Wolfgang Elsäßer © Telekom
DWDL.de-Interview mit Wolfgang Elsäßer

"Wir sind einer Deutschland-Plattform näher als alle anderen"

 

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Mancher wünscht sich ja eine gemeinsame deutsche Videoplattform. Da sind Initiavtiven angekündigt und Einladungen ausgesprochen worden. Sie würden auch einladen, z.B. die Privatsender?

Ich finde die Ideen von Ulrich Wilhelm bzw. ProSiebenSat.1 und Discovery ja richtig und wichtig. Aber die Schwierigkeit besteht doch darin, eine Plattform zu schaffen, die all die unterschiedlichen Interessen vereint. Der eine verdient sein Geld durch Werbung, der andere will nur Reichweite, der nächste hat TVoD und SVoD, wieder einer will alles zahlungspflichtig. Das Abbilden von allen Geschäftsmodellen wird zur Achillesverse aller dieser Planungen neuer Angebote. Wir wiederum haben all das schon umgesetzt. Da müssen andere lange dran arbeiten, so weit zu sein, wie wir heute schon sind. Dass wir ARD und ZDF für Magenta TV gewinnen konnten, zeigt glaube ich, dass wir gute Partner sein können - für jeden, der dabei sein möchte. Wir integrieren jeden gerne in unsere neue, weiterentwickelte Oberfläche.



Mit ARD und ZDF für ein SVoD-Angebot werben: Ist das auch ein Zeichen dafür, dass SVoD kein alleiniges Phänomen der jungen Zielgruppe mehr ist?

Dem würde ich uneingeschränkt zustimmen. Während SVoD vor drei oder vier Jahren noch ein Thema für die jüngeren Early Adopter war, ist SVoD inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der durchschnittliche Kunde von Entertain TV bzw. jetzt Magenta TV ist knapp über 40 Jahre alt und wir können sehen, dass immer mehr unserer Kunden, die bislang nur linear ferngesehen haben, in den letzten zwölf Monaten erstmals on demand geschaut haben. Und die neue Oberfläche von Magenta TV bringt lineares Programm und non-lineare Inhalte so intuitiv wie nie zusammen. Wir haben die Navigation und Suche noch einmal massiv verbessert, sodass sich unsere Kunden in den Millionen von Inhalten, die über MagentaTV heute schon zugänglich sind, einfach und bequem zurecht finden können.

„Deutsch-Les-Landes“ wird mit Sicherheit leicht zu finden sein. Ihre erste Koproduktion. Die war eigentlich mal als „Germanized“ angekündigt. Warum der Titelwechsel?

Wir haben aus aufgrund der besseren internationalen Vermarktbarkeit dazu entschieden, gemeinsam mit Amazon den gleichen Namen zu nutzen. Damit hat man ein Produkt, einen Namen und die Aufmerksamkeit für die Serie, egal ob in Deutschland oder international, zahlt dann auch auf „Deutsch-Les-Landes“ ein. Wir freuen uns sehr darauf, unseren Kunden die Serie ab dem 1. November zeigen zu können. Dank des OTT-Produkts von Magenta TV können jetzt alle Serienfans dabei sein.

Fiktionale Projekte haben ja eine enorme Vorlaufzeit. Sie haben Ende August „Arthurs Gesetz“ bei sich gestartet, am 1. November kommt „Deutsch-Les-Landes“. Kommen da noch mehr exklusive Eigenproduktionen?

Wir hatten ja im Laufe des Jahres kommuniziert, dass wir pro Jahr etwa zwei bis vier Ko- und Eigenproduktion anpeilen. Wir haben verschiedene Projekte in der Entwicklung und werden vor Weihnachten noch einen Ausblick auf zwei, drei weitere Projekte geben können. Wir haben auch einige Piloten produziert, die wir uns jetzt anschauen und dann entscheiden werden. Es wird auch neuartige Partnerschaften geben, so wie zum Beispiel ARD und Sky zusammenarbeiten oder wir heute bereits mit Amazon. Aber derzeit kann ich ihnen dazu noch nichts sagen.

Wolfgang Elsäßer

Mit Blick auf die Produzentenlandschaft gefragt: Nach welchen Programmideen suchen Sie bzw. sucht Magenta TV denn?

