Philip Pratt © Amazon
Amazons Head of German Originals im DWDL.de-Interview

Philip Pratt: "Non-fiktional denken wir in alle Richtungen"

 

Mit "Chris Tall presents..." startet Amazons erstes deutsches non-fiktionales Comedy-Format - und das soll erst der Anfang sein. "Wir wollen Prime Video zu einem wichtigen Anbieter auch für non-fiktionale Formate entwickeln", erklärt Philip Pratt, Head of German Originals bei Amazon Studios

von Kevin Hennings
27.09.2019 - 08:18 Uhr

Herr Pratt, was muss ein Unscripted-Format mitbringen, damit Sie sich bei Amazon dafür interessieren?

Wir stehen mit non-fiktionalen Titeln aus Deutschland bei Prime Video noch am Anfang. Nach dem Dokuformat "Inside Borussia Dortmund" starten wir mit "Chris Tall Presents…" jetzt unser erstes non-fiktionales deutsches Comedyformat. Wir waren uns von Anfang an sicher, dass wir Comedy bedienen wollen. Comedy gehört im Scripted-Bereich zu den erfolgreichsten Genres bei Prime Video, da macht es einfach Sinn, die Farbe auch für Unscripted zu testen. Momentan geht es uns genau darum: Wir testen, was unseren Prime-Mitgliedern gefällt. 

Inwiefern liefert ausgerechnet Chris Tall einen unverkennbaren Wert für Amazon?

Er ist einfach wahnsinnig witzig. Chris Tall zählt zu den bekanntesten jungen Comedians in Deutschland. Er spricht dabei nicht nur sehr viele junge Leute an, sondern auch die älteren und passt damit gut zu der breiten soziodemografischen Zuschauerstruktur, die wir mit unserem Angebot erreichen. Wir finden ihn großartig und wissen durch Marktforschung, dass es unseren Kunden gleichermaßen ergeht.

Bisher ist Chris Tall aber vor allem ein RTL-Gesicht. Was macht Sie so sicher, dass sich dieser Erfolg auch auf einen Streamingdienst ausdehnen kann?

Chris war unsere erste Wahl. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht weiterhin schauen, wer in Zukunft Comedy bei Prime Video machen kann. Grundsätzlich sind wir auf der Suche nach neuen Gesichtern, die wir noch aufbauen können. Langfristig gesehen wird da noch einiges passieren.

"Fick die Dicken" sagt Chris Tall in der ersten Folge und ergänzt: "Das sollen die mal untertiteln in Amerika!" Muss die neue Show das Publikum auch über die Grenzen hinaus überzeugen?

Natürlich wird Chris Tall in erster Linie das deutsche Publikum ansprechen. Es ist unser klares Ziel, Shows zu machen, die zunächst mal in Deutschland ankommen. Wenn wir im Ausland weitere Menschen erreichen, ist das schön und wunderbar – muss aber nicht sein. Daran werden wir den Erfolg von "Chris Tall Presents…" sicherlich nicht messen.

Welche Ziele haben Sie sich mit Ihren Unscripted-Formaten vorgenommen?

Wir haben viel vor: Wir wollen große Zuschauer-Events machen und sind dafür auch mit allen deutschen Produzenten im Gespräch. Wir sind offen für Ideen und hören uns Pitches dementsprechend unvoreingenommen an.

Wie könnte solch ein Event aussehen?

Wir denken in alle Richtungen: Non-fiktionale Erfolge bei Prime Video sind "The Grand Tour" oder "All or Nothing: Manchester City" aus Großbritannien, "El Corazón de Sergio Ramos" aus Spanien, in Japan haben wir den "Bachelor" gemacht und das japanische Original "LOL: Last One Laughing" entwickelt. Dieses Format wurde bereits in Länder wie Mexiko und Australien exportiert. Diese internationalen Amazon Originals geben zwar nicht die konkrete Richtung für Deutschland vor, zeigen aber schon einmal, wie breit Prime Video im Unscripted-Segment aufgestellt ist.

An welche Schlagzahl denken Sie?

Wir ordnen Qualität über Quantität. Wir haben den Anspruch, Content zu finden, der qualitativ zu Prime Video passt. Wir wollen Prime-Mitgliedern auch bei bekannten Genres, die sie aus dem linearen Fernsehen kennen, neue Blickwinkel bieten und auf höchstem Niveau produzieren. Dementsprechend überlegen wir uns ganz genau, was zu uns passt. Wir arbeiten nach der Devise "Wir können, müssen aber nicht". 

Gibt’s denn Genres, die Sie für sich ausschließen?

Neben Comedy, arbeiten wir derzeit konkret an Ideen für Realityshows, Musikshows oder Physical-Shows. Daneben wollen wir gerne den Docu-Reality & Docu-Follow-Bereich bespielen und unser Engagement im High-End-Factual-Entertainment fortsetzen.

"Es fühlt sich ein wenig wie ein gigantisches Start-Up an." - Philip Pratt über Amazons Aufbauarbeit in Deutschland.

Reality-TV ist im linearen Fernsehen äußerst erfolgreich. Wie wird Amazon dieses Genre erkunden und ins Programm aufnehmen?

Eine solche Farbe muss visuell und inhaltlich die Qualität mitbringen, die Prime-Mitglieder von Prime Video erwarten dürfen. Wir wollen neue Ideen ins Genre einbringen. Darauf, wie die genau aussehen, müssen Sie sich noch gedulden. Derzeit entwickeln wir und sprechen viel mit Produzenten, zu sehen wird das meiste erst ab dem kommenden Jahr sein. Auch die Art der Ausspielung sehen wir uns genaue an: Zeigen wir alle Folgen auf einmal, wie man das von Streamingdiensten kennt? Oder wählen wir eine wöchentliche Ausstrahlung, so wie bei "The Grand Tour"? Beides ist möglich, beides hat Vor- und Nachteile. Aktuell leisten wir hier viel Aufbauarbeit. Es fühlt sich ein wenig wie ein gigantisches Start-Up an, wir wachsen unheimlich schnell und suchen immer Verstärkung für unser Team in München. Derzeit haben wir z.B. Stellen im Non-Scripted und Scripted Development sowie Business Affairs-, Legal-Executive aber auch Marketing-Stellen offen.

Wie sieht der nächste Meilenstein des "Start-Ups" Amazon aus?

Im Bereich non-fiktionaler Inhalte wird für Prime Video der Start einer großen Show aus den  genannten sechs Genres spannend. Wir wollen Prime Video zu einem wichtigen Anbieter auch für non-fiktionale Formate entwickeln.

Herr Pratt, vielen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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