Heike Hempel © ZDF/Rico Rossival
DWDL.de-Interview mit Heike Hempel

"Der Lerchenberg soll erste Adresse für Serien sein"

 

Erst "Das Pubertier", dann "Zarah": Das ZDF startet am Donnerstag gleich zwei neue Serien - und das soll im Drama-Bereich erst der Anfang sein. Mit DWDL.de sprach die Hauptredaktionsleiterin Fernsehfilm/Serie II über die Pläne und den Serien-Boom.

von Alexander Krei
07.09.2017 - 07:46 Uhr

Frau Hempel, Sie starten im ZDF zwei neue Serien an einem Abend und darunter ist kein Krimi. Wie konnte das passieren?

(lacht) Es ist unser ausdrückliches Ziel, neben dem Krimi-Genre, das wir in der ganzen Bandbreite bespielen, den Bereich der Drama-Serien auszubauen. Mit "Dr. Klein" und "Bettys Diagnose" haben wir am Vorabend ja bereits gute Erfahrungen gemacht. Aus diesem Grund gehen wir jetzt mit "Das Pubertier" und "Zarah" in die Primetime.

Dennoch sind die Krimis nach wie vor in der Überzahl. Warum bekommen die Zuschauer davon nicht genug?

Der Krimi ist ein sehr starkes und erfolgreiches Genre. Das hängt auch damit zusammen, dass es einem Muster der Sicherheit – am Ende wird der Fall immer gelöst – und einem Ordnungssinn folgt. In einer immer komplexer werdenden Welt ist das ein wichtiges Merkmal. Allerdings haben wir auch bisher nicht ausschließlich auf das Krimi-Genre gesetzt. In unseren Einzelstücken und Reihen am Montag, am Mittwoch und am Donnerstag zeigen wir regelmäßig Dramen und Komödien. Und der "Bergdoktor" ist mit bis zu sieben Millionen Zuschauern einer unserer größten Erfolge.



Nun kommen "Das Pubertier" und "Zarah" hinzu. Für welche Ihrer beiden neuen Serien schlägt Ihr Herz ein Stück weit mehr?

Selbstverständlich mag ich beide Serien gerne, aber "Das Pubertier" ist noch ein bisschen mehr meine Lieblingsserie, weil es eine Familienserie ist, die - hoffentlich - alle Generationen anspricht, dabei einerseits lebensnah und andererseits aber auch sehr komödiantisch erzählt ist. Wir alle wissen ja, dass die komödiantische Serie die heimliche Königsdisziplin des fiktionalen Erzählens ist.

Neben der Buchvorlage von Jan Weiler gibt es bereits einen Film. Das dürfte es nicht leichter machen, die Erwartungen der Zuschauer zu erfüllen, oder?

Der Kinofilm und die Serie sind zwei unterschiedliche Interpretationen. Wir erzählen in zunächst sechs mal 45 Minuten das Thema Pubertät und Familie mit anderen Geschichten und zum Teil auch anderen Figuren, wie zum Beispiel einer Großelterngeneration, die sich von Folge zu Folge entwickeln. Auch in der Tonalität unterscheiden sich die beiden Formate. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass die Zuschauer, die im Sommer Lust hatten ins Kino zu gehen, trotzdem ein Interesse daran haben, sich unsere Serie anzuschauen. Und alle anderen hoffentlich sowieso.

Das Pubertier - Die Serie© ZDF/Britta Krehl
Die neue Journalisten-Serie "Zarah", die Sie im Anschluss zeigen, will zu dem humorigen Stoff allerdings nicht so recht passen.


Auch "Zarah" hat humorvolle Seiten. Aber die Serie ist ohne Frage das ambitioniertere Projekt. Ein Period-Drama, das sehr stark fokussiert ist auf eine Hauptfigur, nämlich eine junge Frau, die sich in den 70er Jahren in einer Männer-Domäne, dem Journalismus, durchsetzen muss. Dem Regisseur Richard Huber ist es gelungen, daraus eine Serie mit großer Homogenität und einem eigenen Stil zu machen. Und die Autoren Eva und Volker Zahn haben sich in der historischen Perspektive ein Thema vorgenommen, das uns nach wie vor umtreibt. Was beide Serien verbindet, ist unser Anspruch relevant, unterhaltsam und populär zu erzählen. Uns ist allerdings bewusst, dass man bei Drama-Serien häufig einen längeren Atem benötigt.

