Kai  Gniffke © SWR/Patricia Neligan Kai Gniffke
Als Intendant ist Kai Gniffke mittlerweile ein alter Hase, seit 2019 führt er den SWR mittlerweile nun schon, zuletzt war er darüber hinaus auch ARD-Vorsitzender. Da kennt man sich mit gewissen Fallstricken natürlich bestens aus: Als Moderatorin Katharina Röben ihn bei der SWR-Pressekonferenz zu den programmlichen Highlights des Jahres zu seinen persönlichen Höhepunkten fragt, bedankt er sich umgehend für die Fangfrage. Als Chef könne man darauf nur falsch antworten. 

Und so antwortet Kai Gniffke ganz staatsmännisch: Er freue sich auf journalistische Bestleistungen, Informationen aus der Region und darauf, die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu verstehen. Und dann nennt der SWR-Intendant doch noch ein Highlight, das den Sender in diesem Jahr prägen wird: Den Eurovision Song Contest. Der Sender hat nach fast 30 Jahren die Verantwortung für den Musikwettbewerb vom NDR übernommen. Der ESC ist etwas besonderes, das zeigt sich auch in der späteren Fragerunde mit Journalistinnen und Journalisten - viele haben Fragen zum Event. 

Große Neuigkeiten konnten Gniffke, sein zuständiger Programmdirektor Clemens Bratzler und die Head of Delegation, Tina Sikorski, dann aber nicht mehr verkünden. Unisono wurde noch einmal das betont, was Bratzler bereits am Montag im DWDL.de-Interview gesagt hatte: Die Inszenierung des deutschen Finals, also des Vorentscheids, soll opulent inszeniert werden. Sikorski führte außerdem aus, warum man versucht, das Wort "Vorentscheid" zu vermeiden. Der Begriff "deutsches Finale" vermittele mehr Wertigkeit, zeigt sich die frühere Musikmanagerin überzeugt. Sikorski sprach von einer "sehr hochwertigen Show", die man Ende Februar umsetzen werde.

Erstmals wird es beim deutschen ESC-Vorentscheid - ähnlich wie beim Hauptevent im Mai - auch einen Kommentator geben, diese Rolle übernimmt Thorsten Schorn, der im Mai in Wien das deutsche Publikum erneut durch die Show führen wird. Darüber hinaus sind beim Vorentscheid Einspieler zum 70. Geburtstag des ESC geplant. Geplant ist auch eine Doku zum Jubiläum, die im Mai veröffentlicht wird, darin blicken unter anderem Hape Kerkeling, Nicole, Peter Urban und andere Promis zurück. Das Rahmenprogramm am Tag des ESC-Finals, also allen voran eine Openingshow zwischen 20:15 und 21 Uhr, wird der SWR zusammen mit dem ORF und dem SRF stemmen. Moderiert wird diese von, wie sollte es auch anders sein, Barbara Schöneberger. Die Moderatorin führt ja bekanntlich auch mit Hazel Brugger durch den Vorentscheid.

Zwei Serien aus neuen Genres

Aber auch über diese Show hinaus hat der SWR 2026 einige programmliche Highlights im Köcher. Spannend sind vor allem zwei fiktionale Projekte, die man früher so wohl nicht beim SWR verortet hätte. Da ist zunächst das bereits vor mehr als einem Jahr angekündigte "Stardust Hotel". Dabei handelt es sich um eine Science-Fiction-Serie, die im Weltall spielt. Anders als man das vielleicht annehmen könnte, ist aber keine Dramaserie entstanden, sondern eine romantische Comedy. Die von Letterbox produzierte Serie soll im zweiten Quartal veröffentlicht werden. 

Und dann ist da auch noch "House of Yang", eine sechsteilige Horror-Mystery-Serie, die 2024 als Sieger des Ideenwettbewerbs "Tief im Südwesten" hervorgegangen war. Es geht um zwei Mädchen, die aus einem Haus verschwinden - aber zu unterschiedlichen Zeiten. Die eine 1949 und de andere 1999. Beide tauchen nie wieder auf. Als Jessie (Elisa Hofmann) das Haus erbt, begreift sie zu spät, welche Gefahr darin lauert. Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine deutsch-chinesische Familie. Die Veröffentlichung ist für den kommenden Winter geplant. 

