Jan Wachtel © RTL Interactive
DWDL.de-Interview mit dem Geschäftsführer von RTL Interactive

Wachtel: "Wir werden natürlich auch mit Fiction überzeugen"

 

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Nach welchen Inhalten sucht TV Now?

Wir sind für Produzenten sicher sehr spannend, weil wir ein sehr breites Spektrum bedienen wollen. Wir sind also auch offen für Genres und Themen, mit denen mancher vielleicht bisher nicht zur Mediengruppe RTL Deutschland gegangen wäre. So wie wir Mainstream bedienen, wollen wir auch Nischen bedienen. Wir freuen uns über jede gute Idee, die uns gepitcht wird. Ich werde insbesondere zu Beginn kein Genre ausschließen für uns. Wie schon gesagt: Wir können nur herausfinden, was unsere Zuschauerinnen und Zuschauer sehen wollen, wenn wir alles mal probiert haben. Ich möchte möglichst viele Hypothesen im Markt testen und mir dann ergebnisoffen anzuschauen, was funktioniert. Was funktioniert im Marketing gut? Was funktioniert in der Nutzung gut? Wir dürfen nie aufhören zu lernen.



All die Inhalte wollen gefunden werden. DWDL.de hatte kürzlich mal die User Experience von TV Now unter die Lupe genommen…

(lacht) Ja, kann ich mich dran erinnern, habe ich gelesen und gedacht: „Das Schlimme an der Sache ist: Die haben ja nicht unrecht.“ Aber: Wir haben das längst adressiert und verbessert. Wir sind ja schon mit dem neuen TV Now beschäftigt. Wir sind also schon besser als das Produkt, das gerade im Markt ist. Deswegen fiebern wir dem Tag entgegen, an dem das neue TV Now für alle verfügbar ist.

Welche Begrifflichkeit benutzen Sie eigentlich für diese Erneuerung von TV Now? Kann man von einem Relaunch sprechen?

(überlegt) Ja, im Grunde ist es ein Relaunch. Ich zögere, weil das Wort impliziert natürlich immer, dass man etwas neu startet und klingt, wenn man es denn so verstehen will, als wolle man das Vorherige vergessen machen. Darum geht es nicht. Aber ja, es ist ein Relaunch. Das neue TV Now bietet mehr Inhalte und eine neue Oberfläche.

Lassen Sie uns mal über die Oberfläche sprechen. Woran haben Sie gearbeitet?

Die neue Oberfläche wird von der Struktur her nicht so weit entfernt sein von anderen VoD-Angeboten wie Netflix, Amazon und Co., was daran liegt, dass wir nicht von Raketenwissenschaft reden. Wenn Du die gleiche User Experience über alle Endgeräte hinweg haben willst, landest du automatisch in der horizontalen Navigation. Wir werden in der Navigation weg von Sendermarken hin zu den konkreten Formaten gehen, denn wenn wir neben den Sendungen unserer Sender auch exklusive Eigenproduktionen und zugekaufte Lizenzware integrieren, muss ich ein einheitliches Gefäß haben und da ist es am sinnvollsten, auf die Ebene der Formate bzw. Programme zu gehen. Da werden AVoD und SVoD, also kostenlos weil werbefinanzierte und kostenpflichtige Inhalte Seite an Seite abrufbar sein. Das wird natürlich personalisiert nach dem jeweiligen Nutzerverhalten angepasst.

Damit verschwinden aber auch die über Jahrzehnte etablierten Sendermarken aus der Navigation von TV Now…

Die Sendermarken bleiben von unveränderter Bedeutung und bleiben natürlich auch die Absender ihrer Programme. Vor dem Start einer RTL-Produktion bei TV Now wird es daher den RTL-Bumper a la „Eine RTL-Produktion“ geben - so wie andere SVoD-Anbieter oder auch HBO ihren Programmen auch stolz den Absender vorweg schicken.

