Hugo Egon Balder © Sat.1/Boris Breuer
DWDL.de-Interview mit Hugo Egon Balder

"Ich hätte 'Genial daneben' gar nicht erst abgesetzt"

 

Sechs Jahre nach der letzten Folge kehrt "Genial daneben" zurück ins Sat.1-Programm - erneut mit Hugo Egon Balder. Im DWDL.de-Interview spricht er über das Comeback, seine Gelassenheit und die Frage, weshalb er nicht mehr über Formatideen nachdenkt.

von Alexander Krei
09.03.2017 - 20:00 Uhr

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Herr Balder, das Fernsehen feiert Comeback-Wochen. Kürzlich lief "Tutti Frutti" bei RTL Nitro, jetzt kommt "Genial daneben" zurück.

Das kann man ja alles machen. Was ich nur so schade finde, ist, dass man vieles nicht mit den Original-Leuten macht. Wenn ich "Familienduell" schaue, möchte ich das mit Werner Schulze-Erdel sehen – ist doch egal, dass der jetzt 20 Jahre älter ist. In Amerika interessiert es keine Sau, wenn die Moderatoren vor der Kamera altern. Die haben eben eine andere Einstellung. "Saturday Night Live" läuft dort ja auch inzwischen seit gefühlten 500 Jahren.

und zwar erfolgreich wie seit langer Zeit nicht mehr.

Die hatten ja auch schwierige Zeiten. Das ist ein ständiges Auf und Ab, aber da muss man eben einen Sender haben, dem es auch mal Wurscht ist, wenn man zwischenzeitlich ein bisschen Ebbe herrscht. Aktuell ist Alec Baldwin als Donald Trump natürlich ein absoluter Gewinn für die Show.

Sind die Zeiten nicht so spannend, dass ein Format wie "Samstag Nacht" nicht auch heute noch funktionieren würde?

Ich würde es vermutlich nicht mehr machen, weil man Sachen ruhen lassen sollte, wenn Sie wirklich älter sind. Bei "Samstag Nacht" war es ja auch mit der Besetzung ein Glücksfall. Das lässt sich so nicht wiederholen. Es gab ja immer mal wieder Tendenzen, etwas Ähnliches zu machen. Nehmen Sie "Die unwahrscheinlichen Ereignisse im Leben von..." - das war tolles Fernsehen. Die Jungs sind der Hammer, aber leider hat es der WDR wieder abgespeckt. Wenn ich da was zu sagen gehabt hätte, dann hätte ich das durchgezogen.

Jetzt machen Sie selbst wieder "Genial daneben" (Fr, 21:15 Uhr). Warum ist diese Idee nicht zu alt, als dass man sie besser ruhen ließ?

Wir haben vor sechs Jahren aufgehört, das ist ja noch keine allzu lange Zeit. Ich habe immer gesagt, dass ich "Genial daneben" gerne nochmal machen würde. Wäre ich damals Sat.1-Chef gewesen, dann hätte ich das Format gar nicht erst abgesetzt – das ist nämlich eine Show, die theoretisch über Jahrzehnte laufen kann.

Was macht für Sie nach all den Jahren den Reiz von "Genial daneben" aus?

Das Schöne bei dem Format ist ja, dass es eigentlich keins ist. Wir müssen nicht proben, müssen nichts erklären. Wir gehen ins Studio und wissen nicht, was passiert. Und da ich fast alle unserer Leute kenne, weiß ich, wie die ticken. Positiver Nebeneffekt: Keiner muss schon um 14 Uhr da sein, wenn wir um 18 Uhr aufzeichnen. Im Prinzip reicht es, eine Viertelstunde vorher zu kommen. Ich erinnere mich an den Tag, an dem Helge Schneider zum ersten Mal bei uns in der Sendung war. Alle waren da – bis auf Helge.

Was passierte dann?