Dafür sind jeweils sechs Folgen, die sie zum Start produzieren ließen, aber recht überschaubar.

Wir begreifen den Start der beiden Serien als ersten Versuch und werden uns gegebenenfalls im nächsten Jahr weiter vortasten.

"Wir machen kein Fernsehen für eine digital versierte, sehr reiche, spitze, eher männliche Zielgruppe, sondern wir machen Fernsehen für alle!"
Heike Hempel

Was muss eine ZDF-Dramaserie im Jahr 2017 mitbringen?

Sie muss einen unverwechselbaren Kosmos entwickeln. Sie sollte eine Hauptfigur oder Hauptfiguren haben, mit hohen Widersprüchlichkeiten, die ihre Probleme nicht in 45 Minuten lösen. Darüber entsteht eine – Achtung Zauberwort – starke horizontale Erzählung, wobei wir Donnerstag 20.15 Uhr insgesamt klassisch erzählen, das heißt jeweils mit starken episodischen Geschichten.

Trauen Sie den Zuschauern zu wenig zu?

Wir brauchen einfach ein großes Angebot, schließlich wollen wir kein Nischenprogramm produzieren. Mit unseren Event-Miniserien haben wir allerdings immer wieder bewiesen, dass wir viele Dinge ausprobieren und immer mal wieder einen Schritt nach vorne gehen. Wir möchten auf dem Lerchenberg in Sachen Serie gern die erste Adresse für Kreativität und Innovation sein.

Welche Drama-Schlagzahl können Sie sich für die Zukunft vorstellen?

Wir sind noch sehr am Anfang und machen erste Erfahrungen. In einem nächsten Schritt können wir den Rhythmus sicherlich verändern. Es gilt zunächst einmal herauszufinden, welche Tonalität die Zuschauer mögen und innerhalb der Drama-Genres einiges auszuprobieren: Das kann ein Medical sein, eine Serie, die in der Schule spielt, bis hin zur Familien-Serie wie "Das Pubertier".

International hält der Serien-Boom weiter an. Lassen Sie sich davon beeinflussen?

Das inspiriert uns natürlich. Den Zuschauern steht heute eine Riesenauswahl an sehr gut gemachten Serien, speziell aus den USA und anderen europäischen Ländern, zur Verfügung. Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder unsere Rolle als öffentlich-rechtlicher Sender klarmachen: Wir machen kein Fernsehen für eine digital versierte, sehr reiche, spitze, eher männliche Zielgruppe, sondern wir machen Fernsehen für alle! Unsere Aufgabe besteht darin, mit den fiktionalen Programmen im Idealfall mehrere Generationen zu erreichen, so wie uns das beispielsweise in letzter Zeit mit "Ku'damm 56" oder mit den "Honigfrauen" gelungen ist.

Die Sonntagsfilme, die ebenfalls unter Ihrer Verantwortung entstehen, sind in der letzten Zeit modernisiert und entstaubt worden. Sind Sie inzwischen da, wo Sie hinwollten?

Was die Quoten-Entwicklung angeht, liegen wir im grünen Bereich. Es ist uns gelungen, bei den jüngeren Zuschauern zuzulegen und die Quote zu stabilisieren – gegen den "Tatort" ist das ja bekanntlich nicht gerade leicht. Die Modernisierung der Filme treiben wir schon seit einigen Jahren auf mehreren Ebenen voran. Wenn Sie einen "Rosamunde Pilcher"-Film von heute und von vor fünf Jahren anschauen, dann werden Sie deutliche Unterschiede erkennen. Neben der Erneuerung bestehender Marken haben wir neue Reihen entwickelt, wie beispielsweise "Marie fängt Feuer" mit Christine Eixenberger, die nächsten Folgen strahlen wir am 05. und 12. November aus. Außerdem haben wir zwei neue Reihen, "Ella Schön" und "Tonio und Julia", gerade im Dreh.

Frau Hempel, vielen Dank für das Gespräch.


Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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