Thomas Gottschalk © Sat.1/Willi Weber
DWDL.de-Interview mit Thomas Gottschalk

Gottschalk: "Diesmal können sie mich nicht rausschneiden"

 

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Haben Sie damit gerechnet, welche hohen Wellen ihre Entscheidung für einen Werbevertrag für ein Möbelhaus im Rheinland schlägt?

Ich habe keinen Vertrag mit einem "Möbelhaus im Rheinland" gemacht, sondern die Leute vom Segmüller waren bereit, eine Classic-Rock-Sendung im Bayerischen Rundfunk zu sponsorn, die es sonst nicht gegeben hätte. Die sind genauso bayerisch wie ich. Als sie gesehen haben, wie teuer mein Flug ist, haben sie mich gefragt, ob ich ihnen auch bei ihrem Einstand im Rheinland helfe. Klar, hab ich gesagt, denen zeigen wir’s.

Aber es ist doch ein bekanntes Klischee: Der Star von früher, der heute Möbelhäuser eröffnet. Sie haben da definitiv eine Steilvorlage gegeben.

Ich habe zwar kein Möbelhaus eröffnet, aber möchte an dieser Stelle mal feststellen: Wer entscheidet eigentlich, dass Ikea cool ist und Segmüller nicht. Ich habe vor vierzig Jahren meinen Job beim Eröffnen von Möbelhäusern und in Provinz-Discos gelernt. Dort habe ich das Publikum getroffen, für das ich auch heute noch antrete. Eine Möbelhaus-Eröffnung ist eine größere Herausforderung als das Abschreiten eines roten Teppichs.

Guter Konter. Einige Moderationskollegen haben im besten Alter den radikalen vorzeitigen Rückzug angetreten: Stefan Raab, Hape Kerkeling oder Harald Schmidt. Die wollten irgendwann einfach nicht mehr. Sie sind aber noch nicht müde?

Ich habe keine Lichterketten bemerkt, die Harald Schmidt zur Rückkehr aufgefordert hätten, auch Mahnwachen für Hape sind mir nicht bekannt. Wir sind verderbliches Gut und jeder muss für sich entscheiden, wann Schluss ist. Irgendwann nimmt einem sonst das Publikum die Entscheidung ab und dann ist es definitiv zu spät. Wer an diesem Beruf den Spaß verliert, muss ihn aufgeben. Ich hab ihn noch.

"Bis auf Journalisten hat mir noch keiner geraten, ich soll’s lassen."
Thomas Gottschalk

Bei diesen kompletten Rückzügen frage ich mich immer: Gibt es nicht so etwas wie eine Verantwortung seinen Zuschauern bzw. Fans gegenüber?

Verantwortung ist vielleicht das falsche Wort. Nennen Sie es Zuneigung. Ich spüre eine tiefe Verbindung zu meinem Publikum und merke, dass die gegenseitig ist. Zwei Generationen sind mit mir groß geworden und sie haben nichts dagegen, mit mir alt zu werden. Es haben mir schon viele Leute unaufgefordert gesagt, dass sie sich über das, was ich mache, freuen. Und, bis auf Journalisten, hat mir noch keiner geraten, ich soll’s lassen.

Frank Elstner hat sich ja nun bei seiner Geburtstagsshow gewünscht, dass "Top, die Wette gilt" doch mit Kai Pflaume in Serie gehen solle. Glauben Sie, dass das funktionieren könnte?

Das hat er, von Rührung übermannt, in der ARD getan. Dass sich das ZDF eine Goldene Kamera klauen lässt, kann man durchgehen lassen. Aber ich gehe nicht davon aus, dass die Mainzer ein Format, das sie begraben haben, von der Konkurrenz wieder ausbuddeln lassen, ohne zu protestieren.

Sie haben im Vorgespräch gesagt, Sie wüssten inzwischen schon, dass Sie als Schlagzeilen-Maschine benutzt werden - und sich die Schlagzeile zum jeweiligen Interview meistens schon vorher denken können. Haben Sie schon einen Tipp, was es hier werden könnte?

“Gottschalk denkt nicht ans Aufhören” damit signalisieren Sie auch allen Kollegen sofort, dass Sie mir die entsprechende Frage pflichtgemäß gestellt haben.

Trotz all der Klatschpresse gelten Sie nicht als besonders klagefreundlich. Wie macht man seinen Frieden mit dem Quatsch der mitunter über einen geschrieben wird?

Wenn man nach mehreren Monaten einen Brief vom Anwalt bekommt, dass die “gegnerische Seite" gerade zu einer Gegendarstellung verurteilt wurde, weiss man selber kaum noch, worüber man sich einst erregt hat. Die Leute wissen es längst nicht mehr. Außerdem nimmt diese ganzen Käse-Blättchen eh niemand mehr ernst.

Was war das Absurdeste, was Sie je über sich lesen mussten?

Dass ich Mitglied bei "Scientology" sein sollte, hat mich fast noch mehr erschüttert als die Schlagzeile: "Gottschalk trägt bei 'Wetten, dass' Toupet".

Ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass Sie seit kurzem twittern. Wie ist denn das passiert?

Ich mache jeden ersten Sonntag im Monat drei Stunden Live-Radio beim Bayerischen Rundfunk. Da twittern mich die Hörer zu und ich habe leichtfertig gesagt, ich will das mal probieren. Den Account gibt es, seit meine Biographie "Herbstblond" auf den Markt kam, und die App klebte ungenutzt in meinem iPhone. Als ich kürzlich in Zermatt war, muss mich ein Höhenkoller erwischt haben. Ich hab ein Selfie vor dem Alpenpanorama gemacht und gereimt: "Hier seht ihr den Vatter vorn und hinter mir das Matterhorn”. Das hab ich reingestellt und ein paar Leute fanden das lustig. Ich muss zugeben, dass ich auch Spaß dabei habe.

Aber reichen Ihnen 140 Zeichen?

Man wird bescheiden.

Herr Gottschalk, herzlichen Dank für das Gespräch.

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