Sebastian Fitzek © MG RTL D
Sebastian Fitzek im DWDL.de-Interview

"Niemand wird gezwungen, Fitzek zu lesen"

 

Sebastian Fitzek ist der populärste Thriller-Fabrikant im Land. Nach "Das Joshua-Profil" zeigt RTL nun eine weitere Film-Adaption seiner Romane. Ein Gespräch über "Passagier 23", Vermisste bei Kreuzfahrten, Recherchen an Bord und warum ihn das Feuilleton nicht mag.

von Jan Freitag
13.12.2018 - 16:15 Uhr

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Herr Fitzek, sind ihre Bücher im Grunde bereits Basismaterial einer Verfilmung?

Na, dafür wären dann aber noch nicht so viele meiner Romane verfilmt worden. Es gab die Low-Budget-Produktion von „Das Kind“, und vor „Passagier 23“ hatte RTL das „Joshua-Profil“ adaptiert. Mit „Abgeschnitten“ im Kino macht das bislang ganze vier (lacht).

Macht immerhin 25 Prozent Ihrer Romane! Halten Sie die Sprache darin für besonders filmtauglich?

Ich bin gleichermaßen von Film und Literatur inspiriert. Trotzdem berechne ich beim Schreiben nie die Visualisierung, will aber jede Szene in meinem Kopf möglichst bildhaft zu Papier bringen. Das erzeugt bei Produzenten offenbar den Eindruck, es ließe sich gut verfilmen. Allein von meinem Debüt „Die Therapie“ gibt es allerdings 18 Drehbuchfassungen, und keine davon ist auch nur annähernd so weit, ein Film zu werden. Man muss das wohl von Buch zu Buch denken.

Was sich an nahezu jedem davon fürs Filmen eignet, sind aber die Spannungsbögen.

Das stimmt.

Sind Ihnen die wichtiger als Geschichten an sich?

Nein, aber unabhängig von der Möglichkeit zu einer Visualisierung sollen meine Geschichten mit Emotionalität unterhalten. Weil ich zudem überflüssiges Material konsequent wegstreiche, haben sie immer ein ziemliches Tempo, was auch gut für einen Film ist.

Zählen dazu auch reale Ereignisse wie in „Passagier 23“, die Sie dann nur literarisch ausschmücken?

Die verarbeite ich oft, aber unterbewusst. Als „Die Therapie“ fertig war, meinte ein guter Freund, ich hätte damit die Geschichte eines psychisch Erkrankten in unserem Umfeld verarbeitet. Das war mir bis dahin nicht klar. Bei „Passagier 23“ war es offensichtlicher. Ich hatte 2005, weil meine Mutter sich das wünschte, auf der Titanic-Route den Atlantik überquert und las drei Jahre später die „Park Avenue“, in der es unter dem Titel „Lost“ eine Nachricht gab, dass auf Kreuzfahrtschiffen Menschen verschwinden und die Fälle manchmal nicht aufgeklärt werden können.

Da war Ihr erster Gedanke: Ein Thriller?

Nein, mein erster Gedanke war: Ich hab Glück gehabt. Als ich mich dann aber weiter damit beschäftigt habe, fiel mir auf,  wenn bis zu 10.000 Menschen auf sehr dem engen Raum eines Kreuzfahrtschiffes verreisen, gleicht das ja schon einer Kleinstadt – in der alles geschehen kann, was auch an Land geschieht. Jedes Schiff hat unterm Sonnendeck übrigens auch Ebenen, von denen normale Passagiere nichts wissen.

Und nichts wissen wollen.

Wo die Drecksarbeit fürs Ferienglück erledigt wird. Die Menschen dort sind aus den unterschiedlichsten Kulturen und Gründen an Bord. Das war wie eine Einladung für  mich als Autor.

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