Foto: Clap-Club für DWDL.deÄhnlich angeschmiert wie die Politiker beim alljährlichen „Derblecken“ am Münchner Nockherberg kamen am Donnerstagabend die ProSiebenSat.1-Oberen auf ihrer Programmpräsentation weg. Schauspieler Christoph Maria Herbst moderierte Geschäftsführer Andreas Bartl als den Mark Medlock des Senders an – gemessen an der Geschwindigkeit, mit der dieser vom Hartz4-Empfänger zum Superstar aufstieg. Vorstandschef Guillaume de Posch wurde von Herbst bereits in Liechtenstein vermutet – sein versöhnlich nachgeschobenes „Nein, nein, ein guter Mann“ konnte man Herbst abnehmen, musste man aber nicht. Wir haben nach dem offiziellen Teil vor Ort nochmal nach bei Mr. "Stromberg", ob seine Sottisen (bei denen ihm textlich "Stromberg"-Autor Ralf Hussmann zur Seite stand) schon Auswirkungen hatten …

Und Herr Herbst, schon eine SMS von de Posch bekommen?

Christoph Maria Herbst: Ich habe tatsächlich von einem der Adlaten von de Posch einen SMS-Verkehr gezeigt bekommen. Und der Posch-Adlatus schrieb de Posch: „Du bist dumm, dass Du nicht hier bist. Herbst ist sehr lustig!“ Darauf schrieb de Posch zurück: „Wer ist Herbst?“ Daraufhin der Adlatus: „Na Herbst aka Stromberg – Er hat die Vermutung geäußert, Du seiest in Liechtenstein.“ Daraufhin hat de Posch geschrieben: „Excellent one!“ Also soviel zum Thema, ob die vorstandsvorsitzenden Obergötter, von denen man immer meint, sie würden an der Weltherrschaft arbeiten und zum Lachen in den Keller gehen, sich doch von ihrer humorigen Seite zeigen können.

Aber Herr Bartl hat Sie zur Seite genommen!?

Auch Andreas Bartl freut sich jedes Jahr wie Bolle darüber, dass ich die Moderation für seinen Sender mache. Weil er ein sehr hohes Maß an Selbstironie besitzt. Und sich über diese Seitenhiebe total freut. Und Thilo Proff übrigens genau so. Obwohl er heute Abend auch das eine oder andere Fett abgekriegt hat – wenn Sie mir diesen Kalauer in dem Zusammenhang nachsehen. Nein, ich glaube, die kommen alle unglaublich gut weg mit dieser Art.

Foto: Clap-Club für DWDL.de Vielseitig: Christoph Maria Herbst im Gespräch mit Clap für DWDL.de

 

Finden Sie bei anderen Medien-Entscheidern auch öfters Selbstironie dieser Art?

Eben nicht! Selbstironie ist ein ganz hohes und seltenes Gut. Gerade weil es so rar ist. Ich glaube, für die Außenwirkung für ProSieben macht sich das gut. Heute Abend ist ja auch sehr viel Presse hier. Die tun sich einen Riesengefallen, so abgewatscht zu werden.

Warum ist Selbstironie für viele so schwer?

Ich weiß es nicht, wahrscheinlich weil viele Entscheider eine andere Wahrnehmung dafür haben und keine Selbstdistanz. Ohne eine Distanz zu mir selber könnte ich meinen eigenartigen Beruf ohnehin nicht machen. Und das würde dem einen oder anderen Chef an den „Schaltstellen der Macht“ schon gut tun. So wie es eine Arbeitsteilung gibt, gibt es dort offenbar auch eine große Wahrnehmungsteilung. Ich lasse mir meine jedenfalls nicht nehmen.

Wenn es eines Tages eine Comedy über de Posch geben sollte. Wer würde ihn spielen?

Den würde ich spielen wollen. Wir werden uns eh immer ähnlicher…

Herr Herbst, danke für das Gespräch