Wir haben in der Tat ein paar Monate gebraucht, um das zu definieren. Vor über einem Jahr haben wir damit angefangen, uns mit Auftragsproduktionen zu befassen und hatten sehr schnell hunderte Ideen auf dem Schreibtisch. Es brauchte dann erst einmal einen Filter um zu sortieren, was für uns in Frage kommt. Wir suchen, wie schon angesprochen, nach deutschen Geschichten und bekannten deutschen Gesichtern. Da liegt unser Fokus, aber wir sind offen für Comedy, Drama und Thriller. In all diesen Bereichen suchen wir und zwar sowohl nach abgeschlossenen Mini-Serien wie auch potentiell länger laufenden Produktionen. Und wir werden, auch noch vor Weihnachten, ein non-fiktionales Programm für 2019 bekannt geben.

Sie gehen bewusst in Partnerschaften für Programme, was natürlich ein Stück weit die Exklusivität von Inhalten schmälert. Wie balancieren Sie das?

Wir streben natürlich nach Exklusivität, aber vielleicht ist unsere Definition etwas anders als bei anderen, internationalen Plattformen. Wir sind da nicht so absolutistisch zu sagen „Es ist ist bei mir und sonst nirgends“. Bei „Arthurs Gesetz“ zum Beispiel haben wir die Serie knapp vier Monate exklusiv bei uns, bevor im Dezember dann TNT Comedy dran ist. Leben und leben lassen, würde ich mal sagen. Wir sind offen für Partnerschaften. Unabhängig von Serien haben wir aber im Sport zum Beispiel Exklusivität mit Eishockey, Basketball und Fußball der Dritten Liga. Wir haben bei Magenta Music bis zu 150 Live-Konzerte im Jahr exklusiv und experimentieren mit exklusiven in Inhalten in Virtual Reality, wollen demnächst zum Beispiel einige Sportinhalte von uns in VR produzieren.

"Auch in 2019 werden wir unseren Kunden jeden Monat eine neue Serie bei MagentaTV zur Verfügung stellen."

Sind sie eigentlich noch Partner oder schon Konkurrent für Sender, wenn Sie jetzt auch nach den besten Programmideen suchen?

Natürlich bleiben wir Partner für alle, was wir auch durch das Vertrauen bestätigt sehen, wenn zum Beispiel ARD und ZDF jetzt so eng mit uns zusammenarbeiten. Wir verstehen uns in erster Linie als Aggregator, wir ermöglichen Reichweite, wir verlangen keine Einspeisegebühren – sondern wir ermöglichen Geschäftsmodelle. Nur weil wir einige Eigenproduktionen im Jahr machen wollen, glaube ich nicht, dass man uns als Konkurrent von ARD, ZDF, RTL, Sat.1 oder Sky bezeichnen kann.

Reden wir noch kurz über die eingekauften Lizenzserien. Zum Start von Entertain TV Serien haben Sie u.a. mit dem Hit „The Handmaid’s Tale“ überrascht. Seitdem kamen weniger prominente Serien hinzu. Sind da neue Highlights anzukündigen?

In der Megathek von Magenta TV ist ja auch der Serienkatalog von Fox inklusive, da kommen regelmäßig neue Serien und neue Staffeln beliebter Serien. Dann kaufen wir, das sprachen sie an, auch gezielt Serien ein. Da haben wir gerade die niederländische Produktion „Fenix“ gestartet - eine unglaublich packende Krimiserie - und wollen auch weiterhin nach spannenden europäischen Serien Ausschau halten. Ich kann ihnen verraten, dass die spanische Ausnahmeserie “Gigantes“ im Januar bei Magenta TV online geht. Im Februar folgt dann mit „Banking District“ ein weiteres Serien-Highlight für unsere Kunden. Und natürlich haben wir bei der von Ihnen angesprochenen Serie „The Handmaid’s Tale“ und anderen bei uns gestarteten Serien alle noch kommenden Staffeln zunächst exklusiv. Auch in 2019 werden wir unseren Kunden jeden Monat eine neue Serie bei MagentaTV zur Verfügung stellen.

Herr Elsäßer, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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