Bastian Pastewka © Agency People Image (c) Michael Tinnefeld
Bastian Pastekwa im Gespräch

Warum riecht Ihre Serie nach Rahmschnitzel, Herr Pastewka?

 

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Glauben Sie, dass ihnen die alten Fans aus Sat.1-Zeiten zu Amazon folgen werden?

Wir hoffen es. Es gab jedenfalls viele, die uns um weitere Folgen baten, sodass wir uns schlecht fühlten bei dem Gedanken, „Pastewka“ mit dem Ende der 7. Staffel einzustellen.

Hatten Sie nochmal Kontakt zu Sat.1? Hat man ihnen den Wechsel übel genommen?

Wir haben das mit Sat.1 sehr offen kommuniziert, deswegen gab es da glücklicherweise auch keine Schwierigkeiten. Zumindest hat mich nichts erreicht. Im Übrigen sitze ich Freitagabend wieder bei „Genial daneben“.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Amazon?

Das weiß ich im Detail nicht, weil ich nicht in alle Prozesse involviert war. Aber es gab schon vor zwei Jahren einen Anruf von Amazon bei Brainpool. Man sagte uns, dass „Pastewka“ dort im Hause sehr beliebt sei. Jetzt wo ich weiß, dass Christoph Schneider (Deutschland-Chef von Amazon Prime Video, Anm. d. Red.) so großer Fan der Serie ist, bin ich mir gar nicht so sicher, ob sie damit ihre Nutzer oder einfach nur sich selbst meinten. Jedenfalls wollte man damals schon wissen, ob neue Folgen kommen werden. Und dieser frühe Kontakt war der Einstieg in die Fortsetzung.

Und mischt Amazon bzw. Christoph Schneider dann mit wenns um die Gestaltung geht?

Wir hatten das Glück mit einer Serie in der achten Staffel zu Amazon zu gehen und damit nicht mehr in der Pilotierungsphase zu stecken, bei der möglicherweise viele Beteiligte eine Meinung haben. Wir wollten die Art, wie wir unsere Sitcom machen, nicht verändern und Amazon auch nicht.

Vier Jahre Pause zwischen zwei Staffeln. Ist das hilfreich?

Die vier Jahre Pause waren, unabhängig vom Anbieterwechsel, durchaus hilfreich. Die Staffeln 5, 6 und 7 haben wir für Sat.1 zwischen 2011 und 2013 sozusagen im Akkord weggekloppt. Wir haben sie geschrieben, gedreht, geschnitten, beworben, gesendet und dann ging es gleich wieder von vorne los. Ich bin in den Jahren mit der Serie aufgestanden und wieder ins Bett gegangen. Ich war ganz froh durch die Pause auch mal wieder diesen Tunnelblick ablegen zu können und zwischendurch etwas anderes zu machen.

Ist die Zusammenarbeit mit Amazon anders als mit Sat.1? Gab es mehr Freiheiten?

Für mich ist nicht spielentscheidend, dass man eine größere kreative Freiheit bekommt. Oder wie man so oft sagt, dass man endlich sein eigener Herr ist und niemand einem mehr reinredet. Wir haben auch mit Sat.1 sehr partnerschaftlich gearbeitet. Für uns war wichtiger, sich den neuen Anbieter zu vergegenwärtigen. Amazon Prime Video richtet sich an Serienfans und dort stehen wir für immer im Regal - was meinen privaten Weltherrschaftsplänen natürlich entgegenkommt. Man macht die Serie für ein Publikum, das sehr viele andere Serien schaut. Das ist ein anderes Umfeld mit einem anderen Seriengeschmack.

Wie hat sich „Pastewka“ denn weiterentwickelt?

Also rein inhaltlich bin ich 45 geworden, in der Serie und glücklicherweise durfte ich auch im echten Leben so alt werden. Wir bewegen uns also in wunderbaren Untiefen der Midlife-Crisis. Zuerst denkt Bastian, er bekommt sie nicht, dann schiebt er eine vor, um für sein schlechtes Verhalten eine Carte Blanche zu bekommen. Und danach hat er leider eine. Sie spiegelt sich in den Familienmitgliedern, also seinem Bruder Hagen, Nichte Kim und natürlich Freundin Anne. Auch wenn unser Titel-Cover ein Roadmovie andeutet; es geht in der neuen Staffel nicht darum, dass Bastian in eine andere Welt aufbricht und mit 45 alles aufgibt.

