Ist es Ihnen auch schon aufgefallen? Heute in fünf Monaten ist Heiligabend – und eine Woche später steht dann auch schon der Jahreswechsel an. Was angesichts sommerlicher Temperaturen in ferner Zukunft zu liegen scheint, ist in Wirklichkeit erstaunlich nah. Erst recht, wenn man fürs Fernsehen arbeitet und seit Jahren, so wie ARD und ZDF, eine Silvestershow überträgt.
Die größte dieser Art lief stets im ZDF, wo man über viele Jahre hinweg das Spektakel vor dem Brandenburger Tor in Berlin übertrug, anfangs noch mit Joko und Klaas als Moderatoren, später mit Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner. Das Duo war es auch, das in der letzten Silvesternacht auf der Bühne stand – notgedrungen erstmals in der Hamburger HafenCity, weil das Land Berlin die finanzielle Unterstützung ablehnte, die notwendig gewesen wäre, um die XXL-Party steigen zu lassen.
Doch die Silvestershow in Hamburg blieb hinter den Erwartungen zurück. Nicht nur, dass längst nicht so viele kamen wie erwartet – und ohnehin weit weniger vor Ort mitfeiern konnten als es einst in Berlin möglich war: Wirklich überspringen wollte der Funke auf das TV-Publikum nicht. Und so lag "Willkommen 2026" im ZDF mit nur rund zweieinhalb Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern weit hinter dem "Silvester-Schlagerbooom" mit Florian Silbereisen, der zeitgleich im Ersten über zwei Millionen mehr vor den Fernseher lockte.
Und so stellt sich diesmal mehr noch als vor einem Jahr die Frage, ob die Silvestershow im ZDF eigentlich eine Zukunft haben wird. Darauf angesprochen, äußerte sich ZDF-Unterhaltungschef Oliver Heidemann schon Anfang Juni im DWDL.de-Interview vage. Man sei "aktuell in den Überlegungen, wie wir den Jahreswechsel" gestalten, erklärte er. Nach DWDL.de-Informationen ist inzwischen auch denkbar, dass es diesmal keine klassische Live-Show mehr geben wird.
Offiziell trifft das ZDF dazu auch weiterhin keine Aussage. "Aktuell befinden wir uns noch in Planung für das Silvesterprogramm 2026. Genaueres werden wir zu gegebener Zeit kommunizieren", teilte ein Sendersprecher gegenüber DWDL.de mit. Keine Antwort lieferte außerdem die Kommunikationsagentur Gute Leude Fabrik, die zuletzt die Pressearbeit für die Hamburger Silvesterparty übernahm. Sie verwies wiederum an das ZDF.
Künftig Arbeitsteilung an Silvester?
© BR/Ralf Wilschewski
Florian Silbereisen beim "Silvester-Schlagerbooom"
Unabhängig davon könnte es aber ohnehin spätestens 2027 zu einer spürbaren Veränderung kommen, schließlich stellt sich besonders vor dem Hintergrund des enormen Spardrucks die Frage, ob es auf lange Sicht gesehen überhaupt sinnvoll ist, dass sowohl die ARD als auch das ZDF auf Live-Shows an Silvester setzen. So wird nach DWDL.de-Informationen längst über ein Modell nachgedacht, bei dem jährlich nur noch einer der beiden öffentlich-rechtlichen Sender eine solche Sendung überträgt. Eine ARD-Sprecherin sagt dazu: "An Spekulationen dieser Art beteiligen wir uns grundsätzlich nicht." Vom ZDF wiederum heißt es: "Für das Silvesterprogramm ab 2027 gibt es derzeit noch keine konkreten Planungen."
Tatsächlich wäre eine Art Arbeitsteilung von ARD und ZDF wohl auch aus Sicht des Publikums zu verschmerzen, schließlich dienen die Silvestershows in vielen Wohnzimmern wohl allenfalls als Hintergrundrauschen während der Party mit Familie und Freunden. Den Quoten-Peak gibt’s erfahrungsgemäß dann ohnehin meist erst gegen Mitternacht, wenn der Countdown läuft. Fraglich also, ob das perspektivisch wirklich den doppelten Aufwand wert ist.
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