Hinter dem MDR liegt ein Jahr voller Ungewissheit. Schon länger ist bekannt, dass Intendant Ralf Ludwig die bislang weitgehend unabhängig voneinander agierenden Programmdirektionen in Leipzig und Halle zusammenlegen will. Ein erster Versuch, Jana Brandt als Chefin des zusammengelegten Bereichs zu installieren, scheiterte im Februar 2025 jedoch am Widerstand des Rundfunkrats. Oder um es genauer zu sagen: An der fehlenden Zweidrittel-Mehrheit. Zwar sprach sich eine Mehrheit der Mitglieder des Gremiums für die Personalie aus, das reichte aber nicht

Die gescheiterte Wahl von Jana Brandt erschütterte den MDR damals bis ins Mark, denn die Personalie galt vielen im Haus als logische Konsequenz. Brandt agierte schon damals als Programmdirektorin in Halle und war auch kommissarisch für Leipzig verantwortlich. Als dann aber später deutlich wurde, dass Ludwig mit seinem Vorschlag auch weiterhin keine Zweidrittel-Mehrheit im Rundfunkrat erhalten würde, schwenkte er um. Die Stelle wurde öffentlich ausgeschrieben, parallel dazu wurde die Zusammenlegung der Direktionen vorangetrieben. 

Und tatsächlich ist in den zurückliegenden Monaten etwas vorangegangen. Eine eingesetzte Projektgruppe mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus beiden Programmdirektionen hat ihre Arbeit aufgenommen und kann auch bereits erste Ergebnisse vorweisen. So steht mittlerweile fest, dass es künftig vier Hauptredaktionen in der zusammengelegten Programmdirektion geben wird. Das ist eine Halbierung gegenüber dem aktuellen Stand. Nun wird es darum gehen zu klären, wie genau diese Redaktionen ausgestaltet werden. 

In dieser Frage wird dann wohl auch Boris Lochthofen mitreden. Der Journalist und Medienmanager ist am Montag zum neuen Chef der zusammengelegten Programmdirektion gewählt worden - und anders als noch 2025 blieb ein Eklat im Rundfunkrat aus. Er wird sein Amt zwar erst zum 1. April antreten, aber es ist davon auszugehen, dass er in die wichtigsten Entwicklungen schon jetzt eingebunden wird. 

Doppelstrukturen abbauen

Der gesamte Prozess der Zusammenlegung befindet sich ohnehin noch eher am Anfang als am Ende. So geht man im MDR davon aus, dass die Fusion der beiden Programmdirektionen erst im Jahr 2028 abgeschlossen sein wird. Neben Wirtschaftsplänen und anderen Prozessen, die zusammengeführt und harmonisiert werden müssen, wird es Lochthofen vor allem schaffen müssen, einen Gemeinschaftsgeist in den bislang unabhängigen Direktionen zu schaffen.  

Das dürfte gar nicht so leicht sein, wenn man weiß, dass die beiden Programmdirektionen bislang zwar beide unter dem Dach des MDR agiert haben, in der Vergangenheit aber durchaus auch schon in unterschiedliche Richtungen marschiert sind. Neben der kleineren Führungsstruktur in den Hauptredaktionen wird es außerdem darum gehen, bestehende Doppelstrukturen abzubauen. Nur ein kleines Beispiel, das zeigt, wo möglicherweise Gesprächsbedarf besteht: Der MDR ist aktuell an drei jungen Recherche-Formaten beteiligt. Das sogenannte "Team Recherche" und "exactly" sind redaktionell in der Programmdirektion Leipzig angedockt, "Y Kollektiv" dagegen in Halle. Hier besteht wohl Optimierungsbedarf. 

Bei der Zusammenführung der beiden Programmdirektionen hat es zuletzt jedenfalls nicht geholfen, dass Jana Brandt vor einem Jahr vor dem Rundfunkrat durchgefallen war. In Leipzig hat im Sommer 2025 Torsten Peuker kommissarisch die Leitung übernommen. Brandt war noch bis Mitte Januar in Halle zuständig, dort hat seither Christina Herßebroick kommissarisch das Sagen. Diese Aufstellung sorgt schon qua Definition nicht dafür, dass die Bereiche zusammenwachsen - trotz der eingesetzten Projektgruppe. 

Landtagswahlen voraus

Dass der MDR und seine Gremien nun den gordischen Knoten durchschlagen haben, könnte aber gerade noch rechtzeitig kommen. In Sachsen-Anhalt wird im September ein neuer Landtag gewählt - das wird auch für den MDR zu einer Bewährungsprobe. Erst einmal wird es darum gehen, in gewohntem Umfang und Qualität über die Wahl zu berichten. Das geht einfacher, wenn Kompetenzen und Verantwortlichkeiten klar benannt sind. 

Sollte die AfD im Bundesland tatsächlich die Mehrheit erreichen und sogar den Ministerpräsidenten stellen, stellen sich für den MDR aber noch ganz andere Fragen. Die Rechtspopulisten haben bereits angekündigt, den MDR-Staatsvertrag kündigen zu wollen. Was das für den Sender und die ARD im Gesamten bedeutet, ist bislang allenfalls theoretisch durchgespielt worden. Die nun erfolgte Zustimmung zur Personalie Lochthofen sorgt zumindest für ein Stückchen weniger Angriffsfläche, wobei die Rechtspopulisten sicher noch andere angebliche Skandale oder Fehler finden werden, an denen man sich aufhängen wird. Und sei es nur der Rundfunkbeitrag, der angeblich zu hoch ist. 

Kurz nach Sachsen-Anhalt wird auch in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Auch hier liegt die AfD in den Umfragen aktuell vorn. Fest steht: 2026 ist für den MDR ein entscheidendes Jahr. Sowohl inhaltlich in der Berichterstattung mit dem Höhepunkt der Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Und andererseits auch in der strukturellen Neuaufstellung des Hauses. Die historisch gewachsene Aufstellung mit zwei Programmdirektionen hat sich überlebt, nun gilt es, die Zusammenführung so effizient wie möglich zu managen. Hinzu kommt die nach wie vor nicht erfolgte Erhöhung des Rundfunkbeitrags, die den MDR härter trifft als andere ARD-Anstalten.