Kaspar Pflüger © Sat.1
DWDL.de-Interview

Sat.1-Chef Kaspar Pflüger: "Der Dienstagabend gehört uns"

 

Mit so viel eigenproduzierten Filmen und Serien in Erstausstrahlung wie seit fünf Jahren nicht, will Sat.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger den Dienstagabend gegen den Angriff von RTL verteidigen. In der Primetime sieht er neue Stabilität, aber es mangelt nicht an Baustellen.

von Thomas Lückerath , München
02.02.2018 - 10:40 Uhr

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Herr Pflüger, wo liegen 2018 für Sie die Prioritäten bei Sat.1?

Wir haben im vergangenen Jahr an vielen Stellen wichtige Fortschritte gemacht, die die nackte Zahl des Jahresmarktanteils noch nicht wiederspiegelt. In der Primetime sind wir mit 20 Prozent mehr Erstausstrahlungen in den Marktanteilen gewachsen. Wir haben dabei mehr neue Formate ausprobiert als irgendein anderer großer Sender. Und davon sind viele durch ihren Erfolg zu wiederkehrenden Formaten geworden. Kein Vergleich zum Jahr zuvor.



Wie meinen Sie das?

Wir befinden uns bei Sat.1 immer noch im Prozess der Neuaufstellung. Ende 2016 gab es in der Primetime nur ein Drittel wiederkehrende Formate, zwei Drittel waren gezwungenermaßen neue Versuche. Natürlich sind Neustarts per se aufregender und auch für Sie als Journalist spannender. Aber es ist natürlich auch mit einem gewissen Risiko behaftet, so mutig zu sein. Und manches hat dann eben auch nicht funktioniert. Wichtig dabei ist aber: Wir haben jetzt Programme in allen Genres – von US-Serien über deutsche Serie mit „Einstein“ bis zum ganzen Fun Freitag – mit denen wir 2018 in neue Staffeln gehen und dabei aus den ersten Staffeln lernen können. Und so können wir das Jahr 2018 mit zwei Drittel wiederkehrender Formate planen. Das hilft enorm. 

Das wird Werbekunden freuen, die Verlässlichkeit verlangen.

Sat.1 wird wieder vertrauter, für unser Publikum wie für die Werbekunden. Das schaffe ich über Kontinuität, über ein klares Programmschema und über Köpfe. Der Freitagabend zeigt das exemplarisch. Comedy war immer eines der Kerngenres von Sat.1, aber in 2015, als ich den Sender übernommen habe, hatten wir nur zwei Comedy-Formate für den späteren Abend: „LUKE! Die Woche & ich“ und „Knallerfrauen“. Das war alles. In 2018 werden wir den Fun Freitag mit mindestens zwölf Formaten in der Primetime bestücken können.

Sat.1 will also wieder vertrauter werden. Also weniger laut und krawallig, wie zwischenzeitlich mit z.B. „Promi Big Brother“?

„Promi Big Brother“ bleibt das Highlight im Sommer zum Start in die Herbst-Saison. Es geht auch nicht darum, weniger laut zu sein. Laut sein bedeutet für mich: Geschichten zu erzählen, die so besonders sind, dass sie gehört werden. Das gelingt bei Formaten wie „Hochzeit auf den ersten Blick“, „The Biggest Loser“ oder natürlich „The Voice of Germany“. Trotzdem sind es respektvoll und positiv erzählte Formate, so wie unser im Frühjahr startendes „Hotel Herzklopfen“, ein charmantes Dating-Format für Singles über 65. Und das wird uns auch bei unserer neuen Gründer-Show „Start up!“ mit Carsten Maschmeyer gelingen, die ebenfalls dieses Frühjahr startet. Wir bieten modernes Familienfernsehen mit einer Feel-Good-Tonalität.

Mit „Genial daneben“ zündete dann der Fun Freitag, an dem auch Luke Mockridge zuhause ist. Wäre es nach der erfolgreichen Etablierung nicht erstrebenswert, seine Late Night regelmäßiger zu zeigen?

Das würden wir gern, aber Luke ist mit seinem erfolgreichen Live-Programm viel unterwegs und dadurch sehr eingebunden. Wichtiger ist mir, dass wir generell mehr mit Luke machen können. Er ist der Shootingstar im deutschen Fernsehen und hat sich wirklich wahnsinnig toll entwickelt. Wo andere die Nische lieben, hat Luke ganz großen Spaß am Mainstream. Das passt sensationell zu Sat.1, wo wir im vergangenen Jahr gesehen haben: Er kann auch Primetime. All seine Formate gehen weiter.

Und abseits von Luke Mockridge?

