Sabine de Mardt © Gaumont
Gaumont-Deutschland-Chefin im Gespräch

Sabine de Mardt: "Auf Nummer sicher gehen, können andere"

 

Erst im Sommer hat Gaumont Deutschland die Arbeit aufgenommen und produziert jetzt mit "Die Barbaren" eines der fünf neuen deutschen Netflix Originals. Geschäftsführerin Sabine de Mardt im DWDL.de-Interview über den Start des Unternehmens im deutschen Markt.

von Thomas Lückerath
25.10.2018 - 14:20 Uhr

Frau de Mardt, Gaumont Deutschland produziert „Die Barbaren“ für Netflix. Starker Auftakt für Ihre junge Firma…

Wir hätten uns unseren Start auch nicht besser vorstellen können. Das ist für uns wirklich spektakulär. Am 18. Juli hatte ich einen meiner ersten Termine für Gaumont. Bei Netflix in Los Angeles. Da konnte ich die Serie pitchen. Aufgrund unserer guten internationalen Kontakte wussten wir, dass Netflix so einen Stoff sucht. So hatten wir „Die Barbaren“ entwickelt. Hinter der Serie stehen Arne Nolting und Jan-Martin Scharf, die sich ja u.a. mit „Club der roten Bänder“ einen Namen gemacht haben sowie Andreas Heckmann. Das Produzententeam an meiner Seite ist Andreas Bareiss und Rainer Marquass. Es geht um die Varusschlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus, bei der die Germanen die Römer besiegt haben. Und Netflix war begeistert. Keine drei Wochen später kam der Auftrag für die erste Staffel.



Es hieß früher immer, deutsche Serien sollten sich besser aus Genres heraushalten, bei denen man den Vergleich mit US-Produktionen und deren weitaus größeren Budgets antreten müsste. Die Zeit scheint inzwischen vorbei. Auch „Die Barbaren“ klingt nach großem Budget…

…zu dem ich nichts sagen kann. (lacht) Wir haben natürlich auch Respekt vor so einem Großprojekt, das übrigens in Ungarn gedreht wird, mit einer sehr internationalen Crew. Aber ich glaube, dass es nie an den Fähigkeiten der Fachkräfte mangelte, sondern an der Budgetfrage, weil früher klassisch nur für den deutschen Markt produziert wurde. Wir müssen uns nicht verstecken.

Zur Besetzung gibt es wahrscheinlich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts zu sagen?

Genau. Iris Baumüller steigt jetzt ins Casting ein, so wie auch alle anderen Vorbereitungen gerade anlaufen, damit wir dann im kommenden Sommer drehen können. Die Planungssicherheit, gleich einen Auftrag für die Staffelproduktion zu haben, gibt uns die Möglichkeit jetzt mit Vollgas loszulegen.

Weil Sie vorhin explizit von der ersten Staffel sprachen: Es ist also keine abgeschlossene Miniserie?

Die Geschichte der „Barbaren“ ist mit der ersten Staffel jedenfalls alles andere als auserzählt. Da gibt es noch so viele spannende Aspekte, die wir beleuchten und erzählen könnten. Man kann also gespannt bleiben…

Besser hätte es für Gaumont Deutschland kaum losgehen können oder?

(lacht) Ja, das stimmt. Das ging sehr schnell von null auf hundert bei uns. Aber ich möchte auch ganz klar sagen: Ich liebe weiterhin unsere Partner, mit denen ich über Jahre sehr vertrauensvoll zusammenarbeiten durfte, z.B. mit dem ZDF und der ARD, aber natürlich auch mit RTL und ProSiebenSat1. Für diese Partner wollen wir natürlich weiterhin produzieren. Da sind wir in guten Gesprächen, aber uns gibt es ja nicht einmal vier Monate. Für mich persönlich war das eine sehr aufregende Aufgabe, weil es am Anfang ja nicht mehr gab als mich und mein Handy. Dann kamen ein Büro und ein Team in Aufbruchstimmung, mit der es jetzt gleich in die Vollen geht.

