Pastewka © Amazon/Minestrone TV
Serienkritik zum Start der 8. Staffel

"Pastewka"-Neustart bei Amazon: Festival der Fettnäpfchen

 

Nach längerer Pause geht „Pastewka“ am Freitag in die achte Runde und erzählt die Schusseligkeiten des Hauptprotagonisten beim neuen Auftraggeber Amazon mit ungewohnter Entspanntheit. Das kostet Tempo, birgt aber die Chance einer großartigen Weiterentwicklung.

von Peer Schader
25.01.2018 - 08:41 Uhr

Vier Jahre ist es her, dass die Zuschauer von Sat.1 zuletzt zusehen durften, wie sich ein gewisser „Bastian Pastewka“ durch sein kompliziertes Privatleben schusselt und nebenbei seine TV-Karriere am Laufen halten muss. Seitdem war Sendepause. Und man mag sich gar nicht vorstellen, welche enormen Kosten in dieser Zeit für die Zwischenlagerung der nicht benötigten Fettnäpfchen angefallen sind.

Glücklicherweise sind sie alle unbeschadet geblieben und können nun direkt aufgestellt werden – in der achten Staffel von „Pastewka“, dem schönsten Peinlichkeitsexperiment, das das deutsche Fernsehen je hervorgebracht hat. Auch wenn die neuen Episoden dort nun gar nicht mehr laufen, sondern vorerst nur bei Amazons Streaming-Ableger Prime Video, der erfreulicherweise die Fortsetzung in Auftrag gegeben hat, zu der man sich bei Sat.1 offensichtlich nicht durchringen konnte.

Das war vielleicht ganz gut so. Denn nach längerer Pause schließt „Pastewka“ inhaltlich zwar dort an, wo Staffel 7 aufhörte. Zugleich merkt man aber bereits der Auftaktfolge die neuen Freiheiten an, die Ensemble und Autoren – losgelöst von bisherigen Sendeschemazwängen – beim neuen Auftraggeber genießen.

Auch in der Serie sind vier Jahre vergangen. Bastian spielt immer noch in der Erfolgsserie „Frier“ von Annette Frier, hat aber keine Lust mehr, dort in einer Tour den Deppen geben zu müssen („Die Gags sind alle aus der Hölle“), kündigt – und startet damit ein neues Festival der Missverständnisse. Das darf sich 52 Minuten am Stück Zeit nehmen, um seinen Höhepunkt zu erreichen – doppelt so lange wie zu TV-Zeiten, als Episoden in der Regel nach 23 Minuten zu Ende erzählt sein mussten.

Pastewka
© Amazon/Minestrone TV


Ein paar Minuten weniger hätten ehrlich gesagt auch ausgereicht – aber vielleicht muss man sich als treuer „Pastewka“-Gucker selbst erst noch an die ungewohnte erzählerische Entspanntheit gewöhnen, die auch deshalb möglich ist, weil in Staffel acht nun sehr viel horizontaler erzählt wird als bisher.

Das nimmt an vielen Stellen leider Tempo aus der Geschichte, das oft eine Stärke der „Pastewka“-Verdichtung war; es macht aber auch neugierig darauf, wie sich die Figuren weiterentwickeln können, wenn nicht nach einer knappen halben Stunde alles wieder auf null gestellt werden muss, um auf größtmögliche Wiederholbarkeit ausgelegt zu sein.

Es ist abgesehen davon auch nötig, weil viele Charakter-Konstellationen langsam aber sicher auserzählt sind – und es schafft Raum, um „Pastewka“ noch einmal neu zu erfinden. Vielleicht sogar ein bisschen böser und drastischer als bisher.

Das „Pastewka“-Gefühl ist freilich noch immer dasselbe. Alle Ensemble-Mitglieder sind wieder mit dabei (inklusive des roten Saabs!), Frau Bruck ist für Bastian immer noch die „hinterlistige Höllenbrut“ von früher, die Beziehung mit Anne wackelt gleich zum Start gewaltig. Und als kleine Reminiszenz an den hypochondrischen Hauptdarsteller aus der ersten „Pastewka“-Staffel, der am Drive-In-Burger-Schalter nur sehr ungern seine Postleitzahl herausgibt, fährt der um vierzehn Jahre gereifte Pastewka gleich in der ersten Folge mit seiner hassgeliebten Nichte Kim noch einmal zum Drive-In und antwortet beim Bestellen auf dieselbe Frage wie 2004 mit größtmöglicher Entspannung: „Postleitzahl am Arsch!“

Pastewka
© Amazon/Minestrone TV


Im Grunde muss Staffel acht das Kunststück hinkriegen, den „Pastewka“-Fans das zu liefern, was sie an der Serie lieben, sie aber gleichzeitig davon überzeugen, dass es nötig ist, dafür auch mal neue Wege zu gehen.

Was auch dazu führt, dass die Serie – so deutet es sich zumindest an – riskiert, stärker als früher zwischen den Genres zu wandern. Wie eine klassische TV-„Comedy“ sieht „Pastewka“ in der neuen Heimat jedenfalls nicht mehr aus. Nach sieben Staffeln und vier Jahren Pause ist das eigentlich das Beste, das einer Serie passieren kann, die sich eigentlich ewig fortsetzen ließe, so lange Pastewka nicht die Fettnäpfchen für „Pastewka“ ausgehen. Und das ist nach aktuellem Stand nun wirklich nicht zu befürchten.

Amazon Prime Video zeigt die achte „Pastewka“-Staffel ab diesem Freitag.

Über den Autor

Peer Schader arbeitet als freier Journalist in Berlin. Schrieb seine erste TV-Kritik 2000 über eine RTL-II-Fahrschuldokusoap (und danach noch ein paar mehr). Mag Fernsehen vor allem dann, wenn es sich richtig viel Mühe gibt, sein Publikum zu fesseln.

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