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Eine Erzählung

Die Geschichte einer zufälligen Recherche zur Tragödie

 

Dies ist kein normales Topthema. DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath erzählt nur die persönliche Geschichte einer zufälligen Recherche, ihrer Folgen und der Medienberichterstattung zur Tragödie in Duisburg, wie er sie erlebt hat.

von Thomas Lückerath
25.07.2010 - 02:02 Uhr

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Samstagnachmittag. Ich war mit einem Kollegen hier in Köln unterwegs. Erst als wir uns verabschiedeten und ich auf mein Handy blickte, sah ich die Eilmeldung, die mir Bild.de auf das iPhone geschickt hatte. Da war es kurz vor halb sieben. Ich bin sofort nach Hause - nicht nur weil ich Newsjunkie bin. Auch einige Freunde von mir hatten sich auf den Weg zur Loveparade gemacht. Während ich zuhause angekommen die Berichterstattung im WDR Fernsehen verfolgte, versuchte ich vergeblich sie zu erreichen.

Es war so gegen 19 Uhr als ich ein erstes Mal bei Twitter reinschaute. Dabei fielen mir Tweets auf, in denen behauptet wurde, dass das Gelände des alten Güterbahnhofs in Duisburg viel zu klein gewesen sei für die Loveparade und die zu erwartende Besucherzahl. Das machte mich neugierig, weil ich es für zu unglaublich hielt. Ich öffnete mehrere Browser-Tabs und legte los. In Suchmaschinen, redaktionellen Angeboten und bei Twitter habe ich nach Antworten gesucht. Ich kam von einer Website zur nächsten, na wie man eben so im Web recherchiert.
 
Angaben zur Größe des Geländes ließen sich zwar schnell finden, aber für wieviele Menschen ist es nun ausgelegt? Ich kam nicht weiter und wollte beinahe aufgeben als ich beim Überfliegen eines Artikels auf DerWesten.de  bei den Kommentaren hängen blieb. Ich las einen der Kommentare - und bekam Gänsehaut. Da schrieb ein offenbar ortskundiger Nutzer namens klotsche am 22. Juli, also letzten Donnerstag um 17.08 Uhr, den folgenden Kommentar unter einen eigentlich eher belanglosen Artikel über die Frage, ob man mit Flip-Flops zur Loveparade gehen sollte:

"sehe ich das richtig, dass die versuchen 1 million menschen über die 1-spurige! TUNNELSTRAßE! Karl-Lehr-Straße mit zwischendurch 2 kleinen trampelpfaden hoch zum veranstaltungsgelände zu führen? also in meinen augen is das ne falle. das kann doch nie und nimmer gut gehen. wer in essen und dortmund dabei war weiß, wie groß das gedränge schon auf recht weitläufigen zugangswegen war. das war ne katastrophe und die wollen ernsthaft den zugang über nen einspurigen TUNNEL leiten? ich fass es nicht!!!! ich seh schon tote wenn nach der abschlußkundgebung alle auf einmal über diese mickrige straße das gelände verlassen wollen."

Es war nicht das, was ich gesucht hatte. Aber ich war schockiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte DWDL.de bei Twitter keinen Kommentar zum Geschehen abgegeben. Es ist ja auch nicht unser Thema, nicht unsere Aufgabe. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, dass dieser beinahe prophetische Kommentar von Interesse sein könnte. Also habe ich einen Screenshot davon über unseren Account getwittert. Das war um 19.51 Uhr. Ich hätte nie gedacht, was das auslöst. Als gerade die 20 Uhr-"Tagesschau" läuft, fing es an. Zuerst meldete sich das ZDF bei mir.
 
Ein Redakteur hatte unseren Tweet gelesen und wollte recherchieren, woher der Kommentar stammt. Wenige Minuten später noch einmal das ZDF: Ob wir den Autoren dieses Kommentars kennen würden. Es folgten weitere Redaktionen, die wissen wollten, ob wir mehr über jenen Kommentar wissen oder die Person dahinter kennen würden. Aber woher denn? Wir haben ihn nur entdeckt, nicht geschrieben. Zwischendurch versuchte ich immer wieder meine Freunde zu erreichen, hinterließ inzwischen auch mehrere SMS.
 
Im Ersten verfolgte ich den "Brennpunkt" zur besten Sendezeit, danach schaltete ich auf ProSieben um. Beruflich galt es die zweite Folge "Solitary" im Blick zu haben. Es war aber auch willkommene Abwechslung. Dennoch blieb ich online via Twitter am Ball. Jetzt wo ich es schreibe, klingt es so langweilig. Aber die Geschwindigkeit in der Neuigkeiten die Runde machten, war enorm. Die Informationsdichte hoch. Verblüfft stellte ich dank Hinweisen via Twitter zum Beispiel fest, dass auf der offiziellen Website der Loveparade noch nach 20 Uhr der Livestream lief.

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