Was bisher geschah...
Die Übernahme von Paramount durch Skydance war nach einem sehr holprigen Verfahren und diversen Zugeständnissen an die Trump-Administration erst wenige Wochen unter Dach und Fach, als das "Wall Street Journal" Mitte September berichtete, dass Paramount Skydance nun auch noch Warner Bros. Discovery übernehmen will - das eigentlich gerade die Selbstaufspaltung in einen Streaming- und Studio-Teil und einen mit dem schrumpfenden linearen TV-Geschäft beschlossen hatte.
Das Interesse von Paramount Skydance und der dahinter steckenden Ellison-Familie rief dann umgehend auch Wettbewerber auf den Plan. Am 21. Oktober machte Warner Bros. Discovery offiziell, dass es "unaufgefordertes Interesse mehrere Parteien sowohl am gesamten Unternehmen als auch an Warner Bros." gebe. Diese Parteien waren neben Paramount Skydance auch noch Netflix und Comcast, der Mutterkonzern von NBC Universal. Es entwickelte sich ein Bieterwettstreit.
Am 5. Dezember überschlugen sich dann die Ereignisse: Eigentlich wollte Warner Bros. Discovery an diesem Tag mit dem Bieter, der aus Sicht des Unternehmens das beste Angebot unterbreitet hatte, in exklusive Verhandlungen eintreten. Die Wahl fiel dabei auf Netflix - doch von weiteren Verhandlungen wollte man dort offenbar nichts wissen und setzte dem Vorstand von WBD die Pistole auf die Brust: Entweder man stimmt dem Deal sofort zu oder das Angebot ist obsolet.
Und so folgte noch am gleichen Tag die Einigung: Für rund 82,7 Milliarden Dollar (inkl. Schulden) soll Netflix demnach das Studio- und Streaminggeschäft von Warner Bros. Discovery übernehmen. Das lineare TV-Geschäft soll vorher abgespaltet werden. Netflix beteuert, die bisherigen Geschäfte von Warner Bros. weiterzuführen - also weiterhin Filme ins Kino zu bringen (allerdings letzten Berichten zufolge wohl nur für 17 Tage exklusiv), weiterhin auch für andere Plattformen und Sender zu produzieren - und HBO Max auch als eigenen Dienst weiterzubetreiben (dann aber fokussiert auf hochwertige Serien, nicht als umfassendes Angebot).
Regulatorische Probleme? Wischte man in selbstbewussten Calls im Anschluss an den Deal locker vom Tisch und informierte sogar direkt die eigene Kundschaft, dass es mehr oder weniger nur noch einige Details zu klären gebe. Alles klar also? Mitnichten.
Wie ist der aktuelle Stand?
Paramount Skydance hält sein eigenes Angebot für deutlich besser und wirft dem Board von Warner Bros. Discovery vor, einen unfairen Verkaufsprozess durchgeführt und nicht im besten Sinne der WBD-Aktionäre gehandelt zu haben. Tatsächlich lassen sich die Angebote nur schwer vergleichen, denn Paramount Skydance will Warner Bros. Discovery als Ganzes, also inklusive der linearen TV-Sender, übernehmen. Daher bietet man auch einen höheren Kaufpreis in Höhe von umgerechnet 108 Milliarden Dollar - und das anders als Netflix in bar und nicht zum Teil in eigenen Aktien.
Paramount Skydance droht daher nicht nur mit rechtlichen Schritten, gegen den Deal zwischen Warner Bros. Discovery vorzugehen, sondern hat sich mit einem feindlichen Übernahmeangebot auch direkt an die Aktionärinnen und Aktionäre gewandt. Die Entscheidung liegt nun also direkt in der Hand der Aktionärinnen und Aktionäre, die Führung von Warner Bros. Discovery kann nur noch Empfehlungen aussprechen.
