Oliver Petszokat © WDR/Encanto Film- und Fernsehproduktions GmbH
DWDL.de-Interview

Oliver Petszokat: "Ich bin ein Konservierer"

 

In der neuen ARD-Show "Hallo Schatz" ist Oliver Petszokat - einst Soap-Star und Chartstürmer - der Mann für Trödel. Mit DWDL.de sprach er über seine Leidenschaft für altes Zeug, seine frühere Karriere und Selbsthilfegruppen für Ex-Soapstars.

von Jan Freitag , Berlin
18.03.2019 - 16:00 Uhr

Oliver Petszokat: Toll, dass sich mal jemand von einem Medium wie DWDL für mich interessiert. Ich freue mich total. Was wollen Sie wissen? 

Na, zunächst mal, ob es wirklich noch einer Trödelshow bedarf? Das Fernsehen läuft davon doch längst über.

Das stimmt, aber „Hallo Schatz“ hat inhaltlich nichts mit „Bares für Rares“ oder den „Superhändlern“ zu tun. Das würde ja auch gar keinen Sinn ergeben.

Und was ergibt Sinn?

Nachhaltigkeit zum Beispiel. Ich empfange auf einer Burg Gäste mit Gegenständen, die sie nicht mehr brauchen, die aber zu schade zum Wegwerfen sind. Die Besitzer sagen dann, welchen Erlös sie gern hätten: Urlaub mit Oma, ein Fahrrad, Therapiestunden für den Sohn, kleine und größere Wünsche je nach Gegenstand, den unsere tollen Handwerker reparieren, restaurieren oder upcyceln.

Also zweckentfremdend aufwerten.

Aus einem Koffer kann da schnell eine Stereoanlage werden. Den Prozess begleiten wir, während ich mich auf die Suche nach Interessenten mache. Am Verkaufstag treffen wir uns dann hoffentlich mit mehreren davon in der Scheune und schauen, was rauszuschlagen wäre. Meine Aufgabe ist es dann, den Preis so hoch zu treiben, dass der Besitzer abzüglich unserer Investition auch wirklich was rauskriegt. Wenn‘s gut läuft, vermeiden die Besitzer nicht nur Müll, sie verdienen richtig Geld. 

Und läuft es gut?

Bislang sind an 75 Drehtagen alle gut dabei weggekommen.

Sie auch? 

Ich auch. Schon aus purer Leidenschaft für altes Zeug. Wenn ich zuhause nach rechts blicke, steht da ein alter Plattenspieler, links davon ein Teller von Berlins Olympia-Bewerbung 2000, daneben ein altes Knight-Rider-Auto, ein Senso-Spiel. 

Das, bei dem man auf Farben haut?

Das habe ich Weihnachten ersteigert. Ich bin zwar kein Bastler, aber definitiv ein Sammler. Bei mir sind ganze Zimmer voll von Star Wars, He-Man, also alles, was eine Kindheit in den Achtzigern und Neunzigern ausgemacht hat und mich emotional dort abholt. Ich bin ein Konservierer.

Wie knapp ist der vom Messie entfernt?

Sofern ich auch weiterhin genug Stauraum habe, weit genug (lacht). In der Wohnung stapelt sich immerhin nur wenig. Aber was sich stapelt, sind allesamt Schätze. Wie in der Sendung.

"Ich habe die letzten Jahre so viel gearbeitet wie nie zuvor."
Oliver Petszokat

Wenn man dessen Titel hört, drängt sich abgesehen vom Trödel die Assoziation auf, Das Erste begrüßt damit eine Fernsehfigur längst vergangener Tage, als Sie der Schatz einer ganzen Zuschauergeneration waren. Ist das gewollt? 

Nein. Grundsätzlich taugt alles zum Schatz, aber diese Doppeldeutigkeit hatten wir als allerletztes im Sinn. Aber dass sich viele von damals womöglich fragen, warum ich gerade nicht mehr so wie früher stattfinde, finde ich überhaupt nicht schlimm. Ich will weder bestimmte Shows noch Genres oder den Boulevard diskreditieren, habe mir aber irgendwann überlegt, bei vielen Dingen nicht mehr dabei sein zu müssen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel im Fernsehen. Deshalb habe ich neben dem Theater angefangen, mehr Sachen off air zu machen. Es ist ja ein großes Missverständnis, dass Fernsehdarsteller nur dann im Geschäft sind, wenn sie dauernd auf dem Bildschirm zu sehen sind. Dabei sind Auftritte jenseits davon oftmals sogar wirtschaftlicher. Ich habe die letzten Jahre so viel gearbeitet wie nie zuvor und das 2018 nochmals getoppt.

Womit genau denn?

