Thomas Gottschalk © Tele5
DWDL.de-Interview

Gottschalk: "Habe keine 700 Apps, aber es werden mehr"

 

Er hat iPhone sowie iPad und fühlt sich noch äußerst werberelevant: Thomas Gottschalk kritisiert seit Jahren die Zielgruppe 14-49. Mit Tele 5 wirbt er jetzt für die "neuen 30er", die 35- bis 65-Jährigen. Ein Gespräch über Zielgruppen und Werberelevanz...

von Thomas Lückerath
26.09.2010 - 23:08 Uhr

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Gottschalk / LückerathHerr Gottschalk, muss man als Entertainer und TV-Moderator heutzutage in und an Zielgruppen denken?

Das habe ich immer getan, allerdings nicht, weil mich eine ganz bestimmte Zielgruppe besonders interessiert hätte, sondern ich wollte immer alle. Schon zu Radiozeiten, als ich als junger Moderator Programme für die Jugend gemacht habe, wollte ich dass auch die Eltern einen Grund hatten zuzuhören. Es ging mir immer darum, den größtmöglichen Deckel über den größtmöglichen Topf zu stülpen. So habe ich Entertainment immer verstanden und das ist bis heute so geblieben.

Aber mit dem Wettbewerb im Fernsehen kam die werberelevante Zielgruppe...

Ich werde nie mein Publikum in ein „werberelevantes“ und in ein überflüssiges aufteilen. Dass dies von anderen getan wird, macht mich wütend und es ärgert mich, wenn in den entsprechenden Charts „Deutschland sucht den Superstar“ vor „Wetten, dass …?“ rangiert, obwohl ich 3 Millionen Zuschauer mehr habe. Weiter hinten folgt dann meistens relativ verschämt unter dem Stichwort „Gesamtpublikum“ die gültige Abrechnung. Mir kommt dann immer dieser furchtbare Begriff „unwertes Leben“ in den Sinn, aber für Medien und Werber ist es wohl so, dass jeder Zuschauer ab 49 eigentlich nutzloser Ballast ist.

 

 

Jetzt bewegt sich ja etwas …

Aber nicht aus der intellektuellen Erkenntnis, dass diese Abrechnung schon immer Blödsinn war, sondern weil man sich langsam folgender Realität stellen muss:  Die jugendliche Zielgruppe wird kleiner, die ältere wird immer größer und ich persönlich habe dabei das große Glück, dass ich in meiner gesamten beruflichen Laufbahn immer jeweils zur Mehrheit gehört habe. Und ich stehe für eine Generation von 60jährigen die es so noch niemals gegeben hat.

Deswegen beschäftigen wir uns ja mit dem Thema …

Ich habe gerade gelesen, dass man in Mallorca daran denkt die Biermeile lahm zu legen, obwohl da ja nun wirklich immer noch genug gesoffen wird, aber die haben wohl gemerkt, dass jemand der einen Sangria-Eimer für 9 Euro leergesoffen hat, anschließend nicht mehr in der Lage ist noch etwas zu investieren, aber im schlimmsten Fall den Laden vollkotzt. Deswegen will man dort Wellness- und Bio-Hotels hin bauen, weil sich dort ältere Gäste eine schöne Massage, danach  ein nettes Essen mit einem Glas Rotwein und anschließend eine Latte Macchiato bestellen. Allerdings sind das eher Menschen in meinem Alter, denn die Vertreter der jugendlichen Zielgruppe können Macchhiato selten bezahlen und noch seltener schreiben. Wenn man in Mallorca erkannt hat, dass es zwischen Masse und Klasse einen Unterschied gibt, wird sich das auch irgendwann mal im deutschen Fernsehen rumsprechen. Masse, Klasse und Kasse sind nicht das gleiche. Da haben Sie auch gleich Ihre Überschrift für das Interview.

Wir schauen mal. Aber das Beispiel zeigt ja: Früher wäre es als Kur verschrien gewesen, heute ist es als Wellness ein Verkaufsschlager. Und die heute 60jährigen sind offenbar aufgeschlossener als die Generation vor Ihnen …

Mit Sicherheit. Menschen in meinem Alter waren früher Operettenfans und trugen Häkelpullover. Ich sehe keine Gründe mich von meinen T-Shirts oder meinen Led Zeppelin-Alben zu trennen. Allerdings habe ich sowohl die aktuelle Mode als auch die aktuelle Musikszene im Blick, wenn da was auftaucht greife ich zu und bin damit nach wie vor werberelevant. Mit dem Alter hat das längst nichts mehr zu tun.

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