Einen Sex on the Beach, bitte! Was ist das nur für ein gutes Gefühl, wenn sich nach vielen Jahren mal wieder der Geschmack von Pfirsich-Likör, Cranberrysaft, Orangensaft und Wodka die Geschmacksknospen entlang Richtung Gaumen ergießt?! Und mit ihm Erinnerungen an Abschlusspartys und -fahrten und lange Nächte während des Studiums wieder präsent sind. Genauso wie damals schmeckt er, der Sex on the Beach – Manches ändert sich eben nicht.

Das ist bei "Young Royals", einer neuen Netflix-Serie aus Schweden, nicht viel anders. Das Teenie-Drama wandelt auf den Spuren bekannter Genrevertreter. Nach Netflix-Erfolgen wie "Elite" oder "13 Reasons Why" wurde der Neustart durchaus mit Spannung erwartet. Das ist ein gutes Stichwort, ist am Ende doch festzustellen, dass "Young Royals" zu erwartbar ist und zu viele Zutaten klassischer Teen-Soaps verwendet. Haben sich Young-Adult-Serien seit "The OC" also wirklich nur im Detail wesentlich verändert?

Die "Sjukt"-Machenden Lisa Ambjörn sowie Lars Beckung stehen ebenso hinter der schwedischen Serie wie auch Camilla Holter. Die sind außerhalb Schwedens ähnlich unbekannt wie die darstellenden Personen vor der Kamera. Edvin Ryding führt den Cast von "Young Royals" an, denn er ist der junge Royale. Prinz Wilhelm, noch Schüler, aber einer, der es faustdick hinter den Ohren hat. Da ist nicht nur ein Sex on the Beach nachts zu viel das Problem. Nicht er, sondern sein Bruder soll später mal die Krone aufgesetzt bekommen, also kann Wilhelm die Sau rauslassen. Denkt er. Immer wieder neuer Ärger führt dazu, dass er auf ein Eliteinternat geschickt wird. Und weil's für die Geschichte irgendwie passt (eigentlich aber keinen Sinn ergibt), begleitet ihn zunächst sein älterer Bruder.

Die Story nimmt Fahrt auf, als der wunderschön singende Simon auftaucht – da ist nicht nur Wilhelm prompt ganz Ohr. Und dann wäre da noch Felicie – denn was fehlt einer guten Soap noch? Genau, die Zicke, die nur auf den eigenen Vorteil aus ist. Felicie findet Wilhelm sofort unglaublich interessant, hauptsächlich aber wegen des Adelstitels. Recht bald aber weiß der Zuschauende, dass das ohnehin nicht klappen würde, denn Wilhelm steht auf Kerle. Nun gilt Schweden eigentlich als liberal, aber nicht als so liberal als dass ein schwuler Prinz nicht doch für Aufsehen sorgen würde. Aus diesem Punkt macht "Young Royals" zu wenig, viel zu wenig.

Die Zugehörigkeit zu einer Adelsfamilie ist für die Serie nur eine Folie, genauso gut könnte die Figur auch einer reichen Bankenfamilie oder einer Immobiliendynastie entstammen. Hauptsache oberste Oberschicht. Dennoch nicht zu abgehoben zu erzählen, scheint dem Team hinter der Kamera wichtig gewesen zu sein. Es ist Teil der DNA der "Young Royals"-Geschichte, dass Wilhelm ein Prinz mit sehnlichem Wunsch ist, sich gesellschaftlicher Ketten zu entledigen. Daher auch die volle Dröhnung. Auf die setzt die Serie immer wieder, wenn wilde Partynächte in abgewrackten (Keller)-Gewölben zu sehen sind – und mitunter ordentlich gekotzt wird. Die immer wieder eingestreuten Szenen in einem Pferdestall sind da der krasse Kontrast, ein bisschen was für die Seele und für "Wendy"-Fans.

"Young Royals" mag insgesamt also schroffer und härter daherkommen als etwa "13 Reasons Why" und erzählt weniger sprunghaft (und glaubhafter als Network-Soaps wie "Dynasty"), es bedient sich leider aber dennoch altbekannter Problemstellungen und Plot-Twists. Wenn schon inhaltlich das Rad nicht neu erfunden wird, dann muss immerhin gesagt werden, dass beim Casten mehr richtig gemacht wurde als bei anderen Genrevertretern. Sowohl andere Netflix-Soaps als auch diverse CW-Serien büßen deutlich an Glaubwürdigkeit ein, weil Schauspielerinnen und Schauspieler, die bald auf die 30 zugehen, jugendliche Teenies verkörpern. Der in "Young Royals" ganz fabelhaft spielende Edvin Ryding ist erst 18, die Youngster, die die etwas älteren Rollen darstellen, haben vor nicht allzu langer Zeit ihren 20. Geburtstag gefeiert.



Das lässt, ähnlich wie es einst beim britischen "Skins" der Fall war, eine starke Nähe zu den Protagonisten des Formats zu – und ist der größte Pluspunkt einer Serie, die sonst ihr Potential nicht ausschöpft, weil das Drehbuch nicht über die Güteklasse gehobener Durchschnitt hinauskommt. Manches ändert sich eben nicht. Wie Sex on the Beach.

"Young Royals", abrufbar bei Netflix