Ulrike von der Groeben © MG RTL D / Stefan Gregorowius
DWDL.de-Interview

Ulrike von der Groeben: "Ich habe nie irgendwo angeklopft"

 

Vor 30 Jahre ersetzte "RTL aktuell" die alte Nachrichtensendung "7 vor 7". Fast von Beginn an mit dabei ist Ulrike von der Groeben. DWDL.de sprach mit der Sport-Moderatorin über Kontinuität, Marktforschung und das Älterwerden vor der Kamera.

von Alexander Krei , Köln
04.04.2018 - 17:04 Uhr

Frau von der Groeben, Sie gehören zu den dienstältesten Mitarbeitern von RTL. Da ist der 30. Geburtstag von "RTL aktuell" für Sie vermutlich ein ganz besonderes Jubiläum, oder?

Begonnen habe ich zunächst beim Frühstücksfernsehen in Luxemburg, zu "RTL aktuell" nach Köln kam ich streng genommen erst acht Monate nach dem Start, weil der damalige Chefredakteur Dieter Lesche die Nachrichten personalisieren wollte. Ihm war wichtig, dass es einen Nachrichten- und einen Sport-Anchor gibt, um den Zuschauern über bekannte Gesichter Orientierung zu geben. Das war im Rückblick eine wegweisende Entscheidung – für die Sendung, aber auch für mich ganz persönlich.

War Ihnen denn immer klar, dass Sie vor die Kamera wollten?

Ans Fernsehen habe ich zunächst gar nicht gedacht. Ich habe Geschichte und Germanistik studiert und immer gerne geschrieben. Zu diesem Zeitpunkt lebte ich in der Annahme, irgendwann einmal zum Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" zu gehen. Im Laufe des Studiums realisierte ich allerdings, dass ich nicht annähernd die Qualität besitze, um dort einen Spitzenjob machen zu können. Also habe ich mich auf meine Leidenschaft, den Sport, fokussiert. Erst dann wurde auch das Fernsehen für mich interessant. Damals gab es ja die wunderbare Doris Papperitz im "Aktuellen Sportstudio", deren Nachfolgerin ich irgendwann einmal werden wollte.

Das "Sportstudio" kam dann allerdings nicht.

Doch, das "Sportstudio" kam tatsächlich auf mich zu, sogar zwei Mal. In meiner Anfangszeit bekam ich sogar das Angebot, die Nachfolge von Papperitz anzutreten. Ich erinnere mich noch an das Casting in einem Bonner Hotel, zu dem ich damals heimlich gegangen bin. Am Ende habe ich mich allerdings gegen den Job entschieden. So wie auch viele Jahre später, als ich schon wesentlich älter war, der Intendant zuvor aber herausposaunte, einen echten Lattenkracher für die Sendung präsentieren zu wollen. Als solchen sah ich mich mit 50 aber beim besten Willen nicht mehr. (lacht)

Nur wenige Menschen vor der Kamera werden so sehr mit einer Sendung verbunden wie Sie und "RTL aktuell". Wie lässt sich diese Kontinuität erklären?

Das hat viel mit der Loyalität des Senders zu tun, der eine echte Familie für mich geworden ist. Sicher gibt es auch Kollegen aus anderen Bereichen, die das heute nicht mehr ganz so sehen. Das Entscheidende aber ist, dass es bei den Nachrichten niemals langweilig wird. Davon abgesehen sind es im Sport ja meist gute Nachrichten, mit denen ich zu tun habe. Wenn Deutschland gemeinsam feiert, dann liegt das meistens am Sport. Auch nach 30 Jahren macht das noch Spaß und ich kann mir gar nicht so recht vorstellen, wie das so ist, wenn ich in ein paar Jahren mal nicht mehr in den Sender kommen werde.

Denken Sie darüber nach?

Klar, der Tag, an dem ich nix mehr mache, rückt näher. Es wäre deshalb gelogen, würde ich sagen, dass ich mir überhaupt keine Gedanken darüber mache. Vielleicht gibt es einen Job hinter der Kamera oder in unserer Journalistenschule, um den jungen Leuten ein paar Erfahrungen mitgeben zu können. Aber glücklicherweise bescheinigen uns die Umfragen, dass die Zuschauer den Peter (Kloeppel, Anm. d. R.) und mich noch immer gerne sehen.

"Ich bin eben 'die Frau an Peters Seite'."
Ulrike von der Groeben

Ist es eigentlich nicht anstrengend, über einen derart langen Zeitraum ständig den Quoten und der Marktforschung ausgesetzt zu sein?