Am 17. Dezember wies man das feindliche Übernahmeangebot mit deutlichen Worten als schlechter zurück und zählte etliche Kritikpunkte auf - unter anderem, dass die Ellison-Familie den Kaufpreis nicht komplett mit eigenem Vermögen garantiere. Generell kommt das Geld unter anderem aus Saudi-Arabien und Katar, was womöglich Probleme bei der Genehmigung des Deals hervorrufen könnte. Paramount besserte sein Angebot kurz vor Weihnachten dann noch einmal nach, insbesondere mit höheren Garantien durch die Ellison-Familie.
Auch auf dieses erneuerte Angebot hat Warner Bros. Discovery erneut ablehnend reagiert und seinen Aktionären empfohlen, es nicht anzunehmen. Wörtlich erklärte man: "Das Angebot von Paramount bietet weiterhin einen unzureichenden Wert, einschließlich Bedingungen wie einer außerordentlich hohen Fremdfinanzierung, die Risiken für den Abschluss der Transaktion mit sich bringt, und fehlenden Schutzmaßnahmen für unsere Aktionäre, falls die Transaktion nicht abgeschlossen wird. Unsere verbindliche Vereinbarung mit Netflix bietet einen höheren Wert bei größerer Sicherheit, ohne die erheblichen Risiken und Kosten, die das Angebot von Paramount für unsere Aktionäre mit sich bringen würde." Zudem wies man erneut auf das nicht ganz unwichtige Detail hin, dass eine Absage an Netflix Warner Bros. mal eben 2,8 Milliarden Dollar "Termination Fee" kosten würde.
Doch Entscheidung liegt wie gesagt in den Händen der Aktionärinnen und Aktionäre. Sie haben nun noch bis zum 21. Januar Zeit haben, auf das Angebot zu reagieren.
Und jetzt?
Paramount könnte sein Angebot auch finanziell noch einmal nachbessern - was womöglich auch Netflix nochmal zu einer Erhöhung zwingen würde. Passiert das nicht, dann wird noch im Januar zumindest Klarheit herrschen, ob das feindliche Übernahmeangebot Erfolg hat. Ungeachtet dessen könnten noch weitere Störfeuer von Paramount Skydance juristischer Natur folgen.
Steht der Deal mit Netflix weiterhin, dann liegt trotzdem noch ein weiter Weg vor den beiden Unternehmen. Schließlich gilt es, die behördlichen Genehmigungen einzuholen. Netflix ist weltweiter Streaming-Marktführer, weshalb die Kartellbehörden nicht nur in den USA ein Wörtchen mitreden werden. Auch die Macht auf dem US-Produktionsmarkt steigt nochmal erheblich, was etwa allerhand Gewerkschaften auf den Plan gerufen hat.
Und dann wäre da ja auch noch die politische Komponente, also vor allem: Donald Trump. Der äußerte zwar Sympathien für den Netflix-Chef, ließ aber trotzdem schon wissen, dass er bei der Entscheidung über die Genehmigung auch persönlich ein Wörtchen mitreden will. Klar ist immerhin, worum es ihm geht: Er möchte, dass der von ihm zum Erzfeind erklärte Nachrichtensender CNN neue Eigentümer bekommt. Daher hätte er es nur allzugern gesehen, wenn die Trump nahestehende Ellison-Familie mit Paramount wie zuvor schon bei CBS auch dort das Sagen bekommen hätte. Die Frage ist, welche Zugeständnisse Netflix Trump gegenüber womöglich machen muss, um eine Blockade zu verhindern.
Und dann steht noch etwas einer schnellen Umsetzung im Wege: Erst einmal muss Warner Bros. Discovery die eigene Aufspaltung umsetzen, also die Auslagerung der Kabelsender - inklusive CNN - in eine eigene Gesellschaft. Netflix selbst erwartet den Abschluss daher auch erst in zwölf bis 18 Monaten. Eine lange Zeit angesichts eines Marktes, in dem sich Entwicklungen derzeit geradezu überschlagen.
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