Schritt für Schritt werden wir den Fun Freitag mit neuen Formaten stärken, um diesen Abend ganzjährig bespielen zu können. „Genial daneben“ hat uns in der Branche wieder auf das Spielfeld zurückgebracht. Viele tolle Talente und Künstler sind hier zu Gast, weil sie merken, dass wir es ernst meinen mit der Comedy-Offensive. Paul Panzer und Kaya Yanar sind zwei prominente Namen mit eigenen Formaten, mit „Mord mit Ansage“ kehrt die von Sat.1 in Deutschland populär gemachte Impro-Comedy zurück. Und dann holen wir mit Talpa „A year to remember“ nach Deutschland, eine wunderbare Zeitreise-Show, in der sich der Moderator und seine prominenten Gäste auf eine Zeitreise in ein erinnerungswürdiges Jahr aus der Vergangenheit begeben. Angefangen von den Outfits über die Einspieler oder Studio-Aktionen bis zur jahresgemäß eingerichteten „Wohnzimmer“-Kulisse dreht sich alles nur um dieses eine Jahr. Das ist tolles Retrotainment, das wir uns auf der letzten MIP in Cannes gesichert haben. Mit Hugo-Egon Balder arbeiten wir am „Promi-Flaschendrehen“ und setzen damit auch auf Comedy-Events am Freitag. Und auch dem Nachwuchs bieten wir dort weiter Platz: Im Frühjahr kommt Faisal Kawusi mit einem eigenen Format, auf das wir auch große Hoffnungen setzen. Bei Luke hat sich das Durchhalten ja bekanntlich ausgezahlt.

Wenn mehr Comedy am Freitagabend laufen soll, bleiben seine großen Primetime-Shows auf diesem Abend oder gehen die auf den Sonntag, den Sat.1 auch mal zum Showabend machen wollte…

Fernsehen ist in allererster Linie eine Gewohnheitssache und Gewohnheiten entwickeln sich langsam. Deswegen ist jetzt in einem ersten Schritt der Platz für Comedy ganz klar der Freitag. Am Sonntagabend haben wir, wie andere auch, im vergangenen Jahr einiges ausprobiert, aber auch feststellen müssen: An diesem Abend wird etwas Besonderes erwartet. Mit unseren großen Leuchttürmen „The Voice“ und „The Voice Kids“ liefern wir genau das und dann funktioniert es auch. Jetzt casten wir auch gerade für „The Voice Senior“ und wollen Deutschlands erfolgreichste Musikshow noch einmal neu interpretieren.

Also hat der Sonntagabend keine Priorität?

Im Gegenteil, der Sonntag ist einer der wichtigsten Abende der Woche. Aber: Wir haben uns für 2018 an vielen Stellen im Sat.1-Programm Großes vorgenommen. Deswegen mache ich erstmal keine weiteren Experimente mehr in der Sonntags-Prime. Im Sommer, also zwischen den „Voices“, werden wir dem Sat.1-Publikum geben, was es von uns am Sonntagabend kennt und liebt: Krimiserien in Erstausstrahlungen. Auch hier also Vertrautes. Es gibt wie gesagt genügend andere Slots, auf die wir uns im Moment fokussieren wollen.

Welche wären das?

Der bereits erwähnte Fun Freitag, der Deutsche-Fiction-Dienstag und das Nachmittags- und Vorabendprogramm.

"Mir füllt das Genre Scripted Doku zu viele Stunden im Programm."

Und am Tagesprogramm soll sich jetzt auch wirklich etwas ändern? Man hört das sehr oft von Ihnen und auch der Konkurrenz. Aber die Frage ist: Wer zuckt zuerst? Wer riskiert, dass sein bisheriges Publikum irritiert zur Konkurrenz zappt?

Wir wollen da 2018 ran und wir machen es nicht irgendwann, sondern jetzt. Wir haben bereits angefangen und testen. „Der schnelle Euro“ und „Zimmerhelden“ sind seit Montag auf Sendung. Beide Formate sind zunächst einmal um diese Sendezeit ungewohnt für unsere Zuschauerinnen und Zuschauer, aber wir wollen hier Neues anbieten. Mir füllt das Genre Scripted Doku zu viele Stunden im Programm. Ich möchte deutlicher voneinander abgrenzbare Zeitzonen. Wir müssen am Nachmittag wieder echte Geschichten erzählen, die auch inspirierend sein können. Wir pilotieren derzeit viel für den Nachmittag, unter anderem zwei neue Ansätze für einen Talk, die aber komplett anders wirken, als die Talkshows früherer Jahre. Wir wollen auf moderne Art wieder die faszinierenden Geschichten erzählen, die die Talkshows ursprünglich mal so erfolgreich gemacht haben. Und es gibt noch eine Vielzahl anderer Ideen.

Soll das Programm damit auch wieder mehr prägende Köpfe bekommen? Früher gab es Moderatorinnen und Moderatoren von Talkshows oder eben Richter bei Gerichtsshows, die zu Sendergesichtern wurden. Das fiel bei Scripted Dokus weitaus schwerer.

Mein Ziel ist, dass sich die einzelnen Sendeplätze im Programm wieder klar unterscheiden und das kann durchaus auch durch starke Köpfe geschehen. Wir haben durch die Vielzahl der Scripted Dokus ganz sicher in den vergangenen Jahren in der Day Time weniger prominente Sendergesichter etablieren können. Auch da wollen wir gegensteuern.

Was haben Sie am Vorabend vor?

Es gibt zwei Komponenten, die mir am Vorabend wichtig sind: Tagesaktualität und serielles Erzählen. An beidem haben wir sehr intensiv gearbeitet und entwickelt. Bereits im zweiten Quartal starten wir mit „Endlich Feierabend“, sozusagen dem SAT.1-Frühstücksfernsehen zum Abendbrot. Wir sind am Morgen Marktführer und wollen diese Handschrift zusammen mit dem Produzenten MAZ&More in den Vorabend übertragen.

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