Die Wochenshow © Sat.1
Fazit der "Wochenshow"-Macher

"Wir mussten den Mythos 'Wochenshow' zerstören"

 

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Wie kloppen Sie das kaputt?

Ralf Günther: Wir haben die Vergangenheit bis heute in der Sendung nicht thematisiert. Es taucht keine alte Figur auf. Wir sind einfach losgefahren und nach der zweiten oder dritten Show hat dann auch keiner mehr auf Anke Engelke oder Bastian Pastewka gewartet. Es hat einen Grund, warum es mehr als 240 Folgen der Wochenshow gab: Weil das Format stimmt. Jeder Comedy-Produzent in Deutschland hat schon einen Piloten gemacht, der„so ähnlich wie“ die „Wochenshow“, wie „RTL Samstag Nacht“ und wie „7 Tage – 7 Köpfe“ war. Keiner wollte ins Schwarze treffen sondern leicht daneben bleiben. Und alle dieser 20 bis 30 Piloten, die es in Deutschland gibt, sind gescheitert.

Abgesehen von den üblichen Problemen einer ersten Sendung bot die Premiere aber auch mit ihrem Look eine Angriffsfläche.

Chris Geletneky: Es sah anfangs so billig aus, weil die 3D-Grafik hinter Ingolfs Schreibtisch zur ersten Sendung schlicht nicht fertig war. Wir haben dann einfach das Logo abgefilmt und auf den Hintergrund gelegt. Zugegeben: Das sah bestenfalls so mittel aus. Jetzt ist es aber unglaublich funky!

Ralf Günther: Wir konnten nicht in die Bauchbinde schreiben: „Achtung! Rückprojektion ist noch nicht fertig.“ Wir haben es zu Recht um die Ohren gehauen bekommen, denn es sah wirklich nicht gut aus. Ein Problem habe ich damit aber nur, wenn ich das in der zweiten Staffel immer noch lesen muss, Es ist wichtig, dass man immer noch eine faire zweite Chance bekommt.

Der Start der neuen Wochenshow wurde auch gesehen als Angriff auf die „heute show“, deren Humor ein ganz anderer ist. Sehen Sie sich auch selbst in Konkurrenz zu den Kollegen?

Ralf Günther: Natürlich werden die Sendungen verglichen: Beide sind wochenaktuelle Shows und heißen auch noch ähnlich. In der Sache macht es aber keinen Sinn. Das hat man auch an den Quoten gesehen. Die Sendungen sind völlig unabhängig in der Reichweitenentwicklung. Wir profitieren auch nicht von der Sommerpause der „heute show“. Als wir damals die Wochenshow gemacht haben, gab es mit „7 Tage - 7 Köpfe“, „RTL Samstag Nacht“, „Freitag Nacht News“, täglich Raab und täglich Harald Schmidt sechs aktuelle Shows. Da hat keiner gesagt es ist zu viel.

Chris Geletneky: Wir kommen uns auch inhaltlich überhaupt nicht ins Gehege. Die „heute show“ ist intellektuelle Nische mit Wortgags und einem politisch-satirischen Ansatz. Bei uns muss man auch mal einen flachen Witz bringen, den ein guter Schauspieler aber noch durch die Tür bringt. Das hat nichts mit meinen persönlichen Vorlieben zu tun, sondern ich stelle mich in den Dienst des Formats. Man kann in der „Wochenshow“ keine ellenlangen sophisticated „Pastewka“-Dialoge bringen. Das will hier keiner sehen. Selbst wenn wir das gleiche Thema haben wie die Kollegen beim ZDF, liegt die Wahrscheinlichkeit bei 99 Prozent, dass der Gag ein anderer ist.

Was ist das für ein Gefühl, nicht nur auf dem Sendeplatz, sondern auch im Studio von Oliver Pocher – der einstigen Hoffnung von Sat.1 – die „Wochenshow“ zu produzieren?

Ralf Günther: Da habe ich nicht eine Minute dran gedacht. Warum auch? Ich habe mir im Vorfeld lediglich nochmals eine Pocher-Show angeschaut, um zu sehen, wie die Bühne in das Studio gebaut worden ist..

Die Serien am Montagabend, die „Die Wochenshow“, und im Herbst auch wieder Harald Schmidt bei Sat.1: Sind die 90er Jahre wieder da?

Ralf Günther: Zu Harald kann ich natürlich nichts sagen, weil ich nicht weiß, was er machen wird.

Ich hab' da so eine Vermutung.

Chris Geletneky: Ich auch.

Ralf Günther: Er wird sich vermutlich selbst treu bleiben. Wenn aber die 90er auch mit der Quote zurückkommen: Gerne!

Herr Günther, Herr Geletneky, vielen Dank für das Gespräch.

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