Stefan Raab © ProSieben / Willi Weber
Wer will das gucken?

Stefan Raab: Sein Erfolg hat kein System

 

Mit immer neuen absurden Sport-Events wie dem gerade erst am Freitag gelaufenen Deutschen Eisfußball-Pokal und einer Erfolgsshow wie "Schlag den Raab" ist er der kreative Erfolgs-Motor bei ProSieben. Stefan Raab erklärt, warum seine Arbeit kein System hat, wie neue Ideen entstehen und wieso "TV Total" dafür so wichtig ist.

von Thomas Lückerath
31.05.2009 - 11:40 Uhr

Jörg Grabosch"Seitdem wir die Development-Abteilung abgeschafft haben, geht es aufwärts", sagte Brainpool-Geschäftsführer Jörg Grabosch (Foto) vor wenigen Wochen bei einem TV-Seminar des Beratungsunternehmens HMR International und der Produktionsfirma Brainpool in Köln. Unter dem Titel "Same same, but different" diskutierten deutsche und internationale Größen der Fernseh-Branche über die Zukunft der großen Primetime-Formate zu unterhalten. Und Grabosch erteilte dabei erzwungener Kreativität einer Absage. Man müsse Entwicklung von Ideen als einen organischen Prozess sehen, den man nicht planen und erzwingen kann. Daher sei "TV Total" auch abseits der Quote so wertvoll, weil man seit 10 Jahren ein kreatives Team beisammen hat, das man nicht extra zu Kreativ-Meetings zusammenrufen muss. Und bei einer Show wie "Schlag den Raab" kann man die Ideen zu neuen Spielen auch gleich ausprobieren, weil man bei Brainpool das Studio gleich im Haus hat.

So sieht es auch Stefan Raab: "Ohne die tägliche Sendung "TV Total" wäre es wahrscheinlich zu keinem neuen Format gekommen. Dieses ständige Aufeinander-Hocken, dieser ständige Austausch, das ist etwas, was die Kreativität beflügelt. Da hilft kein Kreativwochenende alle vier Wochen. Schon besser als ein kreativer Freitagnachmittag, aber wir sehen uns jeden Tag. Man schmeißt heute eine Idee auf den Tisch und alle stöhnen, dann schmeißt man sie am nächsten Tag nochmal auf den Tisch und wieder stöhnen alle und fragen 'Können wir nicht irgendwie was anderes machen?'. Aber irgendwann werden die mürbe (lacht)." So würden am Rande von "TV Total" am Ende des Tages ein Event oder eine Showidee nach der anderen entstehen. "Im Prinzip machen wir das nur, um unsere eigene Langeweile zu unterdrücken“, sagt Raab und lacht. Das klinge so, als stecke dahinter so überhaupt gar kein System, kommentiert kress-Korrespondent Torsten Zarges, der die Veranstaltung moderierte. Raabs Antwort: "So isses". Großes Gelächter im Publikum.
 

 
"Das einzige System, was dahinter steckt, ist, zu sagen 'Lass uns mal mit offenen Augen durch die Welt laufen und was mitnehmen'", so Raab weier. "Bei einem Meeting, das man ansetzt, um eine Idee zu bekommen, fällt mir relativ wenig ein. Ähnlich wie beim Lieder schreiben. Meistens fällt mir ne gute Idee hinterm Steuer ein oder im Bett oder beim Joggen", verrät Raab. Oft sitze er abends zusammen mit Brainpool-Chef Grabosch nach der "TV Total"-Aufzeichnung zusammen und bringt dabei spontan eine Idee zur Reife, die man am nächsten Tag dann dem Team vorstellt. Dann kommen deren Ideen dazu und das Format wird ausgebaut. So sei auch das "TV Total Turmspringen" gewesen. Heute eines der erfolgreichsten Raab-Events, doch anfangs selbst intern skeptisch beurteilt. Turmspringen sei ja eine Randsportart, die selbst bei Olympia nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet.

Foto: ProSieben"Wer will denn das gucken?", fragte man sich auch bei Brainpool, aber hat es dann einfach probiert. Raab erklärt wieso: "Beim Turmspringen kommen mehrere Aspekte zusammen: Jeder weiß, wie weh das tut, wenn man sich vom 5 Meter-Brett falsch ins Wasser stürzt. Die Leute schauen ja auch deswegen so gerne Formel 1 weil sie wissen, dass es jeden Augenblick krachen könnte. Das ist beim Turmspringen nicht anders. Zweitens wollen die Zuschauer gerne, sagen wir mal durchschnittlich aussehende Prominente in Badehosen sehen, weil sie sich dann zuhause besser fühlen, wenn sie mich mal beim Turmspringen gesehen haben." Und wie sieht trotz immer neuer Events die Formatpflege für "TV Total" aus? „Formatpflege ist eigentlich kein Begriff... den höre ich heute zum ersten Mal", scherzt Raab bei dem Seminar in Köln.

Und weiter: "Pflege ist eh schon so negativ behaftet. Wir machen ja hier Programm für junge Leute. Vielleicht ist Progression das richtige Wort. Wir haben immer versucht, nicht auf der Stelle stehen zu bleiben und das Format weiterzuentwickeln.“ Manche Rubriken seien heutzutage einfach nicht mehr möglich. Etwa die früheren Raabigramme. Raab selber dazu: "Als kleine Wurst kannst Du einem, der eine Nummer größer ist in dem Geschäft, ans Bein pinkeln. Wenn Du selber einen gewissen Level an Erfolg erreicht hast, wird das uncool.“ Seine Form der Markenpflege betreffe weniger die Formate als ihn selbst als Person. "Ich versuche halt neben den 150 bis 200 Sendungen im Jahr, die ich mache, nicht noch montags bei Beckmann, dienstags bei Kerner und mittwochs woanders zu sitzen und noch bei irgendeiner Sendung vor ner Bluebox zu sitzen. Da habe ich genügend eigene Formate, um meine Nase in die Kamera zu halten", sagt Raab und schmunzelt.

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