Jörg Wontorra © imago images / STAR-MEDIA
DWDL.de-Interview mit Jörg Wontorra

Wontorra: "Die alte Jagdleidenschaft ist nach wie vor da"

 

Zwei Jahre lang talkte Jörg Wontorra in direkter Konkurrenz zum "Doppelpass", in seiner neuen Sky-Show kommt der Moderator fortan direkt zu seinen Gästen. DWDL.de sprach mit Wontorra über den Neustart, seinen größten Fehler und den Ruhestand.

von Alexander Krei
19.08.2019 - 12:05 Uhr

Herr Wontorra, haben Sie es sich einfacher vorgestellt, sonntags gegen den "Doppelpass" zu senden?

Das ist vielleicht die falsche Frage.

Was wäre denn die richtige?

"Hätten Sie gedacht, aus dem Stand 250.000 Zuschauer zu erreichen?" (lacht) Die Sendung war ja wirklich ein großer Erfolg – wir haben das Fünffache des Senderschnitts von Sky Sport News HD erreicht, obwohl wir keine Bildrechte an der Bundesliga besaßen und ohne starkes Vorprogramm auskommen mussten. Daher waren wir nach zwei Jahren äußerst stolz auf das Erreichte. 

Jeder normale Sender würde einfach weitermachen.

Sky hatte dennoch Lust darauf, ein neues Format auszuprobieren, das sich von bestehenden Angeboten der Konkurrenz deutlich unterscheidet. Das hängt auch damit zusammen, dass meine Einzelgespräche mit Klopp, Watzke und Hoeneß in der Vergangenheit sehr viel Content hervorgebracht haben. Außerdem besitzt diese Art von Talk ein Alleinstellungsmerkmal im Sportfernsehen. Ich selbst begebe mich damit noch einmal auf völlig neues Terrain und fühle mich extrem gefordert. 

Was werden Sie aus Ihrer bisherigen Show vermissen?

Dass ich mich mal drei oder vier Minuten zurücklehnen kann. Künftig werde ich 60 Minuten lang mit hoher Aufmerksamkeit dabei sein müssen. In der klassischen Talkshow war es möglich, gedanklich schon mal die nächsten Themen im Kopf durchzuspielen, weil ich mir sicher sein konnte, dass die anderen Gäste ohnehin immer etwas zu sagen haben.

Wie tagesaktuell wird Ihre "Wontorra on Tour" sein?

Wir werden die Sendung in aller Regel nicht live machen, weil der Kalender unserer Gäste erfahrungsgemäß gut gefüllt ist. Da ist es von Vorteil, dass sie sich den Standort und den Aufzeichnungstermin aussuchen können. Die Sendung wird dennoch angelehnt sein an das aktuelle Geschehen, soll aber auch die Persönlichkeit des jeweiligen Gastes erforschen. Wir gehen also auch über den reinen Sport hinaus und wollen es ein wenig menscheln lassen.

Womöglich fehlt es aber an Reibung, wenn die große Runde nicht mehr vorhanden ist.

Die Reibung muss ich erzeugen, diesen Anspruch habe ich schon an mich. Aber dafür werde ich ja auch bezahlt. 

"Jede zusätzliche Sendung erachte ich als Geschenk."
Jörg Wontorra

Ihr erster Gast ist BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Welchen Gästen möchten Sie noch auf den Zahn fühlen?

Unser zweiter Gast ist Rudi Völler. Das sind also zwei Hochkaräter in den ersten Sendungen, mit denen wir die Messlatte sehr hochgelegt haben. Wenn es irgendwie geht, soll sich das auf diesem Niveau fortsetzen. Es gibt genug spannende Gäste in der Bundesliga, die man in solch einer Sendung etwas anders zeigen kann, als sie der Zuschauer für gewöhnlich kennt. Ich will da schon in die obere Schublade greifen, den Anspruch habe ich. Uli Hoeneß, Kalle Rummenigge oder Jogi Löw sind ganz sicher Wunschgäste.

Bei Uli Hoeneß müssen Sie sich allerdings beeilen, weil es womöglich bald nicht mehr in Amt und Würden ist. 

Ich glaube, wenn er nicht mehr in Amt und Würden ist, ist er noch spannender.

Weil er dann offener sprechen kann?

Das haben Sie gesagt. (lacht) Aber klar, wenn die Last des Amtes von den Menschen fällt, werden sie gelassener und reden freier.  

Was passiert, wenn man in Amt und Würden etwas freier spricht, hat gerade Schalke-Boss Clemens Tönnies erfahren müssen. Wie bewerten Sie die öffentliche Debatte um ihn?

Das war mit Sicherheit ein großer Fehler von ihm, aber nach meiner Auffassung ist Clemens Tönnies von den Medien nicht immer gerecht behandelt worden. Insbesondere am Anfang empfand ich die Berichterstattung als tendenziös. Ich weiß, dass Clemens Tönnies nicht so denkt, und bin davon überzeugt, dass er bloß einen Gag machen wollte, der einfach fürchterlich verunglückt ist. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient – erst recht, wenn er den Fehler einsieht und sich entschuldigt. Ich weiß das aus eigener Anschauung, weil ich selbst einmal einen großen Fehler gemacht habe, als ich Rudi Assauer im "Doppelpass" vorwarf, ein bisschen viel zu trinken. Dafür habe ich mich bei ihm aufrichtig entschuldigt und er hat die Entschuldigung angenommen. Damit war die Sache aus der Welt geschafft.

Haben Sie damals für einen kurzen Moment gedacht, dass Ihre Karriere zu Ende sein könnte?

Diese Sorge hatte ich, keine Frage. Wäre von den Medien eine Kampagne daraus gemacht worden, dann wäre ich heute vermutlich nicht mehr auf dem Schirm. 

Sie haben kürzlich gesagt, Ruhestand sei nichts für Sie. Was, wenn nach der nächsten Saison Schluss sein sollte? 

Das wäre nicht schlimm, denn ich habe auch ohne meine Sendung genug zu tun. Ich kümmere mich um meine Stiftung und gehe vielen Hobbys nach, für die früher keine Zeit geblieben ist. In meinem Alter schließe ich ohnehin nur noch Einjahresverträge ab, weil ich auch selbst entscheiden möchte, ob ich mich fit genug fühle, solche Sendungen zu moderieren. Wenn man so lange durch das Berufsleben gegangen ist, dann ist das alles keine Pflicht mehr, sondern ich bin bei der Kür angekommen. Jede zusätzliche Sendung erachte ich als Geschenk. Und wenn irgendwann Schluss ist, habe ich ein erfülltes Leben hinter mir. Noch habe ich jedoch Lust auf Fernsehen, die alte Jagdleidenschaft ist nach wie vor da. 

Und sonntags sehen Sie sich ab sofort wieder den "Doppelpass" an?

Na klar. Und wenn der "Doppelpass" mich einlädt, werde ich sogar hingehen. 

Herr Wontorra, vielen Dank für das Gespräch.

"Wontorra on Tour" läuft montags um 19:00 Uhr bei Sky Sport News HD und Sky Sport Bundesliga 1.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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