Foto: NBCDie Genre-Grenzen in der US-Fiction verschwimmen mehr und mehr. Früher war klar: Wenn es lustig werden sollte, markierten aufgezeichnete Lacher den Gag. Inzwischen ist das alles etwas komplexer. Die klassische Trennung zwischen den einzelnen Gattungen - Sitcom, Krimi und Drama - verliert sich. Auch die Produktionsweise lustiger Serien gleicht sich mehr und mehr denen der dramatischen Stoffe an. Mit "Chuck" geht in der kommenden Season bei NBC eine weitere Serie an den Start, die irgendwo dazwischen liegt. "Chuck" feierte beim New York Television Festival in diesen Tagen Premiere.

Die Serie ist eine Mischung irgendwo zwischen Sitcom und Agenten-Thriller. Und je absurder das klingt, umso besser ist das. Chuck führt ein Doppelleben. Tagsüber ist er ein Computer-Nerd und nachts rettet er gezwungenermaßen die Welt. Chuck hat kein Glück mit den Frauen, eine gluckende Schwester, einen arroganten Boss und einen besten Freund, der noch mehr Nerd ist als er selbst. Und weil Chuck an seinem Geburtstag per E-Mail das gesamte Wissen von CIA und NSA in sein Gehirn verankert bekommt, muss er nun für die Geheimdienste, die sich um ihn streiten, arbeiten - die Originaldaten gingen nämlich verloren.


Der Reiz der Serie liegt in den Typen und ihrer Inszenierung. Chuck - gespielt von Zachari Levi - gibt den sympathischen Loser-Nerd, der nicht weiß wie ihm geschieht. Sein bester Freund Morgan - hervorragend besetzt mit Joshua Gomez - feuert ihn dabei an. Die attraktive CIA-Agentin mit Herz Sarah Walker (Yvonne Strzechowski) ist das Bindeglied in die geheime Welt. Alle Figuren kommen irgendwie schrullig daher. Zuweilen erinnern die Typen an "My name is Earl" - ebenfalls eine NBC-Sitcom, zu sehen ab Herbst in deutscher Synchronisation bei RTL.

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Das Tempo der Serie ist rasant. Die Handlung ist gespickt mit höchst komischen Dialogen und jeder Menge Slapstick-Elementen. Allerdings überzeugen auch die Action-Szenen, die bei einer Serie mit Agentenhandlung nicht fehlen dürfen, durch ihre oppulente und dennoch leicht das Genre ironisierende Inszenierung. Dafür zeichnete McG als Regisseur verantwortlich, Executive Producer von "O.C. California" und Regisseur der Kinoreihe "Drei Engel für Charlie". Das sieht man der Serie an. Die Bücher stammen aus der Feder von Josh Schwartz, Autor von "O.C. California" und kommen entsprechend leichtfüßig und spritzig daher.

In den USA zeigt sich die Kritik sehr wohlwollend der Serie gegenüber. Sie gilt zwar nicht als bester Neustart der kommenden Saison - da dürfte es schwer werden, der mehr als unkonventionellen Produktion "Pushing Daisies" den Rang abzulaufen - begeistert allerdings mit Story, Cast und Umsetzung.