Plötzlich rief er an und sagte, er hätte sich irgendwo in Hürth verfahren. Um viertel vor 7 ging die Aufzugtür auf und Helge stand mit einem riesengroßen Schalenkoffer im Raum. Er hatte sein Akkordeon mitgebracht, weil er die Sendung noch nie gesehen hat und daher gar nicht wusste, was ihn erwartet. Wirklich wahr. Wir haben ihm dann auch gar nicht erklärt, worum es geht, sondern ihn direkt ins Studio mitgenommen. Da guckte er sich das etwa drei Minuten an und sagte plötzlich: "Ach, das ist hier ein Quiz!" Und dann hat er ziemlich schnell gemerkt, worum es ging.

Wie war es für Sie, erstmals wieder das Studio zu betreten?

Für mich ist das wie nach Hause zu kommen. Man denkt immer, dass es das jetzt war – und plötzlich ist man doch wieder da. Ich bin da nicht so sentimental, so wie zum Beispiel Hella. Die weint immer fast, wenn eine Sendung eingestellt wird. Aber wenn's vorbei ist, dann ist es eben vorbei. Es fühlte sich diesmal so an, als wären wir nie weg gewesen.

Wie genau ist die Sendung wieder zurückgekommen?

Otto Steiner hat die Rechte für Constantin Entertainment erworben und danach das Comeback angeleiert. Zunächst sollte die Sendung wohl bei RTLplus laufen, aber irgendwann wurde mir mitgeteilt, dass Sat.1 jetzt eingestiegen sei. Das war mir dann auch recht.

Die neue Staffel bringt es allerdings auf gerade mal sechs Folgen. Wie erklären Sie sich die Zurückhaltung?

Das ist doch ganz normal geworden. Ich finde, sechs Folgen sind sogar schon recht viel. Und wenn die Quote abkackt, dann war es ja auch nicht die schlechteste Entscheidung. Natürlich kenne ich auch andere Zeiten. Als wir mit "Genial daneben" bei Matthias Alberti anfingen, haben wir gleich eine andere Schlagzahl vorgelegt. "Samstag Nacht" wäre auch nie so erfolgreich geworden, wenn wir nicht Marc Conrad gehabt hätten, der die Sendung unbedingt durchsetzen wollte, oder Rudi Carrell, der in einem Brandbrief an Helmut Thoma schrieb, ob er denn überhaupt wisse, was er für ein Juwel hat. Ohne ihn wären wir weiter um Mitternacht gelaufen und nach fünf Folgen weggewesen.

Gibt es abgesehen von "Genial daneben" noch etwas, auf das Sie im Fernsehen Lust hätten?

Es muss zu mir und meinem Alter passen. Ich möchte mich nicht verstellen, denn ich bin kein klassischer Showmaster. Bei den "Kirmeskönigen" ging es gerade so, obwohl ich für so eine Nummer eigentlich zu alt bin. Das muss ein 30-Jähriger machen – aber Scheißegal, wir haben's halt gemacht. Und es hat ja auch Spaß gemacht, weil Hella ein altes Rummelkind ist. Was ich aber tatsächlich gerne noch einmal produzieren würde, wäre eine Staffel von "Taratata".

Eine Musikshow, die Sie schon einmal vor vielen Jahren in Sat.1 gemacht haben.

Genau. Aber das wird nie funktionieren, weil alle Verantwortlichen sagen, dass Musik nicht funktioniert...

dabei hat Vox in der Vergangenheit durchaus das Gegenteil bewiesen.

Dennoch glaube ich nicht an einen neuen Versuch – schon alleine, weil die Sendung zu teuer ist.

Sie sprechen aus Erfahrung.

Wir haben zwei Ausgaben für Sat.1 gemacht und waren kurz davor, einen neuen Vertrag zu unterschreiben – mit Volkswagen als Sponsor. Einen Tag vor der Unterschrift ist allerdings der gesamte Vorstand zurückgetreten und das Format ist nie wieder ausgestrahlt worden. Damit war die Sache erledigt.

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