Der deutsche Produzentenmarkt ist weiterhin in Bewegung. Jetzt gibt es eine neue Entwicklung, die sich aber deutlich unterscheidet von den Negativ-Schlagzeilen rund um Schließungen und Entlassungen ganzer Unternehmen. Die unabhängige Produktionsfirma Drive Beta, 2018 von Hannes Jakobsen und Johannes Middelbeck gegründet, dockt bei der Rosebank Entertainment AG an, die wiederum mehrheitlich zu Beta Film gehört.

Es ist aber keine Unternehmensübernahme im klassischen Sinn: Rosebank übernimmt 30 Prozent an Drive Beta, die beiden Gründer Hannes Jakobsen und Johannes Middelbeck halten weiterhin knapp 40 bzw. 30 Prozent. Darüber hinaus halten auch die Drive-Beta-Geschäftsführer Catherine Harwardt und Florian Schumann kleine Anteile. Rosebank und Drive Beta sprechen nun von einer "strategischen Partnerschaft", die man eingegangen sei. Und die soll im besten Fall in beide Richtungen funktionieren.

Während die Rosebank unter anderem in den Bereichen Finanzen sowie Business & Legal die unternehmerische Entwicklung von Drive Beta unterstützen soll, bringt diese unter anderem Distributions- und Social Media-Expertise in die Rosebank-Gruppe, zu der auch Bantry Bay, Dreamtool und Brot&Butter Entertainment gehören, ein. Drive Beta produziert längst nicht mehr nur Social-Formate. Zum Portfolio gehören auch Dokus, Dokuserie sowie fiktionale Formate. Auch um die Distributionsarbeit dieser Formate kümmern sich die Berliner.

Der lange gesuchte Sparringspartner

Hannes Jakobsen © Chapter41 Hannes Jakobsen
Im Gespräch mit DWDL.de erklärt Hannes Jakobsen seine Motivation für den Schritt, an einer größeren Struktur anzudocken. "Wir planen für gemeinsame gute Zeiten und sichern uns ab, sollte es mal bumps on the road geben", so der Gründer und Geschäftsführer von Drive Beta. Er freue sich, dass man nun nicht mehr alleine dastehe. "Wir sind Teil von etwas Größerem und teilen eine Vision für die Zukunft von Bewegtbildproduktion." In der Fiction kann man nun außerdem auf die Stärken der Rosebank-Töchter bzw. die Beta Film zurückgreifen, so kann man sich hier voll auf die Entwicklung von Stoffen konzentrieren. Jakobsen weiter: "Mit ihrer Branchenerfahrung können Jan Kromschröder und Stefan Oelze für uns die Sparringspartner sein, die wir uns schon immer gewünscht hatten."

Einen solchen Sparringspartner, der auch mal schwierige Fragen stellt, hatte es zuletzt nicht gegeben. Drive Beta startete zwar vor einigen Jahren mit Unterstützung der skandinavischen Drive Studios und deren Konzernmutter Nordisk Film, dort hatte man zuletzt aber merklich kein Interesse am deutschen Markt. Zu groß waren die Herausforderungen in der Heimat. 2024 einigte man schließlich darauf, die Dänen aus der Produktionsfirma herauszukaufen. Nun sollen Rosebank und Beta Film die Lücke füllen und vor allem verwaltungstechnische Aufgaben übernehmen, damit das Team um Hannes Jakobsen weiterhin kreativ unterwegs sein kann.

"Wir sind eine Kreativ-Unit und wollen das auch bleiben. Durch die Partnerschaft haben wir jetzt die Möglichkeit, Bereiche wie die Buchhaltung und das Controlling weiter zu professionalisieren und effizienter zu gestalten", sagt Hannes Jakobsen im Gespräch mit DWDL.de. Gleichzeitig betont er, dass die Partnerschaft keine Einbahnstraße sein soll. "Wir sehen viele Synergien in verschiedene Richtungen." Bei Drive Beta wissen sie nicht nur, welche Formate bei einem jungen Streamingpublikum gut ankommen - sie wissen auch, wie man die Formate am besten distribuiert. Das soll auch den anderen Unternehmen der Beta-Gruppe helfen. Mit einigen Produzenten der Gruppe sei er schon im Gespräch, sagt Jakobsen.

