Der Tatortreiniger © NDR/Thorsten Jander
DWDL.de-Gespräch zum "Tatortreiniger"-Finale

Bjarne Mädel: "Es fühlt sich an, als sei jemand gestorben"

 

Die siebte "Tatortreiniger"-Staffel wird die letzte sein - ein Abschied, der auch Bjarne Mädel nicht leicht fällt. Mit DWDL.de sprach der Hauptdarsteller der gefeierten NDR-Comedy über das Aufhören, sein neues Netflix-Projekt, den Serien-Hype und den Tod.

von Kevin Hennings , Köln
17.12.2018 - 16:29 Uhr

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Herr Mädel, die vier "Tatortreiniger"-Folgen, die in diesen Tagen im NDR zu sehen sind, werden die Letzten sein. Wie schwer fällt der Abschied?

Ich trage die Entscheidung von Mizzy Meyer und Arne Feldhusen voll mit, somit ist es ein gemeinsamer Entschluss, aber ich hätte schon gerne noch ein paar Jahre geputzt. Es kommt mir vor wie der Abschied von einem guten Freund. Bei "Stromberg" war ich froh, dass ich den Typen mit den Schwitzeflecken nach zehn Jahren, 46 Folgen und einem Kinofilm dann auch mal los war, auch bei "Mord mit Aussicht" empfand ich das Ende nicht als so schlimm, weil die Figur des Dorfpolizisten für mich als Darsteller mit der Zeit auserzählt war. Bei Schotty hingegen fällt mir das Ende nun richtig schwer. Es fühlt sich für mich tatsächlich so an, als sei jemand gestorben.


Was war das Besondere, den "Tatortreiniger" zu spielen?

Die Drehbücher von Mizzi Meyer waren ein Geschenk. Arne Feldhusen und ich hatten stets den Anspruch, Mizzi zufriedenzustellen. Es ist toll, eine Figur zu spielen, die sagt, was sie denkt, und dadurch unter anderem Vorurteile überwindet.

Konnten Sie die Geschichten nach all den Jahren überhaupt noch überraschen? 

Auch nach sieben Staffeln gab es noch keinen Moment, in dem ich dachte, dass sich jetzt etwas wiederholt, oder dass die Kreativität nachlässt. Im Gegenteil. Mizzi nimmt sich die Zeit, ihre Ideen auszuarbeiten, und glücklicherweise übte der NDR keinen unnötigen Druck auf sie aus, in Masse zu produzieren. Auf diese Weise war es möglich, den Zuschauer immer wieder aufs Neue herauszufordern.

Was erwartet die Zuschauer in der letzten Staffel?

Besonders erfreut war ich von der dritten Folge, die im Kopf eines Wachkoma-Patienten stattfindet. Das ist ein Setting, das ich so noch nie im deutschen Fernsehen gesehen habe. Nicht nur die Grundidee des Drehbuchs war phänomenal, sondern auch, was sich unsere grossartigen Szenenbildnerinnen Vicky von Minckwitz und Petra Jakobowski dafür ausgedacht und angefertigt haben. Normalerweise spielt eine Folge des Tatortreinigers ja an einem Original-Schauplatz. Dieses Mal waren wir gezwungen etwas abstrakter zu werden.

In einem Kammerspiel kommt es auf die Details vermutlich mehr an als anderswo. 

Unsere Ausstattung ist tatsächlich extrem liebevoll und genau. Das führte zu den lustigsten Momenten an den Drehorten. So hatten wir bei dieser Staffel einen Drehtag, an dem die Leute einfach in unser Set gelaufen sind, weil sie dachten, es handle sich um eine reale Kunstausstellung. Dabei haben wir für die neue Folge "Currywurst" bloß eine Galerie nachgestellt und zahlreiche selbst erdachte Kunstwerke platziert. Das sah offenbar so verlockend gut aus, dass die Menschen den ganzen Kamerakram übersehen haben und reinspaziert sind. Das ist sicher auch als Bestätigung des hohen Anspruchs zu verstehen, den wir an den Tag legen.

Wie sieht Ihr Highlight in der letzten Staffel aus?

Mein persönlicher Höhepunkt ist die 31. Folge und damit auch das Serienfinale. Da tauchen noch einmal ganz viele Charaktere auf, die der Zuschauer bereits in vergangenen Folgen kennengelernt hat. Das zu drehen und diese vielen herausragenden Kollegen wieder zu sehen, war ein richtiges Fest. Im Allgemeinen muss ich mal ganz uneitel sagen: Wir sind immer besser geworden. Aber nicht nur wir als Kreative, sondern auch die Bedingungen haben sich ja über die Jahre verbessert. Aus zwei Drehtagen pro Folge wurden fünf, aus einem bescheidenem Budget ein etwas größeres. Daran konnte man deutlich ablesen, dass sich die Wertschätzung des Senders unserem Format gegenüber auch vergrößert hat. Leider bis zum Schluss nicht in dem Maße, dass man dem Tatortreiniger zugetraut hätte, zu einer früheren Sendezeit zu putzen.

Die Deutschen gehen zum Lachen gerne mal in den Keller. Warum wird gerade eine Comedy-Serie, die sich im Grunde um den Tod dreht, so gut aufgenommen?

