Der deutsche Produktionsmarkt konzentriere sich "zunehmend auf weniger, dafür leistungsstärkere Unternehmen", hatte Goldmedia-Chef Klaus Goldhammer bei der Vorstellung seiner jüngsten Studie zur Film- und Fernsehproduktion für die nordrhein-westfälische Staatskanzlei angemerkt (DWDL.de berichtete). Taucht man tiefer in sein Zahlenwerk ein, lässt sich der Konsolidierungstrend an der schieren Programmleistung ablesen. Während zwischen 2022 und 2024 das gesamte Produktionsvolumen in Deutschland laut Studie um drei Prozent gesunken ist, konnten die Top-5-Unternehmen im selben Zeitraum um fünf Prozent zulegen – und ihren Marktanteil von 28 auf 30 Prozent aller hergestellten Programmminuten weiter ausbauen.
An der Spitze der fleißigsten Lieferanten steht wie bereits vor zwei Jahren Banijay Germany. Die zur Gruppe gehörenden Firmen haben der Goldmedia-Erhebung zufolge 59.658 Programmminuten gefertigt – und damit acht Prozent des deutschen Gesamtvolumens für TV, Streaming und Kino. Innerhalb von zwei Jahren steigerte Banijay seine Leistung damit um sechs Prozent, innerhalb von fünf Jahren sogar um 52 Prozent.
Während die deutsche Tochter des französischen Entertainment-Konzerns also kurz- wie längerfristige Zuwächse vorweisen kann, hat die zweitplatzierte UFA zwar 2,7 Prozent gegenüber 2022 hinzugewonnen, im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 jedoch 2,2 Prozent ihrer Programmminuten eingebüßt. 50.424 produzierte Minuten im Jahr 2024 stehen für knapp sieben Prozent des Gesamtmarkts. Als einzige Gruppe in den Top 5 hat All3Media kräftig verloren. Die Tochter Filmpool Entertainment produziert immer noch hochvolumig, aber nicht mehr so viele tägliche Formate wie zu ihrer besten Zeit.
Die größten Produktionsgruppen nach Produktionsvolumen 2024 (in Minuten)
| Unternehmen | Produzierte Minuten | Marktanteil | Diff. zu 2022 | Diff. zu 2019 | |
|---|---|---|---|---|---|
| 1. | Banijay Germany | 59.658 | 7,9% | +6,0% | +51,9% |
| 2. | UFA | 50.424 | 6,7% | +2,7% | –2,2% |
| 3. | All3Media Deutschland | 38.962 | 5,2% | –30,1% | –37,0% |
| 4. | RTL-Gruppe | 38.010 | 5,1% | +35,0% | +70,7% |
| 5. | ProSiebenSat.1-Gruppe | 37.953 | 5,1% | +51,5% | +146,0% |
| 6. | ITV Studios Germany | 36.967 | 4,9% | –18,4% | –25,9% |
| 7. | Warner Bros. ITVP | 30.672 | 4,1% | –4,1% | –15,2% |
| 8. | Janus Productions | 28.142 | 3,7% | +9,1% | –4,0% |
| 9. | ZDF Studios | 27.490 | 3,7% | +10,2% | +14,7% |
| 10. | Constantin Film | 26.246 | 3,5% | –14,1% | –19,9% |
| 11. | Bavaria Film | 24.856 | 3,3% | +16,8% | +49,1% |
| 12. | Leonine Studios | 19.745 | 2,6% | +9,7% | +63,1% |
| 13. | Studio Hamburg | 18.508 | 2,5% | –22,8% | –37,1% |
| 14. | Fernsehmacher | 12.852 | 1,7% | –20,4% | –35,4% |
| 15. | Beta Film | 6.484 | 0,9% | –30,3% | –6,7% |
Quelle: Goldmedia-Analyse 2025
Die Marktforscher von Goldmedia messen die hergestellten Programmminuten im Rahmen einer Vollerhebung. Dabei werden TV-Produktionen über die EPG-Daten aller größeren Sender erfasst und nur Erstausstrahlungen von mindestens 15 Minuten Länge gewertet. Streaming-Produktionen basieren auf einer technischen Programmanalyse kuratierter VoD-Kataoge für alle gängigen abo- und werbefinanzierten sowie öffentlich-rechtlichen Plattformen, Kinoproduktionen auf den SPIO-Startlisten. In die Zählung gehen ausschließlich Produktionen ein, die von deutschen Produktionsfirmen – und nicht inhouse von TV-Sendern oder Streaming-Anbietern – hergestellt wurden.
Auffällig ist, wie stark die Produktionstöchter der beiden großen privaten Sendergruppen ihren Output gesteigert haben. Bei der RTL-Gruppe geht das insbesondere auf die zahlreichen Streaming-Produktionen von RTL Studios zurück, bei ProSiebenSat.1 auf die hochvolumigen TV-Aufträge von Redseven Entertainment und Just Friends Productions. Innerhalb von fünf Jahren haben die Kölner das Programmvolumen ihrer Töchter um über 70 Prozent hochgefahren, die Unterföhringer haben es fast verzweieinhalbfacht. "Die Entwicklung der Produktionstöchter spiegelt die Tendenz der Mutterhäuser wider, mehr Produktionsvolumen an Tochterunternehmen zu vergeben und zeigt, dass die vertikale Integration bei den privaten Sendergruppen zunimmt", kommentiert Goldmedia. Bei den Öffentlich-Rechtlichen ist das Bild nicht ganz so einheitlich: Während ZDF Studios und Bavaria Film kräftig zulegten, hat Studio Hamburg erheblich an Output verloren.
