Arnd Zeigler © Max Hartmann
DWDL.de-Interview

Arnd Zeigler: "Fußball macht nur Sinn, wenn er Spaß macht"

 

Seine Radiokolumne macht er seit mehr als 25 Jahren, nun kommt noch ein Podcast dazu: In "Ball You Need Is Love" will Arnd Zeigler über die Verbindung von Fußball und Musik sprechen. Im DWDL.de-Interview erzählt er, weshalb er dem Radio fremdgeht.

von Alexander Krei
04.09.2019 - 12:06 Uhr

Herr Zeigler, wieso passen Fußball und Musik zu gut zusammen?

Fußball und Musik ergänzen sich so gut, weil sich beiden Leidenschaften ähnlich anfühlen und sie oft auch an der gleichen Stelle entstehen. Wenn man Musiker ist und sich für künstlerische Dinge interessiert, dann ist man womöglich offener für andere Leidenschaften, die auf einer ähnlich sinnlichen Ebene stattfinden – so wie das bei Fußballfans häufig der Fall ist. Wer nicht rational und verkopft ans Werk geht, ist empfänglich für die emotionalen Seiten, die der Fußball zu bieten hat. Für mich persönlich hat beides schon immer zusammengehört. Wann immer ich in eine neue Stadt kam, waren das Stadion und die Plattenläden meine Fixpunkte. 

Sie selbst haben bereits als Teil der "Original Deutschmacher" mit "Lebenslang Grün-Weiß" eine Stadionhymne geschrieben. Wie schwierig ist es, einen Hit bei Fans zu landen?

Es ist total schwer, mit Fußballsongs neuen Boden zu betreten, weil es alles schon gibt. Jeder Reim ist gemacht, jedes Klischee ist schon verbraucht. Unser großes Glück war, dass unser Song mit einer guten Stimmung zusammenfiel, nämlich mit dem Doublegewinn von Werder Bremen. Er ist auch nicht gemacht worden, um ihn zu verkaufen, sondern aus einer Laune heraus entstanden. Fußballsongs etablieren sich nur dann, wenn die Fans drauf Lust haben. Neue Lieder lassen sich im Stadion nicht verordnen. 

Mit "Ball You Need Is Love" starten Sie jetzt erstmals einen Podcast, der Fußball und Musik verknüpfen will. Wie stellen Sie sich das vor? 

In jeder Ausgabe spreche ich mit einem Musiker über seine Verbindung zum Fußball und die Frage, was Fußball für ihn mit Musik zu tun hat. Anfangs hatte ich die Sorge, dass sich vieles sehr schnell wiederholen könnte. Bei den Gesprächen, die ich schon geführt habe, habe ich allerdings gemerkt, dass jeder seine ganz eigene Geschichte hat – wie er zum Fußball gekommen ist, was er zu Spielen mitnimmt oder was ihn dazu bringt, das alles jede Woche aufs Neue mitzumachen. Es ist ein schönes Gefühl zu spüren, dass man sich in einem Boot wähnt, selbst wenn das Herz Deines Gegenübers für einen anderen Verein schlägt als Deines.

Wie kam die Idee zustande, aus diesem Thema einen Podcast zu machen und nicht etwa einen klassischen Radio-Talk?

Ich habe das Radio schon immer für das spannendste Medium gehalten und freue mich, dass ich seit vielen Jahren auf Radio Bremen eine Sendung habe, in der ich die Musik spielen darf, die mir am Herzen liegt. Das Schöne an Podcasts ist jedoch, dass man sich vom Formatdenken des Radios entfernen kann. Im Laufe der Jahre hat sich das Radio dahingehend entwickelt, immer auf den Punkt sein zu müssen. Wenn man heute ein tagesaktuelles Interview führt, läuft ständig die Stoppuhr mit. Ein Podcast ist das genaue Gegenteil: Du hast Zeit, Dinge zu entwickeln, und merkst plötzlich, wie sehr sich Menschen öffnen, weil es kein definiertes Ende gibt. Das führt zum Beispiel dazu, dass man über seine Antworten auch mal ein bisschen nachdenken kann. Im Idealfall denken die Hörer eines Podcasts: Da würde ich am liebsten mit einer Tasse Tee danebensitzen und auch mal was sagen.