Sie haben es eben schon angesprochen: TV Now setzt weiterhin auf ein hybrides Modell. Ist das der Tatsache geschuldet, dass man noch nicht sicher ist, ob man als Privatsender-Gruppe aus der  Werbefinanzierung kommend, schon ganz ins Bezahlgeschäft wechseln will?

Mit dem Hybrid-Modell von TV Now können wir die Stärke der Mediengruppe RTL Deutschland besser nutzen, weil wir so über all unsere Kanäle Nutzer an das Angebot heranführen können und sie zunächst ohne Bezahlhürde für unser Produkt gewinnen können. Mit dem parallelen Bezahlmodell haben wir ja alle Karten in der Hand und können auf die Entwicklung im VoD-Marktes flexibel reagieren und ggf. Schwerpunkte verlagern, je nachdem ob sich AVoD oder SVoD für uns als lukrativer entwickelt. Hulu hat es in den USA ähnlich gemacht.

Können Sie den neuen Preis schon verraten?

Könnte ich, mache ich aber nicht (lacht). Ich würde nur so viel sagen: Er wird signifikant unter dem liegen, was man mit Blick auf andere SVoD-Anbieter erwarten könnte.

Wann soll der Relaunch von TV Now eigentlich passieren?

Es war davon ja schon einmal in der Presse zu lesen, und daher wiederhole ich einfach die Formulierung von Bert Habets, dem CEO der RTL Group: Im Winter.

Und damit ist der Winter 2018/2019 gemeint?

(lacht) Ja. Aber manchmal bleibt der Winter ja bekanntlich länger, manchmal kürzer. Lassen Sie sich überraschen.

Schauen Sie darauf, was die Konkurrenz bei 7TV macht? Ist das ein Wettkampf darum, wer jetzt zuerst launcht mit seinem neuen VoD-Angebot?

Nein, und ich glaube nicht, dass es entscheidend ist, wer vor dem anderen online ist. Die Entscheidung, ob die Kunden ein Produkt lieben, fällt nicht in den ersten Wochen.

Der ProSiebenSat.1-Vorstandsvorsitzende Max Conze hat viel Aufmerksamkeit bekommen für seine Einladung an die Branche, sich an 7TV zu beteiligen. Würden Sie auch eine Einladung zu TV Now aussprechen oder soll das Angebot ein Angebot der Mediengruppe RTL Deutschland bleiben?

Prinzipiell freuen wir uns immer über sinnvolle Kooperationen, allerdings sind wir mit dem neuen TV Now schon ziemlich weit, und unser Wettbewerber mit seinem Angebot vermutlich auch. Ich glaube, dass es grundsätzlich gut für den deutschen Markt ist, wenn wir unterschiedliche Hypothesen von Geschäftsmodellen im Markt haben, die auf Ihren Erfolg beim Nutzer hin überprüft werden können. Auf jeden Fall ist dies besser, als wenn man zunächst einmal ein Jahr darüber diskutiert, ob man etwas gemeinsam stemmen könnte, dann Geschwindigkeit durch langwierige Gesellschafterverträge oder Governance verliert und am Ende alles auf einen Versuch setzt.

Reden wir noch über ihr zweites Großprojekt: Den Relaunch von RTL.de, das zum General-Interest-Portal für Frauen werden soll. Ist damit die Idee von RTL Next gescheitert?

Wir werden RTL.de und RTL Next wieder zusammenführen. Der Grund dafür: RTL.de ist im Moment eine reine Content-Marketing-Website als Begleitung fürs TV-Programm. Damit ist sie weiterhin die reichweitenstärkste TV-Sendersite, jedoch bekommt man sie nicht skaliert. Mit über 700 Journalisten, der großen Bewegtbildkompetenz und der wahnsinnig starken Marke RTL haben wir alles, was wir brauchen, um erfolgreich zu sein. Im Vergleich zu den meisten anderen General-Interest-Portalen haben wir eine sehr weibliche Zielgruppe, die wir sehr gut kennen, und auf die wir uns konzentrieren wollen. Eine starke RTL.de kann auch wichtig sein für den Zufluss von Nutzern zu TV Now. 20 Prozent unserer Nutzer kommen derzeit schon über RTL.de und Vox.de. Und wir ergänzen damit das nachrichtliche Angebot der Mediengruppe RTL Deutschland: n-tv.de liefert Politik und Wirtschaft mit einer sehr männlichen Nutzerschaft und RTL.de entwickeln wir komplementär dazu, auch im Bereich Information.

