Bela Bajaria © imago images / Starface / Netflix
Interview mit Netflix-Managerin Bela Bajaria

"Das ist der nächste Schritt im Formatgeschäft für Netflix"

 

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Seit einiger Zeit schon investiert Netflix zunehmend in non-fiktionale Produktionen. Bei den Emmys gewannen gerade eine Dokureihe, eine Animationsserie, ein Comedyformat, ein Konzert-Special und eine Dokusoap...

Für mich ganz persönlich ist das besonders aufregend, weil ich vor drei Jahren, alsich zu Netflix kam, den Aufbau des Non-Scripted-Segments übernommen habe. Es fühlt sich also sehr gut an zu sehen, dass diese Arbeit Früchte trägt und gibt mir in der jetzigen Position als Chefin der nicht-englischsprachigen internationalen Produktionen die Möglichkeit, etablierte Marken international in passenden Märkten mit lokalen Besetzungen zu adaptieren, wie beim deutschen „Nailed it!“. Das ist der nächste Schritt im Formatgeschäft für Netflix.



Wie sieht es mit „Queer Eye“ aus, dem erfolgreichsten non-fiktionalen Format von Netflix? Sie haben die US-Besetzung für die nächste Staffel nach Japan geschickt, aber sind auch lokale Adaption von „Queer Eye“ mit eigener Besetzung denkbar?

Wir lieben unsere „Fab 5“ und die kommende Japan-Staffel war großer Spaß, weil es dem Format nochmal einen neuen Dreh gab, wenn sich die fünf Jungs selbst in einer ihnen anfangs fremden Umgebung wiederfinden. Aber wir diskutieren aktuell bei mehreren Sendungen die Frage, ob es Sinn macht, diese mit lokalen Besetzungen zu adaptieren. Würden wir „Queer Eye“ lokalisieren? Das würde vom Land abhängen, vom möglichen Cast und müsste sich richtig anfühlen. Dieses Format hat schließlich eine Aussage und will etwas bewirken. Das muss gegeben sein.

Lassen Sie uns nochmal zur Serie zurückkehren. Nach was suchen Sie denn in neuen internationalen Serienstoffen: Weiterhin die spitze Nische oder braucht Netflix Mainstream?

So betrachte ich die Situation gar nicht. Wir haben weltweit so viele Abonnenten, da ist der Geschmack unsere Publikums so vielfältig wie die Welt. Das macht es schwieriger die Lieblingsserie für alle zu produzieren als die Lieblingsserie für den Einzelnen. Letzteres ist das, was wir machen wollen. Und dank unseres globalen Publikums sind viele Nischen groß genug. Natürlich muss es sich kommerziell rechnen. Aber mich interessiert bei einem Pitch für eine Serie: Gibt es eine klare, starke Vision? Spreche ich mit jemandem, der diese Idee auch umsetzen kann?

Welche Serienidee hätte bei Netflix derzeit größere Chancen: Die abgeschlossene Miniserie oder eine auf mehrere Staffeln angelegte Idee?

Es hängt immer von der Story ab. Es wäre falsch, eine Serienidee entweder zu limitieren oder zu strecken, wenn die Idee es nicht hergibt. Ich verstehe die Gedanken mancher Plattformen, dass sich eine zweite Staffel einer bestehenden Serie nicht mehr so aufmerksamkeitsstark bewerben lässt und deshalb Miniserien gefragt sind, aber ich halte dagegen: Dafür gibt es eine etablierte Fanbase, die auf die Fortsetzung wartet. Und TV ist für mich in vielerlei Hinsicht doch gerade genau das: Mit geliebten Charakteren auf eine lange Reise gehen und möglichst viel Zeit mit ihnen zu verbringen.

"Wir müssen sicherstellen, dass eine Sychronfassung auch die Qualität hat, die den Erwartungen an Netflix gerecht wird."

Zum Schluss noch eine Frage mit dem Blick aufs Internationale: Auf wie viele Märkte passen Sie Ihre Produktionen eigentlich an? Wie viele Sprachfassungen gibt es aktuell?

Wir synchronisieren aktuell in zehn Sprachen und untertiteln in zwanzig weiteren Sprachen. Das sind mit der Zeit immer mehr geworden, weil es auch seine Zeit braucht. Wir müssen sicherstellen, dass eine Sychronfassung auch die Qualität hat, die den Erwartungen an Netflix gerecht wird. Es ist uns sehr wichtig, dass bei den Übersetzungen nichts verloren geht. Wer bei uns auf „Play“ drückt, erwartet die bestmögliche Qualität. Das bedarf eines enormen Aufwands für Lokalisierungen, der heute größer ist als je zuvor.

Das heißt aber auch: Der US-Markt muss aufgrund dieser Arbeiten länger warten auf die Veröffentlichung…

Ich würde es anders herum betrachten: Wir wollen all unseren Abonnenten die Serie zeitgleich verfügbar machen, was auch mit dem Momentum eines Launchs zu tun hat. Deswegen verzichten wir auf gestaffelte Veröffentlichungen. Wenn jemand hört oder liest, dass es etwas Neues gibt von Netflix, dann soll man es auch überall sehen können.

Frau Bajaria, herzlichen Dank für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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