© UFA/Marcus Höhn
DWDL.de-Interview mit dem alleinigen UFA-Chef

Nico Hofmann: "Natürlich ist die UFA systemrelevant"

 

Seit Anfang September leitet Nico Hofmann die Geschicke der UFA als alleiniger Geschäftsführer. Im Interview spricht er über das Delegieren von Aufgaben, die manchmal schwierige UFA-Vergangenheit, seine Wünsche für den Show- und Serien-Bereich - und seinen Abschied.

von Timo Niemeier
12.09.2017 - 10:00 Uhr

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Herr Hofmann. In den vergangenen zwei Jahren waren Sie an der Seite von Wolf Bauer Geschäftsführer der UFA, seit dem 1. September sind sie allein verantwortlich. Was haben Sie in den vergangenen zwei Jahren von Wolf Bauer gelernt, was Sie vorher nicht auch schon wussten?

Nico Hofmann: Offen gestanden zunächst einmal gar nichts. Es ist ja nicht so, dass ich mich erst seit zwei Jahren mit der UFA beschäftige. Wir befinden uns schon lange in einem ständigen Prozess der Veränderung. Nach der Fusion der Fiction-Firmen gab es immer große UFA-Themen, von daher war ich schon früh mit Fragen beschäftigt, die das Gesamtunternehmen betrafen. Was die letzten zwei Jahre verdichtet war, ist eine managementmäßige Beschäftigung mit der UFA. Vorher war ich sehr viel als Produzent unterwegs, das ändert sich jetzt. Die jetzige Aufgabe ist mehr zahlen- und personalgetrieben, kreativ bleibt sie dennoch.

Sie müssen sich in Ihrer Arbeit massiv umstellen. Wie leicht fällt Ihnen das Delegieren von Aufgaben? Haben Sie schon viele Dinge delegiert?

Ich delegiere bereits viel mehr, aber ich merke auch, dass das ein Prozess ist, den man langsam lernen muss. Man muss sich aus bestimmten, langjährigen Projekten einfach verabschieden und die Verantwortung komplett abgeben. Da verlasse ich mich auf viele starke UFA-Produzenten. Bei "Deutschland86" bin ich zum Beispiel gar nicht mehr als Produzent dabei.

Werden Sie zum Schreibtischhengst?

Ein Schreibtischhengst wird man in dem Beruf nicht. Ich habe mich zuletzt gemeinsam mit Ute Biernat, Dieter Bohlen und Tom Sänger bei RTL um die Erneuerung von "DSDS" gekümmert. Mit Dieter Bohlen trifft man sich nicht am Schreibtisch, das ist ein kreativer Prozess. Generell werden die Meetings mehr, und durch die zunehmende Internationalisierung trifft man sich auch immer mehr außerhalb Europas. Das sind alles keine Schreibtischtätigkeiten. Meine Reisen haben massiv zugenommen.

Sie sind trotzdem noch bei erstaunlich Projekten als Produzent dabei. Schaffen Sie das zeitlich überhaupt noch?

Ich finde gar nicht, dass es so viele sind. Das sind Projekte, die ich maßgeblich selbst initiiert habe. So etwa wie mit "Siegfried und Roy", das kann und möchte ich nicht abgeben, auch, weil ich mich mit beiden so oft getroffen habe, dabei ist eine richtige Freundschaft entstanden. Die beiden erwarten auch, dass ich mit an Bord bleibe. Trotzdem produziere ich das Projekt gemeinsam mit Christian Rohde und Sebastian Werninger. Ein weiteres Projekt, bei dem ich noch Produzent bin, ist zum Beispiel die Porsche-Saga und eine weitere große Produktion, die mir sehr am Herzen liegt, die wir aber erst im Herbst verkünden werden.

Gegenüber dem "Spiegel" haben Sie zuletzt gesagt, Sie wollen sich künftig mehr Freiraum verschaffen. In welcher Welt hat ein alleiniger UFA-Chef Nico Hofmann jemals mehr Zeit als vor einem Jahr?

Der Vorteil ist, dass ich mich nicht mehr in jedes redaktionelle Gespräch, nicht mehr in jedes Detail einklinken muss. Da gewinnt man enorm Zeit. Das gibt einem übrigens auch die Möglichkeit, strategisch und von außen auf Projekte zu schauen. Da muss ich mich ganz auf meine Produzenten verlassen. Aufgebracht bin ich nur, wenn ich etwas missraten finde.

So etwas passiert?

Ja, wie wahrscheinlich überall und natürlich wird auch in manchen Fragen gegen meinen Willen entschieden, wie gerade kürzlich. Wenn mich dann ein fertiger Film nicht überzeugt, sage ich das schon. Ich werde nicht laut, aber analysiere im Zweifel sehr lange und sehr genau, warum ich etwas nicht gut finde. Bei dem konkreten Projekt werden wir jetzt eine Testvorführung machen. Einfach auch, weil ich schauen will, wer nun richtig lag. Wenn ich recht behalte, wird umgeschnitten. Manchmal muss man so lange diskutieren, bis man eine Lösung findet, vor allem wenn man merkt, dass das Projekt ansonsten gegen die Wand fährt.

Der Wechsel an der Unternehmensspitze ist ja auch ein Generationenwechsel. Was bedeutet das für die UFA?

Es ist ein ganz klares Signal in die ganze UFA hinein. In meinem Vertrag gibt es eine Altersgrenze von 65 Jahren. Ich habe also genau acht Jahre vor mir und natürlich will ich auch die Mannschaft aufbauen, die dann nachfolgt. Ich schaue derzeit auch sehr stark auf die unter 30-Jährigen und verjünge das Unternehmen. Ich will ja lieber, dass talentierte Studenten mit uns zusammenarbeiten, als dass sie Start-ups gründen und dann operativ im Mark gegen uns agieren. Und es gibt viele tolle Talente. Wiedemann & Berg ist ein schönes Beispiel: Die Qualität der beiden hat man sehr früh gesehen, mittlerweile sind das für uns ernsthafte Konkurrenten.