"Wir haben zum ersten Mal das Tragikomische deutlicher betont."
Bastian Pastewka

Ein Alter, in dem man auch einige Nacktszenen drehen kann…

Nicht zum ersten Mal. Es gab schon eine schreckliche Fitnessstudio-Folge in der zweiten Staffel, in der ich spärlich bekleidet auf einem EKG-Fahrrad saß. Auch in Staffel 6, in der Folge „Die Lesung“, sieht man mich au naturel in der Badewanne. In dieser Staffel sind wir nun endlich reif für Nudity in Ultra HD.

Sie haben eben die inhaltliche Veränderung beschrieben. Gibt es auch eine Entwicklung im Stil der Serie?

Ja, wir haben zum ersten Mal das Tragikomische deutlicher betont. Eben auch, weil alle Charaktere der Serie über die Jahre und viele Folgen ein Eigenleben bekommen haben. Wir erzählen horizontaler als vorher, wobei wir damit ehrlich gesagt auch schon in der 6. und 7. Staffel begonnen haben. Das Wichtigste: das wunderbare Ensemble ist wieder dabei. Alle Pastewkas, wir haben niemanden verloren.

Nicht wie bei „Game of Thrones“.

(lacht) Es wird niemand geköpft. Obwohl es genug Gründe gäbe, wenn ich an die Bruck denke. Nein, was ich sagen will: Es ist alles wie immer, wir sehen alle wieder. Dass der Serien-Bastian von Zuhause flieht, folgt dem Satz von Edgar Reitz: „Heimat ist weggehen, um heimzukommen.“ Das ist vielleicht die Kernthese unserer Staffel.

Wie leicht fällt es Ihnen, sich für popkulturelle Referenzen in der Serie zu entscheiden. Anne und Bastian gucken beispielsweise „Twin Peaks“…

Der „Twin Peaks“-Gag aus unserer ersten Episode – also die Tatsache, dass Bastian seiner Anne an die Brüste fasst und fröhlich „Twin Peaks“ ruft - ist aus dem wahren Leben abgeleitet. Ich darf aber nicht ins Detail gehen, was da genau passiert ist. Das ist mir von jemandem verboten worden (lacht).

In gewisser Weise ist die achte Staffel bei Amazon ein Neuanfang. Der wird doch nicht nach einer Staffel wieder vorbei sein, oder?

Ich persönlich habe da noch keine Informationen. Aber schauen wir doch mal bei DWDL nach, vielleicht steht da schon was.

Das wüsste ich. Aber Sie hätten nächstes Jahr noch Zeit, die nächste Staffel zu drehen?

Selbstverständlich.

Sie haben vor dem Start heute auch wieder eine Kinotour durch Deutschland gemacht. Schön, wenn für Serien inzwischen auch Premiere gefeiert wird wie früher nur für Filme.

Wir haben mit Amazon gleich drei Fan-Premieren veranstaltet, in Berlin, München und Köln. Solche Kino-Abende haben wir übrigens schon seit der dritten Staffel gemacht und bei der 7. Staffel sogar sämtliche Folgen am Stück gezeigt bis in die Nacht. Es gibt nichts Besseres, als zum Schluss einer Produktion die Episoden einmal mit dem Publikum zu schauen. Das macht für mich den Haken an die jeweilige Staffel. Meist liegt eine Sendung lange beim Sender, dann läuft sie irgendwann und die erste Reaktion am Morgen danach ist die vermaledeite Quote. Und dann wird rumgedeutet. Das ist mir ja auch alles lieb und recht - so lange ich vorher einmal selbst erlebt habe, dass die Serie vor Publikum angenommen wurde.

Oder die GfK hat mal massive Probleme, dann hätte es nicht mal die Quote gegeben.

(lacht) In der Woche kürzlich haben sich alle mal wie bei Amazon Prime Video gefühlt. Da gibts auch keine Quoten.

Ich würde gerne nochmal kurz über was ganz anderes reden. Sie sind großer Hörspiel-Fan. War ich als Jugendlicher auch. Heute fehlt mir da der Zugang. Abends schlafe ich beim Hören ein und tagsüber erwische ich mich dabei, irgendwann was anderes nebenbei zu machen und nicht mehr zuzuhören. Was fasziniert Sie so an Hörspielen?

