Geht es nach den Prognosen auf Prediction Markets wie Polymarket oder Kalshi, so steht die Besetzung des nächsten James Bond quasi schon fest. Demnach würde Callum Turner das Rennen machen, mit deutlichem Abstand gefolgt von Jacob Elordi. Wer auf Turner setzt, befindet sich in so großer Gesellschaft, dass die Quoten wenig lukrativ erscheinen.
Dabei weiß Mike Hopkins, der Chef von Prime Video und Amazon MGM Studios, allen glaubwürdigen Berichten zufolge selbst noch nicht, welcher Schauspieler die 007-Lizenz übernehmen darf. Das Kreativteam, das den nächsten Bond-Film vorbereitet, will offenbar erst dann eine Entscheidung treffen, wenn im Lauf des Frühjahrs ein Drehbuch vorliegt.
Wie es sich sowohl für den Spion im Dienst Seiner Majestät als auch für Amazon gehört, fließen die Informationen zum Prestigeprojekt nur spärlich. Klar ist, dass "Peaky Blinders"-Schöpfer Steven Knight das Drehbuch schreibt und "Dune"-Mastermind Denis Villeneuve die Regie übernimmt. Manch einer hatte erwartet – oder zumindest gehofft –, dass Amazon MGM Studios Mitte April auf der CinemaCon in Las Vegas den Vorhang lüften würde. Doch dort trat Filmchefin Courtenay Valenti bloß mit diesen Worten vor die Kinobetreiber: "Seid nicht zu gespannt! Bitte habt Verständnis dafür, dass wir uns die Zeit nehmen, dies mit Sorgfalt und tiefem Respekt zu tun. Es ist für uns alle der Traum unseres Lebens, dem Publikum dieses nächste Kapitel zu präsentieren, und es ist eine Verantwortung, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen."
Keine aktive Entwicklung
Auch die Nonfiction-Abteilung des Studios hätte momentan Stoff, der sich für Wetten eignen würde: Kommt wirklich eine Neuauflage von "The Apprentice" oder handelt es sich um Fake News? Wir erinnern uns: Durch die Show auf NBC wurde ein gewisser New Yorker Immobilienunternehmer ab 2004 zum berüchtigten Reality-TV-Star und schikanierte 14 Staffeln lang hoffnungsvolle Business-Aspiranten mit den Worten "You're fired!" Es spricht vieles dafür, dass Donald Trump ohne "The Apprentice" heute nicht Präsident wäre. Ende April berichtete das "Wall Street Journal" jedenfalls, dass die Führungsetage von Amazon MGM intern über ein mögliches Reboot des Formats diskutiere und Donald Trump Jr., den ältesten Sohn des Präsidenten, als Host im Auge habe.
Ein Amazon-Sprecher bestätigte dem "Journal" zwar "erste interne Gespräche darüber, wie es mit 'The Apprentice' als Marke weitergehen soll", fügte jedoch hinzu, dass die Show derzeit nicht aktiv entwickelt werde und auch kein potenzieller Moderator ausgewählt worden sei. Dennoch sagte Trump am nächsten Tag bei einem Pressegespräch im Weißen Haus, er habe von den Plänen gehört. Und nannte seinen Sohn "wahrscheinlich gut" für den Host-Job. Mehrere Hollywood-Fachmedien schrieben derweil, die im Artikel erwähnten Gespräche hätten bereits vor über einem Jahr stattgefunden und seien schnell im Sande verlaufen. Damals habe es gezielte Bemühungen gegeben, Unscripted-Rechte aus dem MGM-Archiv zu verwerten.
Dass die Meldung zumindest nicht völlig abwegig klang, liegt daran, dass Hopkins und seine Leute seit geraumer Zeit nach Programm suchen, das die konservative Trump-Anhängerschaft anspricht. Seit der MGM-Übernahme 2022 sind sie ohnehin im Besitz aller alten "Apprentice"-Folgen. Die ersten sieben Staffeln sind seit vorigem Jahr auf Prime Video abrufbar. Mit der 40 Millionen Dollar teuren "Melania"-Doku setzte Amazon zudem der First Lady ein wohlwollendes Denkmal, indem es sie in den ersten zwei Wochen der zweiten Amtszeit begleitete. Die Beteiligung an dem Projekt stieß bei etlichen Mitarbeitern des Studios dem Vernehmen nach auf kritische Blicke. Der von Amazon gezahlte Preis sei fast dreimal so hoch gewesen wie das nächstbeste Gebot für den Film.
Ex-Netflix-Manager sorgt für Ordnung
Unabhängig von "The Apprentice" zitierte das "Wall Street Journal" auch ehemalige Amazon-MGM-Führungskräfte, laut denen Hopkins auf mehr religiös geprägte Programme gedrängt habe, um Prime Video von der Streaming-Konkurrenz abzuheben. Unter seiner Leitung ging Amazon etwa eine Partnerschaft mit Wonder Project, einem unabhängigen Studio für religiöse Inhalte, ein und veröffentlichte dessen Serie "House of David" über die gleichnamige biblische Figur.
Ansonsten rätseln die meisten Agenten und Kreativen in Hollywood noch immer, wohin genau die Reise im Seriellen künftig gehen soll. Es ist mehr als ein halbes Jahr her, dass Hopkins den langjährigen Netflix-Serienchef Peter Friedlander bei der Konkurrenz abgeworben und zum Head of Global TV berufen hat. Seit seinem Antritt im Oktober ist es dem angesehenen Manager offenbar noch nicht gelungen, sein Team endgültig aufzustellen. Immer wieder ist von einer demoralisierten Mannschaft zu hören, die in den letzten Jahren – vor allem unter Ex-Studiochefin Jennifer Salke – eine Umstrukturierung nach der anderen durchmachen musste. "Peter befindet sich immer noch im Modus der Problemlösung. Diese Abteilung war mit zu vielen Ebenen aufgebläht", zitierte der US-Branchendienst "The Ankler" jüngst einen Agenten, der Geschäfte mit dem Studio macht.
Zumindest drei größere Greenlights sind unter Friedlanders Regie inzwischen bekannt geworden: ein Serien-Reboot des MGM-Film-Franchise "RoboCop", eine von Kumail Nanjiani und Emily V. Gordon entwickelte Adaption der Comic-Reihe "Sex Criminals" und das Astronauten-Drama "The Challenger" mit Kristen Stewart in ihrer ersten Serienhauptrolle. Dabei handelt es sich zum Teil um Projekte, die schon länger in Entwicklung waren und die Friedlanders Vorgänger Vernon Sanders abgesagt hatte.
Unterm Strich registrieren Agenturen bei Amazon MGM ein deutlich geringeres Auftragsvolumen als noch vor zwei Jahren. Vielleicht führen ja positive Signale aus dem Werbemarkt zu erhöhter Produktionsbereitschaft. Wenige Tage vor Beginn der Upfront-Präsentationen in New York, bei denen Sender und Plattformen versuchen, einen Großteil ihres Werbeinventars für die nächste Saison vorab zu verkaufen, wittert Amazon-Ads-Chef Alan Moss jedenfalls schon mal starke Zuwächse für seine Plattform. Während sich fast alle anderen Vermarkter angesichts der unsicheren makroökonomischen Entwicklungen mit Prognosen zurückhalten, verkündete Moss gegenüber dem Magazin "Variety": "Es wird eine gute Upfront-Saison werden."
US-Studios im Umbruch – bisher erschienen
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