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DWDL.de vor Ort

Eurosport: Ein Sender voller Missverständnisse

 

Wetten, dass Sie ein völlig falsches Bild des paneuropäischen Sportsenders haben? DWDL.de hat die Eurosport-Zentrale in Paris besucht. Von Medienkrise spricht hier niemand, was wohl dem Geschäftsmodell geschuldet ist. Dafür von 3DTV.

von Thomas Lückerath
07.06.2010 - 10:11 Uhr

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EurosportDie relative Unabhängigkeit vom Werbemarkt und damit robuste Geschäftsgrundlage hat bei Eurosport einen einfachen Grund: Der Sender ist PayTV - und das in ganz Europa. Nun, nicht in ganz Europa. In einem einzigen Land ist Eurosport frei empfangbar: Bei uns. Das deutsche Eurosport hat einen Sonderstatus im Gesamtkonstrukt Eurosport. Das weiß längst nicht jeder, wie wir in einigen Gesprächen festgestellt haben. Eurosport ist offenbar ein Sender voller Missverständnisse. Deshalb war die Zeit reif den Sender mal genauer unter die Lupe zu nehmen. DWDL.de auf der Suche nach Antworten in der Senderzentrale in Paris.

Eurosport ist nach eigenen Angaben der am weitesten verbreitete TV-Sender Europas: Man sendet sein Programm in aktuell 20 Sprachen für ein Publikum mit einer technischen Reichweite von rund 112 Millionen Haushalten in 59 Ländern. Das lässt sich schon im Vorfeld recherchieren. Was das allerdings konkret bedeutet, wird erst vor Ort in Paris deutlich. Die Eurosport-Zentrale ist eben mehr als ein Sendersitz. Es ist der in jeder Beziehung überdimensionierte Verteiler für die verschiedenen Sprachversionen des Senders. Hier treffen die Roh-Signale der Live-Sportevents ein und werden mit dem passenden Ton bzw. Kommentar in den einzelnen Märkten ausgestrahlt.
 

 
EurosportUnd sehen kann es nur, wer dafür zahlt. Deutschland ist die Ausnahme. Warum das so ist, kann selbst in Paris auf mehrfache Nachfrage niemand so genau beantworten. Warum man aber nichts mehr daran ändern will, ist klar. Denn wenn Eurosport mit einer technischen Reichweite von 112 Millionen Haushalten wirbt, dann spielt die FreeTV-Ausstrahlung in Deutschland natürlich eine große Rolle. Die Masse ist nicht nur für den Werbeverkauf relevant - auch in Verhandlungen mit Rechteinhabern kann Eurosport so noch eindrucksvoller die paneuropäische Karte spielen. Das kann sonst nur der Verband der öffentlich-rechtlichen Sender in Europa, die EBU.

Fast wie ein Treppenwitz in der TV-Geschichte Europas erscheint es da, dass es ausgerechnet EBU-Sender waren, die 1989 Eurosport gegründet haben. Heute sind EBU und Eurosport direkte Wettbewerber um Sportrechte. Dennoch hält sich erstaunlicherweise immer noch das Gerücht, Eurosport sei ein öffentlich-rechtliches Angebot. Doch von wegen: Seit 1991 gehört der Sender bzw. die Senderkette zu 100 Prozent dem französischen Privatsender TF1. Kein Wunder also, dass man seine Zentrale in direkter Nachbarschaft zur Mutter im Südwesten Paris bezogen hat. Eurosport hat im Übrigen, auch das ein häufiger Irrglaube, nichts mit Euronews zu tun. Der Nachrichtensender ist nämlich wiederum tatsächlich ein öffentlich-rechtliches Angebot.

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