Noch bis Ende November beschäftigt sich die ARD über verschiedene Angebote hinweg mit dem Thema Clubkultur. Als man den Themenschwerpunkt vor einigen Monaten ankündigte, sprach man davon, dass man damit ein prägendes Kulturphänomen aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten wolle - und man kann nicht behaupten, dass die Verantwortlichen mit dieser Darstellung übertrieben hätten. Zum Start wurde die Doku "Love is Stronger. Von Loveparade zu Rave The Planet" veröffentlicht. 

Die Dokumentation von ARD Kultur, WDR, RBB und SWR erzählt die Geschichte der Rave The Planet Parade vor dem Hintergrund der Loveparade. Die Macher begleiteten die Gründer Ellen Dosch-Roeingh und Dr. Motte über mehrere Jahre hinweg - von den ersten Überlegungen bis zur Umsetzung der Parade. Die jüngste Parade Mitte August wurde zudem vom RBB übertragen. Seither wurde der Schwerpunkt um diverse weitere Formate ergänzt. 

One Night at KitKat © ARD Kultur/Starkl-Film One Night at KitKat
Für die meisten Schlagzeilen hat die Doku "One Night at KitKat" gesorgt, die seit dem 30. September in der ARD-Mediathek zum Abruf bereitsteht. Dem Publikum gewährt man darin einen Einblick hinter die Kulissen des legendären Berliner Fetisch- und Techno-Clubs (DWDL.de berichtete). Als Produktionsfirmen stehen Doc.Banijay, das Doku-Label von Banijay Productions Germany, und STARKL!film hinter dem Projekt von ARD Kultur. ARD Kultur verantwortet gemeinsam mit den neun Landesrundfunkanstalten den gesamten Themenschwerpunkt zur Clubkultur.

"Wir beobachten und ordnen ein, statt mit einem voyeuristischen Blick draufzuschauen. Genau darin liegt auch der öffentlich-rechtliche Ansatz."
Kristian Costa-Zahn, Programmgeschäftsführer ARD Kultur


Wie schwierig aber war es, an einem Ort zu drehen, der normalerweise von Diskretion lebt? Der Zugang zum KitKatClub sei vor allem das Ergebnis von Vertrauen gewesen, das über einen längeren Zeitraum hinweg aufgebaut worden sei, sagt Kristian Costa-Zahn, Programmgeschäftsführer ARD Kultur gegenüber DWDL.de. "Die Regisseure Mohsen Najafimehri und Diba Darbari haben sich intensiv mit der Community auseinandergesetzt und konnten dadurch eine Nähe herstellen, die für eine solche Produktion unverzichtbar ist." Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Offenheit des Clubs mit dem berechtigten Bedürfnis nach Diskretion und Privatsphäre in Einklang zu bringen, so Costa-Zahn weiter. 

FSK 16: KitKat-Doku erst nach 22 Uhr

Ziel sei es gewesen, "authentische Einblicke zu ermöglichen, ohne dabei die Menschen oder die Atmosphäre des Clubs zu verletzen". Die Doku konzentriere sich nicht auf die Provokation, sondern auf "die Menschen, ihre Motive und die Kultur, die sie gemeinsam schaffen". Zu den Menschen und ihrer Kultur gehört aber eben auch eine gewisse Freizügigkeit, Sex und Fetisch. Dies dürfe man nicht ausblenden, wenn man den Club ernsthaft dokumentieren wolle, so Kristian Costa-Zahn. Entscheidend sei dabei die Perspektive. "Wir beobachten und ordnen ein, statt mit einem voyeuristischen Blick draufzuschauen. Genau darin liegt auch der öffentlich-rechtliche Ansatz. Die Doku will nicht reizen oder bewerten, sondern verstehen und verständlich machen."

Und dennoch sind die Inhalte teils so explizit, dass sie nur eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten haben. Das führt zu ganz konkreten Einschränkungen: In der Mediathek ist die Doku erst nach 22 Uhr ohne Login zu sehen. Costa-Zahn zeigt sich trotzdem optimistisch, dass man mit der Doku die Zielgruppe erreicht. "Wir denken, dass wir hier einen sehr besonderen und exklusiven Content haben, der sicher seinen Weg zu den interessierten Zuschauenden finden wird."