In den ersten Jahren war mir gar nicht so gewusst, wie detailliert das geprüft wird. Aber natürlich weiß jeder, der vor der Kamera steht, dass es von heute auf morgen vorbei sein kann, wenn die Quoten sinken oder die Stimmung kippt. Vielleicht kommt aber auch der Moment, an dem ich selbst das nicht mehr möchte.

Wirklich?

Man wird ja älter und will vielleicht nicht mehr jeden Tag darüber nachdenken, wie man aussieht und ob die Haare perfekt sitzen. Viele greifen dann zu Messer und Spritzen – wie man mir ansieht, mache ich das nicht. Das ist natürlich eine Frage der Zeit, wie lange das so gut geht, dass man noch bildschirmtauglich aussieht.

Es war ja interessant zu beobachten, welch hohe Wellen es schlug, als sich Ihre Kollegin Birgit Schrowange dazu entschloss, sich nicht mehr die Haare zu färben.

Das sagt auch etwas über die Gesellschaft aus, in der wir leben. Glücklicherweise arbeite ich bei einem Sender, bei dem viele Frauen schon seit Jahrzehnten vor der Kamera stehen. Aber generell ist es doch ein Fakt, dass es nicht viele ältere Moderatorinnen gibt, die noch arbeiten dürfen. Bei Männern verhält sich das etwas anders. Wenn ich an Dieter Kürten oder Harry Valérien denke – die sahen doch von Jahr zu Jahr besser aus.

Funktionieren Sie und Peter Kloeppel eigentlich am besten im Doppel?

Ich glaube schon, dass wir als Team besonders gut funktionieren. Peter funktioniert allerdings ganz sicher auch alleine hervorragend, wie er am 11. September bewiesen hat, als er stundenlang moderierte. Davon abgesehen hat er ja auch andere Projekte und Reportagen gemacht. In gewisser Weise traue auch ich mir zu, alleine zu funktionieren. Da ich aber ich nie eine eigene Sendung hatte, lässt sich das so genau nicht sagen. Ich bin eben "die Frau an Peters Seite". (lacht)

Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben
© MG RTL D

Peter Kloeppel und Ulrike von der Groeben, 1992

Sie haben nie beim Chef angeklopft, um eine eigene Sendung zu bekommen?

Ich habe nie irgendwo angeklopft, sondern wurde immer gefragt, ob ich dieses oder jenes machen möchte, beispielsweise an der Seite von Günther Jauch beim "IQ-Test" oder später als Assistentin von Hape Kerkeling beim "Deutsch-Test". Das hat großen Spaß gemacht, aber es macht mich auch nicht traurig, dass nicht mehr daraus geworden ist.

Es fällt auf, dass es alle von der Groebens in irgendeiner Form vor die Kamera zieht, auch Ihre Kinder. Haben Sie das forciert oder einfach nicht verhindern können?

(lacht) Wahrscheinlich letzteres, weil die Kinder schon sehr früh mit unseren Berufen konfrontiert wurden. Mein Mann arbeitet nach dem Ende seiner Sportler-Karriere ja auch als Journalist und Kommentator und hat mit der Zeit zusätzlich seine Leidenschaft zur Schauspielerei entdeckt. Das wiederum hat den Max fasziniert, der dann plötzlich zu Castings gehen wollte, auch wenn er schon früh sehr viele gute Rollen gespielt hat. Ich wollte das eigentlich nicht, sondern habe immer gesagt, er solle doch lieber etwas Vernünftiges machen.



Was wird Ihnen aus 30 Jahren "RTL aktuell" besonders in Erinnerung bleiben.

In all den Jahren gibt es viele Momente, die ich nicht missen möchte, die meisten davon selbstverständlich mit Peter im Studio. Zu den Highlights zählten ganz sicher aber auch die vier Wochen, in denen ich 2006 bei der Fußball-Weltmeisterschaft mitten von der Fan-Meile berichtet habe. Es war ein wunderbares Fest, bei dem ich das Glück hatte, zu fast allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft nachreisen zu dürfen. Das stimmte ganz einfach das Gesamt-Paket, auch wenn es am Ende nicht für den Titel reichte.

Und wie wird nun der 30. Geburtstag von "RTL aktuell" gefeiert?

Wir werden viele Aktionen in den sozialen Netzwerken machen, darunter ein Quiz über uns Moderatoren. Die Gewinner werden uns an unserem Geburtstag in Köln über die Schulter schauen können. Und weil die Kollegen ständig erzählen, dass ich so bodenständig bin, werde ich ausnahmsweise abheben – und zwar mit Luftballons. Hoffentlich macht mir meine Höhenangst keinen Strich durch die Rechnung.

Frau von der Groeben, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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