Foto: TurnerHerr Heyelmann, mit Turner Classic Movies und Cartoon Network startet Turner in diesem Jahr Sender zwei und drei in Deutschland: Was hat den Ausschlag für die Offensive gegeben?

Es gab in den vergangenen Monaten interessante Entwicklungen im Bereich des digitalen Fernsehens, so dass jetzt für uns der richtige Zeitpunkt gekommen ist um diese Marken zu etablieren. Unbegrenzter Platz herrscht auch im digitalen Kabel nicht, und durch das derzeitige Preisniveau der Pay TV Pakete dürfte es auch für die Plattformbetreiber schwierig sein, noch dutzende neue Sender aufzunehmen und gleichzeitig die Sender angemessen zu bezahlen.

Es fällt ja auf, dass inzwischen einige ausländische TV-Konzerne zaghafte Versuche in Deutschland wagen: Mit welchem Selbstverständnis tritt Turner jetzt im deutschen Markt auf?

Wir möchten in den Genres, in denen wir Spartensender aufbauen natürlich eine führende Rolle spielen, wie uns das auch mit Turner Classic Movies und Cartoon Network im Ausland geglückt ist. Und mit CNN sind wir in Deutschland  auch bereits der führende internationale Nachrichtensender. Unsere Strategie beruht im Grunde darauf, die internationalen Erfahrungen, die wir sammeln konnten, genauso wie die weltweiten Ressourcen, auf die wir zurückgreifen können, mit den lokalen Anforderungen des deutschen Marktes zu koppeln. So starten wir beispielsweise die Filme im Abendprogramm bei Turner Classic Movies zur in Deutschland üblichen Zeit um 20.15 Uhr.
 

 
Trotzdem sind die Markteintritte großer internationaler Fernsehunternehmen bislang nur in der Sparte bzw. Pay-TV zu finden...

Man muss einfach sehen, was am meisten Sinn macht und auch realistisch in der Umsetzung ist. Ich glaube, dass Spartensender im digitalen Pay-TV sehr gut aufgehoben sind. Die Refinanzierungsmöglichkeiten sind attraktiver, als wenn man vollständig auf Werbung angewiesen ist. Zum anderen ist es zum jetzigen Zeitpunkt bei den Kapazitätsengpässen im analogen Fernsehen ohne einen anderen Sender aufzugeben nicht möglich, einen massenwirksamen neuen Free-TV-Sender zu etablieren. Ein Spielfilmsender, bei dem man Filme ohne Unterbrecherwerbung zeigen kann, bietet ohnehin einen großen Mehrwert und auch ein Kindersender ohne viel Werbung ist für Kinder wie Eltern attraktiv. In einigen Jahren, wenn der digitale Markt entsprechend gewachsen ist, werden die Reichweitengrenzen zwischen Free-TV und Pay-TV mehr und mehr verschwimmen.