Ihre Erfahrungen decken sich mit dem, was ich ebenfalls als Feedback bekomme. Und die Generation, die halb so alt ist wie wir, unterscheidet gar nicht mehr zwischen Hörspiel und Hörbuch: Ein Hörbuch spricht ein Interpret oder eine Interpretin, ein Hörspiel dagegen ist eine große Inszenierung mit vielen Schauspielern, Geräuschen und stimmungsvollen atmosphärischen Klängen. Ich mag letztere lieber, weil man im Ohr ein komplexeres Bild zusammensetzen muss; und habe deshalb nach wie vor eine große Affinität zu den klassischen öffentlich-rechtlichen Radio-Hörspielen.

Die Sie ja auch sehr gerne auf Twitter empfehlen und das ja auch auf Interesse stößt. Dabei ist „Paul Temple“ aus den 50er Jahren.

Richtig. Speziell „Paul Temple und der Fall Jonathan“ von 1954 ist mit 8 mal 45 Minuten ideal zum Binge-hearing. Ich gestehe: die unschuldigen Mono-Klassiker sind mir aus rein nostalgischen Gründen lieber als manche neueren, kommerziellen Hörspiele, die sich irgendeine alte Horrorgeschichte vornehmen und diese dann im bombastischen Kino-Surround-Sound-Stil erklingen lassen.

Wann hören Sie denn Hörspiele?

Ich fahre wahnsinnig viel Auto und wenn ich lange Fahrten vor mir habe, finde ich ausreichend Zeit. Da arbeite ich all das ab, was ich mir noch anhören wollte und wozu ich sonst nicht komme.

Ah, sehen Sie. Ich fahre kein Auto. Die Gelegenheit fehlt mir. Aber Ihre Tweets haben mich mehr als einmal neugierig gemacht. Wobei es ja schade ist, dass es meist sehr alte Hörspiele sind. Schade in dem Sinne, dass es heute nicht mehr so viele gibt wie früher…

Da erwecken meine Tweets vielleicht einen falschen Eindruck. Ich höre einfach nur sehr gerne die alten Klassiker und empfehle das, was ich schon kenne. Meistens Kriminal- oder Spukgeschichten aus den 50er Jahren wie „Gaslicht“ oder „Mord im Pfarrhaus“.

Aber das Hörspiel gibt es doch im deutschen Radio immer seltener. Es findet zumindest kaum Beachtung, weil die populären Sender auf Durchhörbarkeit setzen. Da haben Formate, Wortsendungen und Hörspiele doch gefühlt immer seltener Platz.

Exakt. Ich habe in den vergangenen Jahren mit mehreren ARD- Rundfunkanstalten an kleinen schönen Radio-Hörspielen gearbeitet, und ich hörte überall „Wir kriegen die Flächen nicht mehr“ - und es ist auch so: dem MDR wurde ein eingeführter Sendeplatz gestrichen, der WDR hat gerade seinen täglichen Hörspieltermin um eine halbe Stunde kürzen müssen und im BR wird die Hörspiel-Leitung nun offenbar ganz eingespart. Es gibt zwar einen großen downloadbaren Hörspielschatz im Netz, aber ich zumindest habe noch nicht begriffen, auf welchen Audio-Mediatheken der ARD ich etwas Bestimmtes finde.

Zur Benutzerfreundlichkeit der Mediatheken hat Stefan Stuckmann ja neulich für Übermedien einen schönen Text geschrieben.

Es wird einem dort jedenfalls einfacher gemacht, den „Bergdoktor“ zu finden, als mit tollen Hörspielen in Kontakt zu kommen.

Eine Frage noch zu „Pastewka“. Seit der zweiten Staffel formen sie mit ihrer Silhouette und ausgebreiteten Armen im Intro der Serie das T. Nur in der ersten Staffel stehen sie ohne ausgebreitete Arme dort. Ist erst später aufgefallen, dass Sie ja auch gleich das T darstellen könnten?

Sie haben Recht. Es las sich wie „Paslewka“. Und ich habe keine Ahnung, wie uns das durchgehen konnte. Hat bestimmt Hagen verbockt!

Herr Pastewka, herzlichen Dank für das Gespräch.


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