Können wir kurz übers Team sprechen. Mit wem haben Sie sich und Gaumont Deutschland denn verstärkt?

Es ist ein ganz neues und tolles Gefühl, in solch kleinen Strukturen zu arbeiten, wo wir alle näher dran sind an allem. Rainer Marquass, der vorher bei Warner war und bei uns Head of Development ist, wird so auch weiterhin einzelne konkrete Programme produzieren. Dann ist Andreas Bareiss zu uns gewechselt, der vorher als Produzent mit der TV60 gearbeitet hat. Er steht ja für ein breites Spektrum - mit „Nirgendwo in Afrika“ hat er einen Oscar gewonnen, hat elf Filme mit Dominik Graf gemacht und unter anderem auch „Die Wanderhuren-Trilogie“ für Sat.1 realisiert. Wir kennen uns schon lange und wollten eigentlich immer mal zusammenarbeiten. Damit habe ich starke Partner, die sich ergänzen. Da wird auch im nächsten Jahr noch jemand dazu kommen.

"Man kann ja epische Serien lieben und ebenso auch einen Film für einen schönen Abend"

Wie viel Zeit hat Ihnen denn Gaumont gegeben? In einem so gesättigten Markt wie Deutschland mit einer neuen Produktionsfirma zu starten, ist ja kein kleines Investment…

Das ist ein großes Investment und ein Vertrauensvorschuss, der sich natürlich mittelfristig rechnen muss. Aber da Gaumont ein Haus der Produzenten ist, das mit Erfahrung sehr unternehmerisch denkt, wissen alle, was das für ein Projekt ist. Ich hätte mich auch nicht darauf eingelassen, wenn dieses Verständnis für den Aufbau einer neuen Firma für fiktionale Produktionen nicht da gewesen wäre. Ich musste ja nicht von Warner weg. Gaumont Deutschland ist eine langfristige Strategie. Unsere Muttergesellschaft kommt sehr über die Inhalte. Und genau darüber  gibt es dann auch international einen großen Austausch mit den anderen lokalen Töchtern. Das kennt man sonst ja eher über Zahlen und Ergebnisse.

Vor Netflix kam ProSieben: Im Sommer haben Sie schon, ohne überhaupt ein Büro zu haben, den ersten Filmauftrag bekommen und das von ProSieben. Sie wollen also auch noch den ProSieben Eventfilm wiederbeleben…

Die Herausforderung zu scheuen, wäre ein falsches Signal. Wir wollen mit Gaumont Highend-Fiction produzieren, und zwar sowohl Serie und Miniserie wie eben auch Film. Man tritt immer an mit dem Wunsch, etwas mit eigener Handschrift zu kreieren. Auf das Ungewöhnliche zu setzen. Daher freuen wir uns umso mehr, mit ProSieben hier einen außergewöhnlichen Stoff zu verfilmen. ProSieben muss mit eigener Fiction herausragen, und den Sender dabei mit hochkarätigen Inhalten zu unterstützen, ist jetzt unsere Aufgabe. Auf Nummer sicher gehen können andere. „Neun Tage wach“, basierend auf dem Bestseller von Eric Stehfest, ist ein Projekt an dem Andreas Bareiss bereits dran war und das er bei Gaumont mit eingebracht hat. Wir arbeiten gerade am Buch und werden dann auch nächstes Jahr drehen.

Wenn alle seit Jahren von Serien schwärmen, weil man tiefer eintauchen kann - worin besteht eigentlich noch der Reiz eines Films?

Ein Film eröffnet mir eine Welt, in die ich viel schneller eintauchen kann und die Gewissheit habe, dass innerhalb einer bekannten Länge ein von Anfang an definiertes Ende erzählt wird. Man kann ja epische Serien lieben und ebenso auch einen Film für einen schönen Abend.

Frau de Mardt, herzlichen Dank für das Gespräch.

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