Bereits bekannt war, dass der SWR unter dem Titel "Jossi" an einer neuen Comedyserie mit Jannik Schümann in der Hauptrolle arbeitet (DWDL.de berichtete). Er verkörpert den erfolglosen Schauspieler Wanja, der sich spontan als Jude ausgibt, um eine Filmrolle zu bekommen. Damit tritt er jedoch eine Lawine von Lügen und kulturellen Missverständnissen los. Produziert werden die sechs Folgen, die ebenfalls im Winter 2026 veröffentlicht werden sollen, von Odeon Fiction. 

Clemens Bratzler © SWR/Patricia Neligan Clemens Bratzler
Es sind aber vor allem "Stardust Hotel" und "House of Yang", die zeigen, wie sehr sich der SWR in den zurückliegenden Jahren gewandelt hat. Die Genres Science Fiction und Mystery/Horror wurden bislang jedenfalls überwiegend von anderen Sendern und Streamern beackert. "Ich hoffe, dass man künftig an den SWR denkt, wenn es um andere Genres geht", sagte Programmdirektor Clemens Bratzler am Dienstag auf der Pressekonferenz des SWR. "Man muss mutig sein und Neues ausprobieren, um neue Zielgruppen zu erreichen."

"Ich hoffe, dass man künftig an den SWR denkt, wenn es um andere Genres geht."
Clemens Bratzler, SWR-Programmdirektor Information, Sport, Fiktion, Service und Unterhaltung


Im Bereich Dokumentation ist die Bandbreite an Projekten relativ groß. Mitte des Jahres wird die Reihe "Schicksalsjahre…" fortgesetzt, im Mittelpunkt stehen diesmal Taylor Swift und Prinz William. Weitere Dokuprojekte über Tesla-Boss Elon Musk und Apple-Gründer Steve Jobs sind geplant und sollen noch vorher kommen. Bereits Ende März startet die Dokusoap "My, Myself, Mallorca", in der es um fünf Frauen geht, die auf der Lieblingsinsel der Deutschen Erfolg haben wollen. Ebenfalls Ende März wird die Doku "Holt – Der Windkraft-Schwindler" veröffentlicht. Darin geht’s um den Unternehmer Hendrik Holt, der vorgab, die Windkraft revolutionieren zu wollen, sich letztlich aber als Hochstapler herausstellte. 

Drei Tage mit Mario Basler

Mario Basler - Letzter Typ © SWR
Groß ist die Bandbreite im SWR 2026 auch im Bereich Podcasts. Bereits am 24. Februar startet die vierteilige Reihe "Mario Basler - Letzter Typ". Dafür hat die Sportjournalistin Katharina Reckers drei Tage mit dem ehemaligen Fußballstar in der Pfalz verbracht und "mit dem Menschen hinter dem Image gesprochen", so zumindest das Versprechen. In einem ersten Trailer, der am Dienstag auf der Pressekonferenz gezeigt wurde, war aber vor allem das Image von Mario Basler zu sehen und hören. 

Voraussichtlich ab Sommer ist dann aber auch "Wo ist Sanelas Schwester?" zu hören. Für diesen Podcast begleiten Journalistinnen und Journalisten der SWR-Rechercheunit eine junge Frau aus der Nähe von Mainz auf ihrer Suche nach ihrer angeblich toten Schwester und gehen dabei auch Spuren und Theorien von möglicherweise entführten und verkauften Babys im ehemaligen Jugoslawien nach. In weiteren Podcasts geht’s um den Filmemacher Werner Herzog oder auch Einzelfälle aus 75 Jahren Bundesverfassungsgericht. Alle am Dienstag vorgestellten Programmhighlights des SWR finden Sie auch hier

Frisch gestartet ist beim SWR zudem ein News-Angebot in Leichter Sprache, damit will man einen großen Schritt in Richtung Barrierefreiheit und Inklusion machen. Ab sofort gibt’s montags bis freitags ab etwa 16:30 Uhr, ein entsprechendes Angebot. SWR-Intendant Kai Gniffke sagt: "Uns ist wichtig, ein Angebot zu schaffen, das die gesamte Gesellschaft anspricht – mit Formaten, die bewegen, informieren, unterhalten und zum Dialog anregen. Perspektivenvielfalt bedeutet für uns, die Welt und unser Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und so einen Beitrag zu einer offenen demokratischen Gesellschaft zu leisten."