Ihre Amtszeit als alleiniger Geschäftsführer fängt gerade erst an und da kündigen Sie bereits Ihren Abschied an?

Ich halte es nie für gut, wenn man das Gefühl transportiert, dass sich Berufslaufbahnen bei Führungskräften ewig hinziehen wie eine Never-Ending-Story. Für die nächste Generation bedeutet das ja auch, dass es für sie klar absehbar ist, wann sie mehr Verantwortung bekommt. Kein kompetenter Geschäftsführer oder Produzent würde hierbleiben, wenn er wüsste, dass ich bis 85 bleibe und es im Unternehmen keine weiteren Aufstiegsmöglichkeiten mehr gibt.

Sie sprechen schon lange von einer Aufbruchstimmung im Markt. Ist sie noch vorhanden?

Ja, das empfinde ich so. Es gibt derzeit schier unendlich viele Möglichkeiten. Die Streaming-Plattformen werden in den nächsten zwei bis drei Jahren erheblich mehr Volumen in Deutschland produzieren, davon bin ich überzeugt.

Mein großer Wunsch ist es, dass wir nochmal eine große tägliche Serie produzieren. 

2016 war laut Ihnen das Jahr des Durchbruchs für die deutsche Serie. Was wird 2017 für ein Jahr für die UFA?

Ein sehr erfolgreiches. Wir verzeichnen ein stetiges Wachstum und ich bin wirklich sehr zufrieden. Vor allem im Digitalbereich machen wir neue Geschäftsfelder auf. Aber natürlich gibt es auch immer wieder Baustellen. Gerade arbeiten wir sehr intensiv an unseren täglichen Serien "Unter Uns" und "Alles was zählt", damit sich die Quoten weiterhin stabilisieren. Mein zweites Augenmerk gilt dem Showbereich: Hier brauchen wir mehr Eigenentwicklungen und ich bin im Zuge dessen sehr stolz auf "Wer weiß denn sowas?", das in Zusammenarbeit mit Ute Biernat, dem NDR und Kai Pflaume entstanden ist. Solche Modelle stelle ich mir sehr gut auch mit Tom Sänger bei RTL und Uwe Schlindwein bei Sat.1 vor.

UFA Serial Drama lebt von den drei großen RTL-Dailys. Wann kommt da mal wieder was neues?

Mein großer Wunsch ist es, dass wir nochmal eine große tägliche Serie produzieren. Gemeinsam mit Joachim Kosack und Markus Brunnemann entwickeln wir Konzepte, die dafür in Frage kommen. Das ist der Ehrgeiz der ganzen Mannschaft, die meiner Meinung nach die beste am Markt ist. Entsprechend hoch ist das Engagement.

Wo ist denn noch Potenzial für eine tägliche Serie? RTL ist ja schon gut bestückt und bei ProSieben und Sat.1 sieht es nicht so aus, als würde es bald große Veränderungen geben.

Das gibt es überall, sowohl für den Nachmittag als auch am Vorabend. Insbesondere bei Sat.1 und ProSieben sehe ich Potenzial. Ich bin sowieso der Meinung, dass sich der ganze Publikumsgeschmack deutlich mehr an deutschen Produkten orientieren wird. Gerade was Serien aus USA angeht, gibt es nicht mehr so viele Schnittmengen und das Interesse lässt nach. Amerikaner leben inzwischen einfach ganz anders, haben andere Probleme und behandeln dieses Lebensgefühl in ihren Serien entsprechend. Und je nischiger ein amerikanisches Projekt ist, desto weniger kommt es hier an. Der deutsche Markt würde gut daran tun, sich auf eine große Welle von deutschen Produktionen vorzubereiten. Das ist auch der Grund, warum RTL massiv Geld in neue Serien investiert.

ProSiebenSat.1 braucht eine ganz starke und signifikante Anzahl an deutschen Produktionen, um wieder Profil in dem Bereich zeigen zu können.

ProSiebenSat.1 geht einen anderen Weg.

ProSiebenSat.1 braucht eine ganz starke und signifikante Anzahl an deutschen Produktionen, um wieder Profil in dem Bereich zeigen zu können. Aber das ist mit dem exzellenten Team um Wolfgang Link, das der Sender hat, zu schaffen. Es geht vielmehr darum, dass sich das Management klar dazu bekennt.

ProSiebenSat.1-Vorstand Conrad Albert hat nun eine Umverteilung der Rundfunkbeiträge vorgeschlagen. Sie haben das in der "FAS" als "abenteuerlich" bezeichnet.

Conrad Albert hatte sich in einem Interview darauf bezogen, dass der Sender bei Nachrichten, Reportagen und gesellschaftsrelevanten Themen so stark sei. Ich habe nur darauf verwiesen, dass N24 gerade an die Welt-Gruppe verkauft wurde. Das kann man nur mit einer gewissen Ironie sehen. Nachrichten und Reportagen sind nun wirklich nicht das, wofür ProSieben und Sat.1 bekannt sind.

Auf Seite zwei lesen Sie, warum die Erneuerung von "DSDS" für Nico Hofmann Chefsache ist, was er zur geplanten Hitler-Serie, zur Zusammenarbeit mit Amazon und zu den UFA-Propagandafilmen der Nazizeit sagt. Und er sagt, was ihn an der Arte-Doku zum 100-jährigen UFA-Jubiläum stört. 

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