programmvermögen und unseren Sendeauftrag auf mehrere Schultern verteilen.

Und das dann in erster Linie durch einen starken Nachfolger des Dokukanals oder was passiert bei Ihren anderen beiden Digitalsendern?

Der ZDF Infokanal bleibt ein „Info“-Kanal und wird von uns nicht zum Nachrichtensender ausgebaut. Den ZDF Theaterkanal werden wir inhaltlich etwas breiter aufstellen und uns dort allen Darstellungsformen von Kunst und Kultur widmen. Ein Kulturkanal hat auch eine breitere Ansprache beim Publikum als es ein reiner Theaterkanal schafft.

Noch eine Nachfrage zum Nachfolger des Dokukanals: Wie soll der Sender heißen und wann soll es losgehen?


Der neue Sender bekommt natürlich einen neuen Namen. Aktuell arbeiten wir mit Arbeitstiteln. In den Unterlagen, die der Fernsehrat bekommen hat, ist vom Familienkanal die Rede. Dabei wird es sicher nicht bleiben. Wenn alles gut geht im zweiten Halbjahr 2009.

Mit Internet-Angeboten und neuem Familienkanal klingt es so als würde damit ein Stück weit die Notwendigkeit abgebaut, dass Hauptprogramm selbst zu verjüngen - was jahrelang ein immer wieder gern aufgegriffenes Thema war...


Wir haben einen Integrationsauftrag und der gilt auch und vor allem für das Hauptprogramm. Aber wie schon gesagt: Ein Kanal allein kann heute nicht mehr alle Zielgruppen abdecken. Das ZDF muss seinen Weg zu einer Senderfamilie, zu neuen Plattformen jetzt suchen und wird diesen Weg finden.

Ist das auch der Grund, warum das ZDF gerade beim Thema Internet im Vergleich zur ARD die deutlich lautere Stimme erhebt?

Mit Sicherheit. Ein Ein-Kanal-Sender braucht das Internet möglicherweise noch stärker als eine Senderfamilie es braucht.

Kommen wir kurz zum Programm: Sie überarbeiten gerade Ihren Klassiker „Wetten, dass..?“. Wieviel darf man, wieviel muss man bei so einer Sendung ändern?

Der Kern von „Wetten, dass..?“ ist seit über 25 Jahren beständig und wird es auch bleiben. Kleinere Veränderungen hat es dabei immer gegeben, zuletzt vor einem Jahr. Es gibt jetzt mit Florian Wieder einen neuen Bühnenbildner, der die wechselnden Hintergründe für Wetten und Showacts entwirft. Aber die vier Hauptbestandteile, also exklusive Stars, Musik, Wetten und der Moderator Thomas Gottschalk bleiben.

Amüsiert es Sie, wenn ganz Medien-Deutschland gerne via Votings abstimmt bzw. darüber spekuliert, wer einmal Nachfolger von Thomas Gottschalk werden könnte?

Es rührt mich, weil es der Beweis für die Kraft der Marke „Wetten, dass..?“ und für die große Bedeutung des Moderators ist. Er ist  der perfekte Zehnkämpfer der Unterhaltung. Seine Rekordleistung ist schwer zu toppen.

Für die Nachrichten bauen Sie hier auf dem Lerchenberg gerade einen völlig neuen Studiokomplex. Wie weit ist der Bau und wann wollen Sie von dort aus auf Sendung gehen mit „heute“, „heute-journal“ und Co.?


Wir gehen das mit großer Sorgfalt an, weil man so eine Umstellung nicht allzu oft macht und wir sie dann auch vernünftig machen wollen.

Herr Schächter, herzlichen Dank für das Gespräch.