Eine tolle Komik hat für mich immer einen ernsten Hintergrund. Und es hat etwas Urkomisches, die Not einer Figur zu sehen und zu erkennen, wie sie damit zu kämpfen hat. Solche Situationen kennt nämlich jeder, die sind nachvollziehbar. Der Tod ist auch etwas, das uns alle umgibt. Und er macht uns allen Angst. Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wie es ist, nicht mehr da zu sein, wird die Flucht eingeschlagen – und die endet meist entweder in Religion oder eben im Humor. Lachen vertreibt die Angst. Kasperle schlägt den Tod. Gleichzeitig finde ich es gut, dass der Tod beim "Tatortreiniger" lediglich als Absprung dient. Wir haben ein ernsthaftes Fundament, driften dann aber gerne humorvoll und philosophisch in andere Themenbereiche ab. Es war für uns immer wesentlich zu zeigen, dass es wichtigere Dinge gibt als den Tod. Das Leben.

Gibt es eine Person, die für Sie hinsichtlich der Comedy eine Art Vorbild ist?

Es gab anders als bei "Stromberg" kein Vorbild für das Format. "Stromberg" basierte auf "The Office" – und damit meine ich nicht das amerikanische mit Steve Carell, sondern das britische Original mit Ricky Gervais. Der oft trockene Humor des Originals gefällt mir dort sehr. Vielleicht kann man sagen, dass es zwar kein Vorbild gab, es aber einen Humor "Geschmack" gibt, der Mizzi, Arne und mich verbindet. Wir sind keine Fans von plumpem Hau-drauf-Humor.

Wie entscheidend ist die Inszenierung?

Die Inszenierung von Komik, nein, des gesamten Schauspiels, ist extrem wichtig. Bei Arbeiten von Arne Feldhusen sind seine Handschrift, sein Blick für das Detail und sein Humor immer erkennbar. Filmemacher brauchen ein Alleinstellungsmerkmal. Deswegen bin ich auch ein Fan von den Coen Brüdern, Quentin Tarantino oder Wes Anderson. Diese Männer schaffen Bilder wie Kunstwerke und niemand müsste zwei Mal überlegen, wer dahinter steckt. Und damit meine ich nicht nur die visuellen Bilder, sondern auch die Geschichten und Figuren, die in jedem ihrer Filme ganz eigen wirken. 

"Falls mal wieder ein überraschendes Serienangebot kommen sollte, werde ich mir das natürlich gerne anschauen"

"Der Tatortreiniger" läuft seit 2011 und ist damit kurz vor dem Serien-Hype gestartet, mit dem wir es inzwischen zu tun haben. Ein Vorteil im Wettbewerb um Aufmerksamkeit?

Damit haben wir kein Problem. Dafür erreichen wir eine viel zu spezielle Zielgruppe, die darüber hinaus einige Optionen hat, um uns zu finden: Ob beim NDR, in der Mediathek, bei Amazon, bei Sky und momentan noch bei Netflix. Und die gute alte DVD gibt es ja auch noch. Wir sind da relativ breit aufgestellt. Außerdem haben wir den "Tatortreiniger" so inszeniert, dass er durch die episodische Erzählung quasi keinen Schaden erlitt, selbst wenn über einen längeren Zeitraum keine neue Folge erschien. Allerdings bin ich stolz darauf, dass es uns trotzdem gelungen ist, einige horizontale Elemente einzubauen, um der Serie auch etwas Kontinuierliches zu geben. 

Bis auf die neuen "Tatortreiniger"-Folgen haben wir Sie in diesem Jahr nicht in Serien gesehen, dafür aber in gleich vier Kinofilmen, jüngst "25 km/h". Warum dieser Weg in Zeiten, in denen Serien so ein großes Ding sind?

Für mich ist die Arbeit für das Kino ein riesiges Glück. Beim Filmdreh hast du mehr Zeit als in der Serienmühle und nicht diesen Druck, etwas qualitativ hochwertiges in zu kurzer Zeit dringend fertig bekommen zu müssen. Die Arbeitsbedingungen sind angenehmer, was aber nicht bedeutet, dass ich gar keine Serien mehr machen möchte. Ich habe das grosse Privileg, mich im Moment nach der Qualität der Drehbücher entscheiden zu können. Leider werden mir jedoch auch Angebote geschickt, bei denen ich exakt dasselbe spielen soll, was ich bereits erfolgreich mehrere Jahre getan habe. Es gibt einige Filmemacher, die mir Drehbücher für den nächsten Ernie oder Schotty schicken. Ich war zehn Jahre Ernie und sieben Jahren Schotty. Warum sollte mich dann eine Rolle reizen, die wiederholen soll, was ich bereits gemacht habe? 

Die berühmte Schublade...

Für mich gilt da einfach das Gleiche wie für alle Schauspieler: Ich möchte keinesfalls in einer Schublade feststecken. Ich habe den Beruf des Schauspielers ja auch gewählt, weil ich mich dort in unterschiedlichsten Konstellationen ausprobieren kann, und nicht, weil ich für immer den lustigen Dorftrottel spielen will. Deswegen freue ich mich, dass ich für's Kino oder für’s Fernsehen gerade auch etwas mehr Drama-Arbeit angeboten bekomme. Falls aber mal wieder ein überraschendes Serienangebot kommen sollte, so wie nun für "Don't try this at home" bei Netflix, werde ich mir das natürlich gern anschauen.

Auf der zweiten Seite verrät Bjarne Mädel, wann er heutzutage noch unzufrieden mit seiner Arbeit ist und wie er nach all den Jahren beim "Tatortreiniger" zum Tod selbst steht...

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