Die zwei Betas nähern sich an

Trotz der Ähnlichkeit im Namen hatten Drive Beta und Beta Film bislang nichts miteinander zu tun. Zwischen den Unternehmen gab es in der Vergangenheit aber immer eine Art Running Gag, bei dem Beta Film damit "drohte", die junge Produktionsfirma vielleicht doch nochmal irgendwann zu verklagen. "Mittlerweile haben wir das ja anders gelöst", sagt Hannes Jakobsen - und meint damit auch, aber nicht nur den Einstieg der Rosebank Entertainment AG.

"Wir sind eine Kreativ-Unit und wollen das auch bleiben. Durch die Partnerschaft haben wir jetzt die Möglichkeit, Bereiche wie die Buchhaltung und das Controlling weiter zu professionalisieren und effizienter zu gestalten."
Hannes Jakobsen, Gründer und Geschäftsführer Drive Beta


Erst kürzlich wurde bekannt, dass Beta Film zusammen mit Jakobsen und anderen Drive-Beta-Köpfen ein KI-Unternehmen mit dem Namen Chapter 41 gründet (DWDL.de berichtete). Dort will man unter anderem KI-Tools entwickeln, aber auch Sender, Unternehmen und Kreative beim Einsatz von KI beraten. Auch bei der Produktion von KI-generiertem Bewegtbild will Chapter 41 ansetzen. Es sind also die großen Themen der Zukunft, die hier im Mittelpunkt stehen.

Dass beide Partnerschaften nun unter dem Dach von Beta Film fixiert sind, freut Drive Beta-Gründer Hannes Jakobsen. Er sagt: "Dadurch bin ich weniger mit mir selbst in Konkurrenz und muss auch nicht über einen möglichen Interessenkonflikt nachdenken." An Chapter 41 hält nicht nur Jakobsen 30 Prozent, sondern auch Drive Beta direkt 10 Prozent. "Es sind zwei getrennte Firmen, aber wir werden natürlich viel zusammen arbeiten", sagt Jakobsen.

"Zukunftsträchtige Alleinstellung"

Stefan Oelze und Jan Kromschröder © Seapoint / Bantry Bay Stefan Oelze und Jan Kromschröder
Jan Kromschröder und Stefan Oelze, Gesellschafter und Vorstände der Rosebank Entertainment AG, erklären zur neuen Partnerschaft: "Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Hannes, Johannes, Cat, Florian, Yann, Franca, Philine und dem ganzen Drive Beta-Team. Drive Beta ergänzt mit der klaren Ausrichtung auf On-Demand Inhalte und Distribution das bestehende Kreativ-Portfolio der Rosebank – und hat damit auch in der gesamten Beta-Gruppe eine zukunftsträchtige Alleinstellung. Wir freuen uns auch auf den kreativen Austausch der Teams von Drive Beta und der Rosebank-Firmen Bantry Bay, Brot&Butter Entertainment und Dreamtool Entertainment."

Die Deals zwischen Beta Film und Hannes Jakobsen bzw. Rosebank und Drive Beta sind also nicht aus der Not heraus geboren. Stattdessen werden alle Seiten gestärkt, ohne Eigenständigkeit zu verlieren. Und mit Blick auf eine Branche, die zunehmend von Unsicherheit geprägt ist, kann es sicher nicht schaden, einen jeweils starken Partner an der Seite zu haben. Oder wie Hannes Jakobsen es gegenüber DWDL.de formuliert: "Wir sind weiterhin sehr optimistisch und positiv eingestellt. Das Marktumfeld aber zeigt, dass man für den Erfolg in Zukunft hart arbeiten muss. Und das macht mit den richtigen Partnern einfach mehr Spaß."