Erstaunlicherweise zeigt der Erfolg von Podcasts doch, dass die Leute sehr wohl Lust haben auf gesprochenes Wort. Haben sich die Radiomacher in den zurückliegenden Jahrzehnten also getäuscht?

Es kann gut sein, dass Podcast-Formate in dieser Form und Länge innerhalb eines normalen Radioprogramms nicht so gut funktionieren würden, denn sie leben ja auch ein Stück weit davon, dass sie jeder abrufen kann, wann immer er möchte. Ich selbst höre Podcasts gerne auf langen Zugfahrten. Natürlich würde ich mir Radioprogramme mit einem stärkeren Kontrast wünschen, aber es ist doch schön, dass es heute die Möglichkeit gibt, allen Interessen nachzukommen. 

Wie wichtig war es im Falle Ihres Podcasts dennoch, dass der WDR als Partner mit dabei ist?

Die Allianz ist für mich perfekt, weil ich mit dem WDR seit vielen Jahren wunderbar zusammenarbeite. Da habe ich eine Redaktion, die schon seit zwölf Jahren mit mir an meiner Fernsehsendung arbeitet. Ich weiß, wie die Redakteure ticken, und die Redakteure wissen, wie ich ticke. Niemand muss sich beschnuppern und wir alle hatten von Beginn an Lust auf dieses neue Projekt.

Ihr Leben dreht sich nicht nur um die Musik, auch der Humor spielt eine große Rolle. Wie humorvoll ist eigentlich das Fußballgeschäft?

Das ist eine Gratwanderung. Fußball macht nur Sinn, wenn er Spaß macht. Gleichzeitig ist Fußball für viele Menschen eine wichtige Sache, die großen Raum in ihrem Leben einnimmt. Daher ist es vermutlich ein Zwischending. Ich selbst habe großen Spaß am Fußball, würde das aber nie abtun und sagen, dass man das nicht so ernst nehmen soll. 

Aber es ist doch erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit in den Medien über Fußball gesprochen und berichtet wird.

Ich würde das nicht Ernsthaftigkeit nennen. Es ist in den vergangenen Jahren eine unheimliche Aufgeregtheit entstanden, die es früher so nicht gab. Auch früher gab es Sender und Fachzeitschriften, die berichtet haben, und Zeitungsreporter, die am Trainingsplatz standen. Der Unterschied ist: Vor 20 Jahren konntest du als Verein eine schlechte Vorrunde spielen und im Winter hat man sich dann mal seriös und in Ruhe zusammengesetzt, um zu schauen, was man verändern kann. Heute reichen drei verlorene Spiele, bis die Leute die Messer wetzen. Da ist mit den Jahren eine Lust am Köpferollen entstanden, die ich nicht schön finde. 

Macht's denn dann trotzdem noch Spaß, Fußball zu schauen?

Das Komische ist: Als Fan gibt es immer wieder Dinge, über die man sich ärgert, aber der Spaß am Fußball lässt trotzdem nicht nach. Natürlich stören mich diese hohen Ablösesummen oder die Schnelllebigkeit des Geschäfts mit Spielern, die in drei Jahren bei vier Vereinen spielen. Und bei jedem das Wappen küssen. Auch der Videoassistent und ich werden keine engen Freunde fürs Leben mehr. Trotz allem gibt einem der Fußball so unglaublich viel zurück, dass man selbst solche Entwicklungen in Kauf nimmt.

Dem Fundus für Ihre wöchentliche Radiokolumne dürfte das jedenfalls nicht schaden, oder?

Als ich vor über 25 Jahren mit der Radiokolumne anfing, bin ich davon ausgegangen, dass sich das nach zwei, drei Jahren totgelaufen hat. Es zeigt sich aber, dass sich der Fußball immer wieder neu erfindet. Da gibt es neue Phänomene um Spieler oder Medien herum, aber auch neue Regeln, Vereine oder Ligen. Das alles lässt sich kritisch begleiten und bietet Raum für lustige Entwicklungen. Ich habe nicht das Gefühl, dass es auf absehbare Zeit langweilig werden könnte.

Herr Zeigler, vielen Dank für das Gespräch.

Der neue Podcast "Ball You Need Is Love" erscheint erstmals am Donnerstag.

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Sport mag er am liebsten, wenn er in der Glotze läuft.

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