Von einer Comedy-Horrorserie ist in vielen Artikeln und lobenden Reviews in USA und UK die Rede, selbst Auftraggeber Sky sortiert die zusammen mit HBO realisierte Serie entsprechend ein: „Das Baby“ ist linear und auf Abruf bei Sky Comedy einsortiert, dabei bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Der Grusel überwiegt, ist selten lustig eher absurd. Eine interessante Mischung, die am Ende aufgeht.

Das ist sicher eine der wichtigsten Botschaften für Serienfans und sei, ohne Details zu verraten, vorweg gesagt: Wer die Zeit investiert für die acht nur halbstündigen Folgen, wird belohnt. Es fühlt sich bei dem wilden Ritt wahrlich nicht immer so an und doch: Alles ergibt einen Sinn - was längst nicht bei jeder High Concept-Serie der Fall ist. Doch worum geht es denn eigentlich in dieser britischen Serie, die nach der Premiere bei HBO inzwischen auch bei Sky zu sehen ist?

Als der 38-jährigen Natasha (gespielt vom Michelle de Swarte) im Kurzurlaub an der englischen Küste vor einer abgelegenen Hütte unerwartet ein Baby in die Arme fällt - was eben durchaus wörtlich gemeint ist, implodiert ihr ohnehin stressiges Leben, von dem sie sich gerade erholen wollte. Stinkend, kontrollierend, manipulativ und mit gewalttätigen Kräften verwandelt das Baby Natashas Leben in eine Horrorshow.

Wir als Publikum folgen ihr bei der Suche nach Antworten: Woher kommt das? Was will es? Welche Rolle spielt eine ältere Dame, uns eingeführt als Vermieterin der Hütte in der Natascha urlaubt? Und wie weit muss Natascha gehen, um ihr Leben zurückzubekommen? Sie will gar kein Baby, aber das Baby will sie - und einfach nicht verschwinden.

Es entspinnt sich über wechselnde Zeitebenen eine Geschichte, die ab Folge 2 subtil andeutet, dass die beiden Schöpferinnen der Serie, Lucy Gaymer und Siân Robins-Grace, hier auch einen Subtext transportieren. Die Kreativ-Power hinter der Geschichte ist übrigens komplett in weiblicher Hand: Naomi de Pear, Jane Featherstone, Carolyn Strauss und Nicole Kassell komplettieren das Team der Executive Producers von „The Baby“

Während sich deren Geschichte langsam durch immer neue Versatzstücke erschließt, ist die Spur der Toten, die mit dem Baby in Verbindung kommen, weitaus plakativer inszeniert. Man entwickelt beinahe eine Vorfreude, zu erahnen, welchen Tod die Auserwählten sterben werden. Allerdings erleben wir kein schadenfrohes, diebisch lachendes Baby, wie man vielleicht von einer „Horror-Comedy“ annehmen könnte.



Stoische Ausdruckslosigkeit, die sich selten deuten lässt, abwechselnd mit lautem Geschrei, wenn es nicht bekommt, was es will, trifft es besser. „The Baby“ bewirbt sich um den Preis für eine der absurdesten Prämissen, gespickt mit surrealen Bildern. Beim schwarzen Humor merkt man eine britische Handschrift und doch: Die Serie als Comedy zu bezeichnen, fällt schwer. Wer das erwartet, wird noch verstörter sein. Wer hingegen gerne rätselnd auf Sinnsuche geht, wird hier auf seine Kosten kommen.

Die achtteilige Staffel von „The Baby“ ist bei Sky Q sowie Wow abrufbar