Die großen TV-Sender in Deutschland© DWDL/Photocase
Manch einer trauert, wenig verwunderlich, dem Boom der Live-Shows hinterher. Da hat der Regisseur natürlich die Hoheit über die Inszenierung. Aber auch das ganze Team sei anders motiviert. „Schon allein die Tatsache, dass man nichts wiederholen kann, gibt den nötigen Thrill, der es viel professioneller macht“, sagt ein weiterer TV-Regisseur, der damit auch gleich kritisiert, dass bei Aufzeichnungen inzwischen weniger aufmerksam gearbeitet werde - durch die Gewissheit, dass sich am Ende schon irgendetwas zusammenschneiden lasse.

 

Da gibt es beispielsweise Gameshows bei denen sicherheitshalber gleich mehrere Enden mit unterschiedlichen Gewinnern aufgezeichnet werden, weil nicht die Leistung der Kandidaten sondern ihre Sympathie offenbar darüber entscheidet wer letztlich gewinnen soll und damit auch ausgestrahlt wird. Und dann gibt es Liveshows in denen Show-Acts voraufgezeichnet werden, was praktische und nachvollziehbare Gründe hat und doch die Nerven der Regie strapazieren, weil sich kaum jemand darum kümmert, ob es inhaltliche Anschlussfehler gibt.

Dabei ist die Kritik aus den Reihen der TV-Regisseure keine Kriegserklärung an den Berufsstand der Cutter: Denn schon immer musste geschnitten werden. Schon immer wurde nachbearbeitet und optimiert. Wenn der Dreh selbst allerdings inzwischen immer öfter zur Materialsammlung verkommt und eine Produktion erst im Schnitt zu dem wird, was sie sein soll, dann lässt sich der Unmut verstehen.