Wenn Sidonie Dumas über Gaumont spricht, dann schwingt immer auch ein Stück Filmgeschichte mit, schließlich wurde das Unternehmen schon 1895 gegründet und gilt damit als älteste heute noch tätige Filmfirma der Welt. Doch beim erstmals im Vorfeld des Kölner Seriencamps ausgerichteten Veranstaltung Story Vision Europe, machte die CEO deutlich, dass es nur schwerlich reichen wird, sich auf Tradition alleine zu verlassen.
Wie groß die Aufgabe ist, war ihr allerdings nicht von Beginn an klar. "Wenn ich damals gewusst hätte, welche Verantwortung das bedeutet, hätte ich die Herausforderung vielleicht gar nicht angenommen", sagte Dumas im halbstündigen Gespräch mit DWDL.de-Chefreporter Torsten Zarges mit Blick auf ihre Rolle an der Spitze des Familienunternehmens – ein Weg, der keineswegs vorgezeichnet war, auch wenn sie einen der bekanntesten Namen der französischen Filmbranche trägt. Dabei war ihr Weg keineswegs vorgezeichnet. Anders als man bei einem der bekanntesten Filmnamen Frankreichs vermuten könnte, sei sie nie dazu erzogen worden, die Nachfolge ihres Vaters anzutreten. „Ich hatte die Freiheit, etwas völlig anderes zu machen", erinnerte sich Dumas in Köln. Erst ein Besuch am Set von Luc Bessons Kultfilm "Im Rausch der Tiefe" habe ihre Leidenschaft für das Produzieren geweckt. "In diesem Moment wusste ich, dass ich Produzentin werden möchte."
Heute versteht Dumas ihr Haus vor allem als modernes Storytelling-Unternehmen, das schon vor vielen Jahren die Weichen für den heutigen Erfolg stellte. Schon 2010 gründete Gaumont eine kleine Dependance in Los Angeles – zu einem Zeitpunkt, als kaum ein europäisches Medienhaus diesen Weg ging und Netflix im Gegenzug in Europa noch nicht angekommen war. Weil für große Kinoproduktionen das Geld fehlte, konzentrierte sich Gaumont auf Serien. Nach ersten Projekten folgte schließlich "Narcos" und damit der internationale Durchbruch. Der Erfolg habe gezeigt, dass sich europäische Produzenten auch auf dem US-Markt behaupten können, sagt Dumas rückblickend. Mit "Lupin" gelang ein weiterer Hit und auch die Expansion ging weiter – etwa nach Deutschland, wo mit "Unfamiliar" erst vor wenigen Wochen eine neue von Gaumont produzierte Agentenserie bei Netflix ihre Premiere feierte.
Auf der Bühne von Story Vision Europe sprach Sidonie Dumas auch über die wachsende Dominanz internationaler Streamingdienste. Sie verwies auf die französische Regulierung, die Streamer längst verpflichtet, in lokale Produktionen zu investieren – was freilich ganz im Sinne von Gaumont ist.. "Wer von kreativen Werken profitiert, muss auch in Kreativität investieren", sagte Dumas. Das französische Modell habe dazu beigetragen, die heimische Produktion zu stärken. Frankreich verfüge heute über einen der stabilsten Filmmärkte Europas, auch weil nationale Filme dort weiterhin hohe Marktanteile erzielen.
Deutlich kritischer äußerte sich Dumas bei Kooperationen zwischen klassischen Medienhäusern und globalen Plattformen. Die Zusammenarbeit des Privatsenders TF1 mit Netflix könne kurzfristig wirtschaftlich sinnvoll sein, langfristig aber Risiken bergen. "TF1 könnte von Netflix geschluckt werden", warnte sie. Besonders deutlich wurde Dumas bei der Frage nach einer europäischen Antwort auf die Dominanz amerikanischer Plattformen. Europa habe zu langsam reagiert und hätte längst über eine europäische Plattform nachdenken müssen, kritisierte die Produzentin.
Dem Medien-Nachwuchs gab Sidonie Dumas zum Schluss dann noch zwei Botschaften mit auf den Weg. "Erstens: Wenn du in dieser Branche arbeiten willst, dann sei mit Leidenschaft dabei." Und, mit einem Augenzwinkern, zweitens: "Bonne chance!"
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