Eigentlich wäre alles angerichtet: Alexander Zverev hat vor wenigen Wochen die French Open gewonnen und damit einen kleinen Tennis-Boom in Deutschland ausgelöst. Auch in Wimbledon tritt der Deutsche jetzt an und die Hoffnungen sind entsprechend groß - übertragen wird das Turnier ab dem 29. Juni zum dritten Mal in Folge von Prime Video. Doch da ist eben auch die zum XXL-Turnier aufgeblasene Fußball-WM, die aktuell die sportlichen Schlagzeilen dominiert und Abend für Abend viele Millionen Menschen in ihren Bann zieht. 

Von DWDL.de auf diese besondere Konkurrenzsituation angesprochen, verwies Clemens von Thielmann, Business Lead Live Sport bei Prime Video, zuletzt in einem Pressegespräch einerseits auf die Tatsache, dass man 2024 bereits gegen die Fußball-EM im eigenen Land antreten musste ("Größter Gegenwind, den man haben kann") und räumt andererseits aber ein, dass die Weltmeisterschaft "Aufmerksamkeit brutal abziehen" wird. Dennoch zeigt sich von Thielmann optimistisch - allen voran aufgrund der Tatsache, dass viele WM-Spiele erst zu später Stunde oder gar in der Nacht angepfiffen werden. Alleine schon deshalb gibt es nur wenige direkte Überlappungen. Allerdings gibt's mit der Tour de France ab dem 4. Juli gleich das nächste Sport-Event, gegen das Prime Video antreten muss. 

Um mit Wimbledon trotz WM bei einem möglichst großen Publikum durchzudringen, setzt Prime Video auch auf Kooperationen. Clemens von Thielmann verweist auf Partnerschaften mit dem "Kicker", aber auch mit dem erfolgreichen Podcast "Gemischtes Hack". "Wir müssen uns den Raum mehr erkämpfen als wir das 2025 tun mussten", so von Thielmann. Wichtig ist aus Sicht von Prime Video aber vor allem: Die deutschen Spielerinnen und Spieler müssen liefern. Kommen sie weit, werden Runde für Runde mehr Menschen die Übertragungen sehen. 

In jedem Fall fährt man wieder groß auf: Die Zuschauerinnen und Zuschauer können sich auf Live-Übertragungen von über 300 Matches auf bis zu acht Courts, sowie die Studio-Show freuen, in der jeden Tag vor Ort über das gesamte Geschehen berichtet wird. Darüber hinaus will man mit neuen Features beim Publikum punkten, etwa mit dem Multi-View. Das hatte man 2025 schon einmal getestet, nun kommt es großflächig zum Einsatz. 

Multi-View ermöglicht es den Tennis-Fans, das Geschehen auf bis zu drei Plätzen gleichzeitig zu erleben. Das dürfte für die Hardcore-Fans vor allem in der ersten Woche interessant sein, wenn viele Parallel-Spiele laufen. Hinzu kommen weitere Features wie Live-Statistiken sowie ein optionaler Stadion-Sound. 

Bereits bekannt war, dass es im Team von Prime Video zu Veränderungen kommen wird. So rückt Jonas Friedrich, ähnlich wie bei der Champions League, vom Kommentatoren-Platz in die Rolle des Moderators. Im Wechsel mit Katharina Kleinfeldt führt er durch die tägliche Studio-Show. Am Kommentatoren-Mikrofon begleiten Markus Theil, Marcel Meinert, Jan Platte, Nicola Geuer, Lukas Schönmüller, Markus Zoecke, Hannes Herrmann, Dennis Heinemann, Andreas Thies, Jens Huiber Markus Goetz und Florian Heer die Spiele auf dem Rasen, bei ausgewählten Matches werden sie von den Expertinnen und Experten unterstützt. Cayana Adjei-Freeman und Moritz Lang sind als Reporter im Einsatz.

Auch im Experten-Team kommt es zu Neuzugängen: Mit dabei sind in diesem Jahr auch Angelique Kerber, Tommy Haas und Patrik Kühnen. Kerber wird in der zweiten Turnierwoche einsteigen. Ein Wiedersehen gibt’s mit Andrea Petković, Sabine Lisicki, Michael Stich, Mischa Zverev, Dustin Brown, Barbara Rittner, Daniela Hantuchová, Sascha Bajin, Barbara Schett und Benny Ebrahimzadeh. 

Bei der sportlichen Einschätzung des bevorstehenden Turniers waren sich die Expertinnen und Experten im Pressegespräch von Prime Video noch uneins. Vor allem das große Comeback von Serena Williams entzweite die Riege. Während Michael Stich den Schritt von Williams kritisierte, äußerte sich beispielsweise Barbara Rittner wohlwollender. In jedem Fall dürfte Williams für viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen - und im besten Fall auch auf das gesamte Damentennis. Aus deutscher Sicht sind jedoch alle Augen auf Alexander Zverev gerichtet. Und da war sich das Experten-Team einig: Er geht mit viel Selbstbewusstsein ins Turnier und kann freier als in der Vergangenheit aufspielen. Gesetzt ist Zverev auf Platz zwei. Kommt er tatsächlich ins Finale, würde man sich wohl auch bei Prime Video freuen - trotz WM-Konkurrenz verspricht das nämlich sehr hohe Abrufzahlen.