Die größten TV-Produzenten nach Produktionsvolumen 2024 (in Minuten)
| Unternehmen | Produzierte Minuten | Diff. zu 2023 | |
|---|---|---|---|
| 1. | Filmpool Entertainment | 35.944 | –13,6% |
| 2. | ITV Studios Germany | 31.095 | –2,4% |
| 3. | Warner Bros. ITVP | 29.306 | –5,3% |
| 4. | Endemol Shine Germany | 29.211 | +15,1% |
| 5. | Janus Productions | 28.042 | –5,0% |
| 6. | UFA Show & Factual | 26.609 | +24,7% |
| 7. | UFA Serial Drama | 20.075 | +1,9% |
| 8. | Redseven Entertainment | 17.523 | –25,1% |
| 9. | Constantin Entertainment | 16.462 | –17,9% |
| 10. | Just Friends Productions | 15.741 | +34,9% |
Quelle: Goldmedia-Analyse 2025
Dass lineares Fernsehen und Streaming in der Produktionsrealität immer noch zwei getrennte Welten sind, zeigen die separaten Auswertungen je nach Ausspielweg. Lediglich drei Produktionsfirmen – Constantin Entertainment, Filmpool Entertainment und Warner Bros. ITVP – liefern beiden Lagern so viele Programmminuten, dass sie jeweils den Top 10 angehören. Ansonsten fallen die linearen und non-linearen Stärken ziemlich weit auseinander. Im klassischen TV-Lager sind mit Endemol Shine ("Promis unter Palmen", "The Masked Singer"), UFA Show & Factual ("Hartz und herzlich", "Wer weiß denn sowas?") und Just Friends ("Lebensretter hautnah", "Mein Lokal, Dein Lokal") drei Produzenten hervorzuheben, die es gegen den allgemeinen Trend geschafft haben, ihr Sendevolumen an Erstausstrahlungen zweistellig zu erhöhen.
Im Streaming hingegen steht mit der Münchner Firma Goodthingsing von Produzent Felix Fischer ein Unternehmen an der Spitze, das 2024 in hoher Schlagzahl das mittlerweile eingestellte Format "La Familia – House of Reality" fertigte – von RTLzwei für RTL+ beauftragt. Mit seinem reichhaltigen Dating-Reality-Portfolio von "Are You The One?" bis "Stranger Sins" hält RTL Studios den zweiten Rang, gefolgt von Constantin Entertainment mit "LOL" (Prime Video), "Kaulitz & Kaulitz" (Netflix) und "Germany Shore" (Paramount+).
Die größten VoD-Produzenten nach Produktionsvolumen 2024 (in Minuten)
| Unternehmen | Produzierte Minuten | |
|---|---|---|
| 1. | Goodthingsing | 4.200 |
| 2. | RTL Studios | 2.809 |
| 3. | Constantin Entertainment | 1.826 |
| 4. | Filmpool Entertainment | 1.652 |
| 5. | Raab Entertainment | 1.400 |
| 6. | Calivision Network | 1.275 |
| 7. | Warner Bros. ITVP | 1.190 |
| 8. | Banijay Productions | 1.170 |
| 9. | Constantin Film Produktion | 1.167 |
| 10. | UFA Fiction | 1.030 |
Quelle: Goldmedia-Analyse 2025
Um zwei getrennte Welten handelt es sich auch beim Blick auf die Minutenzahlen: Um die Top 10 der TV-Produzenten zu erreichen, war für 2024 das 15-fache Produktionsvolumen im Vergleich zur Streaming-Top-10 erforderlich. 93 Prozent aller Programminuten entstanden laut Studie für deutsche TV-Sender. Auf inländische Streamer entfielen lediglich 5 Prozent, auf internationale Streamer gerade einmal 1,8 Prozent. Dennoch stellt Goldmedia fest, dass sich die digitalen Produktionen im Untersuchungszeitraum "spürbar professionalisiert und strategisch weiterentwickelt" haben. "Internationale Streamer setzten Maßstäbe in Qualität und Nutzerkomfort. Um konkurrenzfähig zu bleiben, investierten die Sender nicht nur in Inhalte, sondern auch in die Distribution und Auffindbarkeit ihrer Angebote."
Mit Umsätzen und Profiten der Produktionsfirmen hat die hergestellte Minutenzahl übrigens wenig zu tun. Die drei Gruppen, die 2024 beim Konzernumsatz führten, also Leonine (409 Mio. Euro), Beta Film (365 Mio. Euro) und Studio Hamburg (333 Mio. Euro), landen nach Produktionsvolumen eher auf den hinteren Plätzen. Den Grund führt Goldmedia in seiner Studie selbst an: "Das tägliche oder wöchentlich ausgestrahlte, oft formatbasierte, non-fiktionale Programm wurde in der Regel kostengünstiger hergestellt und brachte pro Minute weit weniger Umsätze als beispielsweise ein fiktionales Primetime-Programm mit deutlich höheren Produktionskosten."
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