Mit unter anderem sehr viele Auftritte als Musiker. Gerade habe ich einen neuen Plattenvertrag unterschrieben und präsentiere meine Songs unter anderem in großen Musiksendungen der ARD. Außerdem mache ich Radio in Berlin, das wird demnächst deutschlandweit gesendet.

Seifenopern wie „Rote Rosen“ sind demnach Geschichte?

Bis vor zwei Jahren war ich noch dabei, bis dahin war es wieder mal eine tolle Zeit. Ich liebe den Daily-Betrieb. Es muss aber inhaltlich und terminlich passen. Dafür nehme ich mir mittlerweile raus, dass ich bei allem, was ich mache, hinterher in den Spiegel gucken kann. Weil es familienfreundlich und sozial kompetent ist, und weil ich inhaltlich voll dahinterstehe und idealerweise dafür brenne.

Und wofür brennen Sie gerade im Fernsehen?

Neben „Hallo Schatz“ vor allem für „Tiere suchen ein Zuhause“ im WDR. Einfach, weil ich großer Tierfreund bin und mit meiner Frau auf Sylt demnächst den zweiten Hunde-Store aufmache. Das ist zu 100 Prozent meine Welt. Es mag ökonomisch nicht immer clever sein, aber nur zu drehen, um was zu senden – das will ich nicht mehr.

Nicht mehr“ klingt, als müssten Sie sich von Ihrer frühen Karriere distanzieren.

Nein, das muss ich nicht. Im Gegenteil. Ich habe zwei Jahre am Stück 100 Live-Sendungen „Big Brother“ moderiert, dazu „Stars auf Eis“, drei Popstars Finalsendungen, „Biggest Loser Finals“ – gerade Live-Moderationen fand ich supergeil, aber das war eben in einer bestimmten Zeit prägend. Menschen ändern sich und mich zieht es mittlerweile in andere Richtungen. Sowohl on screen,als auch abseits davon. Deshalb muss ich noch lange nichts von früher verteufeln. Ich habe in jeder Phase das geliebt, was ich gemacht habe.

Auch „GZSZ“, was Sie zwar keine zwei Jahre gemacht haben, aber bis heute verfolgt?

Schon gar nicht „GZSZ“! Das ist bis jetzt eine der erfolgreichsten Serien. So wie meine Single „Flugzeuge im Bauch“ bis heute die meistverkaufte seit den Siebzigern ist und ewig bleibt – so wenig Platten heutzutage verkauft werden. Es ist doch toll, dass ich in den letzten 20 Jahren schon so vieles ausprobieren und erreichen durfte.

Es gibt also nichts zu bereuen, an Ihrer Vergangenheit?

Logischerweise. Jeder Schritt, den man hypothetisch wegließe, würde alle anderen beeinflussen. Natürlich fand ich mit 25 anderes spannend als mit 40, habe aber alles freiwillig und gerne gemacht, und würde jeden Schritt nochmals genauso gehen.

Und es gab auch nie Momente, sich von der Vergangenheit zu lösen, um nicht stets mit den gleichen Dingen assoziiert zu werden?

Nein. Ich fahre seit 20 Jahren sehr gut mit der Marke Oli.P und niemand sagt ja einfach – so, jetzt bin ich jemand anderes. Leben ist Entwicklung.

Trotzdem gibt es viele Soapstars und Showsternchen, die den Turnaround nicht schaffen. Existieren da Selbsthilfegruppen?

(lacht) Wer weiß… Erfolg hat immer auch mit Glück zu tun, aber am Ende ist jeder selbst für seinen Werdegang verantwortlich. Überall und in jedem Genre, nicht nur der Medienwelt. Es gibt kein Patentrezept fürs Glücklichsein, aber ein guter Weg ist, nach vorne zu blicken, nicht zurück. Damit bin ich auch deshalb so zufrieden, weil ich künstlerisch von Beginn an mehrgleisig gefahren bin.

Hätten Sie sich trotzdem bei all der Liebe Ihrer Fans manchmal ein bisschen Anerkennung vom Feuilleton gewünscht?

Solange ich mir treu und in meinem Genre authentisch geblieben bin, nicht. Klar ist es cool, wenn einen die „Süddeutsche Zeitung“ lobt, aber man kann es nicht allen recht machen. Deshalb gilt bei mir: Egal, ob mich ein Fan anspricht oder ein Produzent – es gibt für alle nur einen Oli.P. Immer.

Oliver Petszokat, vielen Dank für das Gespräch.

"Hallo Schatz" läuft ab Dienstag täglich um 16:10 Uhr im Ersten.

Über den Autor

Jan Freitag arbeitet seit 2016 fürs Medienmagazin DWDL.de. Badet ebenso gerne in Hass auf liebloses Fernsehen wie er leidenschaftliches auch dann feiert, wenn es Trash ist. Mag Filme & Serien umso lieber, je größer der soziokulturelle Bogen ist.

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