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DWDL.de-Interview

"Lücke ist da": Servus TV greift in Deutschland an

 

Wohin will der Red Bull-Sender Servus TV? Programmdirektor Wolfgang Pütz und Geschäftsführer Martin Blank sprechen über das Selbstverständnis des Senders, Expansionspläne und die Rolle des Mutterkonzerns.

von Thomas Lückerath
05.06.2010 - 22:30 Uhr

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Servus TVHerr Blank, Herr Pütz, wenn über Servus TV gesprochen wird, heißt es oft „Ist das nicht der Red Bull-Sender?“. Hilft oder schadet das?

Martin Blank (Foto, Mitte): Ich finds super. Für einen StartUp-Sender wie uns ist es sehr hilfreich, wenn man in ein Konsortium eingebunden ist, das einen weltweiten Brand darstellt, dass für Innovation und extreme Professionalität steht. Wenn dieses Image von der Mutter auf uns überspringt, dann finde ich das extrem positiv.

Wolfgang Pütz (Foto, links): Dem stimme ich zu, aber es wäre natürlich sehr verkürzt dargestellt. Man muss auch den geschichtlichen Hintergrund sehen. Servus TV ist aus Salzburg TV hervorgegangen, das vor 15 Jahren von ehemaligen Mitarbeitern des ORF gegründet wurde. Das war lange Zeit ein Lokal- und Regionalsender. Im Herbst 2008 entstand dann die Idee zu Servus TV, einem Sender für den Alpen-Donau-Adria-Raum, der dann ein Jahr später - im vergangenen Herbst - auf Sendung gegangen ist. Wir haben auf vorhandene Strukturen aufgebaut und weiterentwickelt. Das ist kein Kanal für Product Placement eines Energy Drinks.
 

 
Der TV-Markt ist bereits hart umkämpft. Und dann noch ein neuer Sender. Welche Lücke sehen Sie, die kein anderer gesehen hat?

Wolfgang Pütz: Die Lücke ist da. Der Alpen-Donau-Adria-Raum ist für viele Menschen von Interesse, nicht nur für die, die hier leben. Egal wer im Winter zum Wintersport kommt oder im Sommer zum Bergsteigen - diese Region hat in ganz Europa Fans, die eine Basis für ein erfolgreiches Geschäftsmodell von Servus TV sein können.

Martin Blank: Dazu kommt doch die Entwicklung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender, in Österreich ausgeprägter als in Deutschland, die Privatsender bei seichter Unterhaltung links überholen. Diese Vertrashung bei den Wettbewerbern macht die Lücke für anspruchsvolle Unterhaltung und Information auf. Und wir bieten anspruchsvolle Unterhaltung auf - im besten und früheren Sinne - öffentlich-rechtlichen Niveau. Da haben Sie hohe Programmkosten, die sich nur refinanzieren können, wenn Sie als frei empfangbares Programm möglichst viele Zuschauer erreichen - auch außerhalb Österreichs.

Werden wir doch mal etwas konkreter. Wo liegen die Programm-Schwerpunkte von Servus TV?

Wolfgang Pütz: Wir haben eine klare Vorstellung davon, wo unsere Schwerpunkte liegen. Da wäre der Bereich Kultur, wie auch bei Arte und 3sat, dann aber auch Wissenschaft, Technik und Forschung sowie die beiden Genres Sport und Unterhaltung. Das interessiert länderübergreifend.
 
Klingt anspruchsvoll, beinahe öffentlich-rechtlich...
 
Martin Blank: Wenn ich mir in Österreich ORF1 anschaue, nach eigener Angabe von denen ein „Best of Privat-TV“, dann erfüllen wir mehr öffentlich-rechtliche Aufgaben - und finanzieren uns privat.

In Ihrem Imagetrailer heißt es, das Programm sei „anspruchsvoll aber nicht intellektuell“. Kann man damit wirklich Zuschauer gewinnen? Wie soll das gelingen?


Martin Blank: In dem man sich über Themen, die die Zuschauer interessieren, ausführlich, in Ruhe und mit Hintergrund beschäftigt. Eben nicht trashig und oberflächlich bleibt. Beispiel: Turiner Grabtuch. Das war vor wenigen Wochen in unserem Kultur-Talk über zwei Stunden lang Thema. Wir haben uns mit den Rätseln und aktuellen Erkenntnissen beschäftigt. Das wäre für keinen anderen Privatsender ein Thema. Wir glauben aber, dass man das Publikum mit interessanten Themen auch fordern darf ohne unverständlich zu werden.

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