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"Banking District": Wenn sich die Schweiz mit der Welt anlegt

 

Nachdem die deutsche ZDF-Serie "Bad Banks" bereits gezeigt hat, welch erzählerisches Potenzial das Finanzwesen bereithält, legen die Schweizer mit dem sechsteiligen Drama "Banking District" auf etwas ruhigere Weise nach.

von Kevin Hennings
14.07.2019 - 08:51 Uhr

Das Schweizer Bankenwesen ist faszinierend. Sein guter Ruf hallt auf allen Kontinenten nach und basiert auf der politischen und wirtschaftlichen Stabilität eines Landes, das souverän sein eigenes Süppchen kocht, und natürlich dem Schweizer Bankgeheimnis. Doch wirklich zu durchschauen, wie ein solch winziges Land eine derart große Finanzmacht aufbauen konnte, fällt schwer. Behilflich dabei ist "Banking District", ein Seriendrama des schweizerischen Senders RTS, das man als "Bad Banks" kleine, etwas ruhigere Schwester bezeichnet werden kann.

"Die Schweiz ist ein Land, wo sehr wenige Dinge ihren Anfang nehmen, aber viele ihr Ende", wird F. Scott Fitzgerald mit der ersten Schwarzblende zitiert. Jenes Ende wird in "Banking District" von der Genfer Privatbank "Grangier" dargestellt, die lange Zeit von den reichsten Kunden geschätzt wurde – vor allem gegenüber der Steuerfahndung ihrer Herkunftsländer. Nun aber scheint das Schweizer Bankgeheimnis zu bröckeln, was nicht nur daran liegt, dass das amerikanische Justizministerium nicht mehr im Dunkeln tappen möchte, was die Finanzen ihrer US-Bürger angeht. Im Zentrum des drohenden Branchen-Kollapses steht der einflussreiche Privatbankier Paul Grangier (Vincent Kucholl), der kurz davor ist, seinen bislang größten Triumph zu feiern: Die Ernennung zum Bankier des Jahres.

Bevor er diesen Moment jedoch genießen kann, bricht er selbst zusammen. Ein Insulinmangel ist die erste Diagnose. Kurz zuvor hat er angeordnet, dass in einem solchen Fall seine Schwester Elisabeth (Laura Sepul) die Leitung seiner Bank übernehmen soll – und nicht sein prinzipiell viel besser geeigneter Bruder Alexandre (Arnaud Binard), der das Schweizer Bankenwesen und all seine Vorzüge durch und durch atmet. Alleine diese Anordnung kommt der schicki-micki-fremden Elisabeth komisch vor, weshalb sie sofort er Überzeugung ist, dass ihr Bruder keinen Unfall erlitt, sondern es einen Mordversuch gab.

Ab hier beginnt zunächst ein Abfrühstücken der erwartbaren Klischees: Paul Grangier scheint Unsummen semilegales Geld gebunkert zu haben, um dem näher tretenden Clinch mit der US-Politik abfedern zu können. Wie Elisabeth herausfindet, stehen unter anderem 50 Millionen Dollar einer russischen Waffenhändlerin auf der Haben-Seite. Dummerweise befinden sich diese aber nicht mehr dort, wo sie einst gelagert wurden, was dafür sorgt, dass die russische Waffenhändlerin erwartbar reagiert: Mit Gewalt und Drohungen, wie sie sich für einen Vorzeigerussen in einer ausländischen Produktion gehören.

Doch so erwartbar das Spiel mit der Geldwäscherei und Stereotypen auch ist, wissen die Schweizer trotzdem zeigen, worauf es wirklich ankommt: Auf die Strukturen ihrer einzigartigen Finanzwelt, die unkopierbares Material für eine fiktionale Serie liefert, wie es schon die ZDF-Serie "Bad Banks" mit den deutschen Geldinstituten in Frankfurt vormachte. "Banking District" mag nicht ganz so aufregend wie der deutsche Kompagnon sein, dafür zeigt es seine Särke dort, wo es darum geht, besonnen Erzählstränge zu verfolgen, die die Zuschauer packen, die sich gerne mit der Materie auseinandersetzen wollen.

Wenn dann aus heiterem Himmel eine laszive Sexszene eingestreut wird, wirkt das wie ein Fremdkörper. "Banking District" ist nicht sexy, dafür aber umso smarter. Schon der Schachzug, eine Hauptfigur zu wählen, die eigentlich nichts mit dem Bankwesen am Hut hat, war ein feiner. So nimmt man das Publikum an die Hand und die Herausforderung ab, direkt das gesamte System von alleine verstehen zu müssen. Stattdessen kann es sich an Elisabeth und ihrem Lernprozess orientieren. Und gerade weil Elisabeth mehr damit beschäftigt ist, das System hinter einem der größten Wirtschaftsmotoren der Schweiz zu verstehen, setzt sich "Banking District" mit einer gesunden Distanz von "Bad Banks" ab und gibt Anreize, die dort aufgrund von anderen Prioritäten nicht geliefert werden konnten. Das Image der sonst so braven Schweiz kann auf diese Weise zwar nicht abgestreift werden, ihre scheinbare Realität wirkt dafür aber umso faszinierender.

Die erste sechsteilige Staffel von "Banking District" steht für Telekom Kunden bei MagentaTV zum Streaming zur Verfügung. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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