Ballermann-Reihe mit Micky Krause & Co. 

Gegenüber DWDL.de kündigt der Programmgeschäftsführer von ARD Kultur nun außerdem ein weiteres Projekt des Themenschwerpunkts zur Clubkultur an - und das ist thematisch ein ganz anderes. In "Ballermann Stories & Sessions", das im November veröffentlicht werden soll, will man in vier Folgen bekannte Ballermann-Künstler porträtieren. Mit dabei sind Micky Krause, Mia Julia, Finch und Frenzy. Höhepunkt einer jeden Folge ist die Live-Session mit einem Orchester: Ein bekannter Song eines jeden Künstlers wird von einem Arrangeur neu interpretiert - die Performance erfolgt auf einer großen Bühne auf Mallorca.

Das Ballermann-Format ist damit eine Weiterentwicklung des ARD-Kultur-Formats "Machiavelli Sessions & Stories", in dem man ein ähnliches Prinzip anwandte und Stars aus Rap und HipHop porträtierte. Ihre Songs performten die Musiker mit dem MDR-Sinfonieorchester in einer neuen Version. "ARD Kultur geht immer wieder gerne neue Wege und so war es auch hier unser Impuls, den Ballermann so zu erzählen, wie er noch nie erzählt worden ist", sagt Kristian Costa-Zahn, der von einem polarisierenden Phänomen spricht. "Entweder man feiert es oder man lehnt es ab. Wir wollten beiden Perspektiven etwas bieten, dass sie so noch nicht gesehen haben."

"ARD Kultur geht immer wieder gerne neue Wege und so war es auch hier unser Impuls, den Ballermann so zu erzählen, wie er noch nie erzählt worden ist."
Kristian Costa-Zahn, Programmgeschäftsführer ARD Kultur


Die Bandbreite des ARD-Themenschwerpunkts zur deutschen Clubkultur ist also ziemlich groß. Neben den genannten Formaten gibt’s unter anderem auch noch eine Doku-Reihe, in der verschiedene Clubs und ihre Bedeutung für die Musik- und Jugendkultur beleuchtet werden. "Es gibt eine große Bandbreite an verschiedenen Musikrichtungen und genau das wollen wir mit den Inhalten, die wir aktuell in der ARD Mediathek, in ARD Sounds und auf ardkultur.de kuratieren, abbilden. Dieses Spektrum bilden auch unsere Neu-Veröffentlichungen in diesem Jahr ab", sagt Costa-Zahn. 

Immer mehr Mitmach-Formate 

Im Rahmen des Clubschwerpunkts will ARD Kultur auch das Publikum mit einbeziehen. Unter dem Motto "Mehr als Feiern" hat man deshalb ein Mitmachformat gestartet, bei dem man Zuschauerinnen und Zuschauer dazu aufruft, ihre persönlichen Clubgeschichten einzusenden. Darüber hinaus haben ARD Kultur und ZDFkultur ein Format für gesellschaftlichen Dialog gestartet. Letzteres hat zwar nichts mit der Clubkultur in Deutschland zu tun, doch der Fokus auf partizipative Formate sticht ins Auge. 

Sollen Formate mit Publikumsbeteiligung künftig also stärker in den Angeboten von ARD Kultur zur Geltung kommen? Kristian Costa-Zahn sagt gegenüber DWDL.de, dass Partizipation und Dialog schon immer Teil des öffentlich-rechtlichen Angebotes gewesen seien. "Bei dem neuen Projekt, das wir gemeinsam mit ZDFkultur im nächsten Jahr angehen wollen, werden sich Form und Inhalt treffen." Es gehe auf drei Ebenen um Dialog: "Um gesellschaftlichen Dialog als Inhalt, um einen Dialog zwischen ARD und ZDF auf einer partnerschaftlichen Ebene und um den Dialog mit den Nutzenden innerhalb des Projektes."