Was bisher geschah

Es war der 27. Juni, als RTL Deutschland im vergangenen Jahr mit der Ankündigung überraschte, Sky Deutschland übernehmen zu wollen. Der Preis: Ein echtes Schnäppchen, denn die Kölner würden zunächst einmal nur 150 Millionen Euro bezahlen. Hinzu kommt allerdings noch eine Earn-Out-Möglichkeit für Comcast, den bisherigen Eigentümer. Die Zahlung ist jedoch auf maximal 377 Millionen Euro begrenzt, wenn der Kurs der RTL-Group-Aktie auf 70 Euro steigt - was angesichts der aktuellen Bewertung von nur 35 Euro allerdings erst mal in weiter Ferne zu liegen scheint.

Durch das Zusammengehen von RTL Deutschland und Sky entstehe ein einzigartiges Angebot für Unterhaltung, Sport und Informationen in den Bereichen Streaming, Free-TV und Pay-TV mit rund 11,5 Millionen zahlenden Abonnenten, heißt es aus Köln, wo man den Fokus auf die drei Streaming-Marken RTL+, Sky und Wow betont. Damit sei man bei zahlenden Abonnenten und Streaming-Umsätzen auf Augenhöhe mit den größten US-amerikanischen Streamingdienste und werde zur Nummer drei im Markt - hinter Prime Video und Netflix. Doch ob die Übernahme wirklich durchgeht, ist noch nicht entschieden, weil der Deal unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Wettbewerbs- und Medienkonzentrationsbehörden steht.

Was ist der aktuelle Stand?

Im vergangenen Herbst bekam das Vorhaben schon mal den Segen der Kommission zur Ermittlung der Konzentration, kurz KEK. Gleichzeitig machte sie jedoch deutlich, dass der RTL-Vermarkter Ad Alliance und der ProSiebenSat.1-Konkurrent Seven.One Media zuletzt zusammen einen Marktanteil im Brutto-Fernsehwerbemarkt in Höhe von 73 Prozent erreichten. Weil auch der Sky-Vermarkter Sky Media Teil der angemeldeten Übernahme ist, werde die "Stellung der RTL-Gruppe auf dem Fernsehwerbemarkt weiter verstärkt". Die Anmerkung lässt erahnen, dass die Werbevermarktung vermutlich der größte Knackpunkt bei der Bewertung des geplanten Deals sein wird.

Die endgültige Entscheidung liegt nun aber ohnehin bei den europäischen Kartellbehörden; im konkreten Fall ist die EU-Kommission zuständig - was möglicherweise von Vorteil ist, weil das hiesige Bundeskartellamt zuletzt immer wieder Einwände hatte, wenn es um weitreichende Veränderungen auf dem TV-Markt ging. 

Geht alles durch, dann wäre dies auch ein Einschnitt für RTL. "Mit diesem Deal verlagert sich unser Fokus Richtung Streaming und Zukunft", sagte CEO Stephan Schmitter schon im vorigen Jahr im Interview mit DWDL.de. Eine zunehmende Verlagerung weg vom Free-TV- und hin zum Abo-Geschäft bot vor dem Hintergrund der weiter anhaltenden Krise auf dem TV-Werbemarkt also tatsächlich neue Wachstumschancen. Gleichzeitig zeigt sich in diesen Wochen, dass ein Zusammenschluss alleine kein Selbstläufer sein muss. So muss Sky künftig weitgehend ohne hochwertige HBO-Inhalte bestehen, weil Warner Bros. Discovery mit HBO Max einen neuen Konkurrenten auf dem deutschen Markt gestartet hat. Und jüngst verlor RTL das Rennen um die künftigen Rechte an der Europa League.

Auch mit vereinten Kräften dürfte es also künftig nicht einfach werden, wenngleich RTL mit seiner nach wie vor starken Stellung im Free-TV künftig beste Voraussetzungen für Cross-Promotion haben wird. Doch all das ist freilich Zukunftsmusik, sodass RTL und Sky vorerst weiter mit kurzfristig geschlossenen Content-Deals - wie der Übertragung zweier Bundesliga-Spiele bei RTL - über die Runden kommen müssen. 

Und jetzt?

Vorerst bleibt das große Warten angesagt. Bei der RTL Group hofft man auf eine Freigabe durch die Europäische Kommission im ersten Halbjahr 2026. Sollte es so kommen, könnten erste Veränderungen für das Publikum mit Blick auf die kommende Bundesliga-Saison sichtbar werden. Gleichzeitig dürfte in den Unternehmen die (erneute) Sorge vor Einschnitten wachsen, schließlich gibt es etwa mit Blick auf die Vermarktung und die Sportredaktionen unübersehbare Doppelungen. Schon bei Bekanntwerden des geplanten Deals war die Rede von Synergien in Höhe von 250 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren. Die Zeichen stehen daher in absehbarer Zeit nicht auf Beruhigung.