"RTL.de ist nicht mehr nur eine Promotionfläche fürs Programm sondern ein Angebot für sich mit dem Anspruch: Online first."

Wie kann man den USP denn noch besser nutzen?

Grundvoraussetzung dafür ist eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kollegen bei infoNetwork und in den Senderredaktionen. Wir müssen Geschichten aus einem Guss über die unterschiedlichen Kanäle erzählen. Um das zu gewährleisten, wird die RTL-interactive-Redaktion zu infoNetwork ziehen – bei den Senderredaktionen sitzen die Kollegen bereits vor Ort. Des Weiteren haben wir zahlreiche Bereiche identifiziert, die es uns erlauben, Synergien zwischen TV und Digital zu heben. Wir können zum Beispiel Freisteller, also Grafiken die in den Sendungen genutzt werden, künftig auch direkt als Teaser für RTL.de nutzen. Die Kollegen bei InfoNetwork freuen sich schon darauf, denn manche Grafik versendet sich im Programm binnen weniger Sekunden. Deren Arbeit können wir bei RTL.de doch viel besser präsentieren. Und es gibt uns die Möglichkeit, in der Optik ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln.

Welche Rolle spielt das neue RTL.de denn künftig? Also, angenommen Promi XY gibt RTL ein Exklusiv-Interview. Das wäre bislang ja dann z.B. für „Exclusiv“ gewesen. Wie geht man dann bei RTL.de damit um? Man bewirbt die TV-Ausstrahlung?

Wer RTL ein Interview gibt, der gibt RTL ein Interview. Es ist im Netz nicht umsetzbar, dass jede Sendungsmarke im Programm eine eigene journalistische Präsenz bekommt. Also bündeln wir es unter der Marke RTL, so wie wir es im TV auch machen, und würden das Interview dann auch für einen großen Aufmacher auf RTL.de nutzen. Wir haben gemeinsam mit den journalistischen Kollegen im Haus entschieden, nichts mehr künstlich zurückzuhalten. Natürlich kann man mal einen exklusiven Beitrag ankündigen, aber grundsätzlich ist das Verständnis: RTL.de ist nicht mehr nur eine Promotionfläche fürs Programm sondern ein Angebot für sich mit dem Anspruch: Online first.

Letzte Frage: Wie würden Sie eigentlich die Social Media Strategie der Mediengruppe RTL Deutschland beschreiben?

Sämtliche soziale Plattformen sind letztlich Marketingplattformen, die dazu dienen, Zielgruppen zu erreichen, die ich über andere Wege schlechter erreiche, um diese zu unseren Angeboten zu führen. Vox Media und Buzzfeed hatten ja mal den Tod der Homepage ausgerufen, wurden dafür gehypt und haben allein auf Veröffentlichung in sozialen Medien gesetzt. Aber beide haben diesen radikalen Kurs inzwischen schon wieder geändert. Ich bin überzeugt davon, dass die Mediengruppe RTL Deutschland mit all ihren Programmen und Marken im Netz eine Destination für sich bleiben können. Meine Vorstellung ist: Wir müssen unsere Inhalte stark distribuieren und überall hinbringen, aber immer mit der Absicht im Hinterkopf, damit Nutzer auf unsere Plattform zu holen. Erfolg bzw. Reichweite in Social Media ist für mich kein Wert an sich.

Herr Wachtel, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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