Das Networken auf der MIP.TV ist in diesem Jahr wieder einfacher. Denn das Leben spielt, man mag es Klischee nennen, in Cannes eben doch in den Straßencafes, den Hotel-Terrassen, Beach-Restaurants oder ganz einfach an der Ufer-Promenade - und nicht auf der Messe. Im vergangenen Jahr fiel das bei schlechtem Wetter nicht so leicht. Diesmal jedoch strahlte die Sonne mit der Laune vieler Messe-Teilnehmer um die Wette: Die Wirtschaftskrise scheint überstanden; schon ist die Sonne wieder da. Gruseln sie diese schmierigen Zeilen auch? Dann haben Sie, egal ob in Cannes oder zuhause in Deutschland, den gleichen Wunsch wie so mancher Messebesucher: Sie wollen bessere Bücher, bessere Stories, mehr großes Fernsehen. Ein Highlight oder einen Trend.

Doch das ist rar auf der MIP.TV 2011 - aus dreierlei Gründen. Zum Einen haben sich erneut mehrere große US-Studios den Weg an die französische Mittelmeerküste gespart. Die kostspielige Präsenz in Cannes spart man sich lieber und wartet auf die L.A Screenings im Mai. Dann ist auch in diesem Jahr wieder Factual Entertainment, bei uns oft als Dokusoap gelabelt, stark vertreten. Das kann kurzweilig, kostengünstig und gut sein - doch die ganz große TV-Magie versprüht es nicht. Und dann, Grund Nr.3, das Thema des Tages in Cannes: Die Präsentation von Arnold Schwarzeneggers neuem TV-Projekt. Sie weckte unbehagliche Gefühle: Sorgt der Aufschwung in der Branche leider auch wieder für mehr Schein als Sein?

Ja, sein Auftritt vor den internationalen Journalisten überzeugte, der Showbiz-Schwarzenegger ist zurück - da waren sich alle Anwesenden einig. Eindrücke der neuen Cartoon-Serie "The Governator" gab es nur in knapper Trailer-Form: Die Serie beginnt mit Schwarzeneggers Abschied aus der US-Politik und der Ankündigung nach einer Karriere als Bodybuilder, Schauspieler und Politiker jetzt Privatmann sein zu wollen. Doch in Wahrheit bekämpft er als Superheld "Governator" die Kriminalität. Die Serie, deren weltweiter Vertrieb über den deutschen Distributor Your Family Entertainment läuft, soll aber nur der Anfang sein.

Bücher, Games und letztlich ein Kinofilm sei vorstellbar, so Schwarzenegger in Cannes. Die Marketingstrategie ist also ausgearbeitet und sein Besuch bei der MIP.TV machte ihn zweifelsohne zu dem Thema des Tages unter den Journalisten und Messe-Besuchern. Ob die Episoden der Serie aber auch halten, was der große PR-Aufschlag verspricht, bleibt abzuwarten: Da ist er, der schon erwähnte, fade Beigeschmack von mehr Schein als Sein. Von Schwarzenegger abgesehen kamen die meisten Neuigkeiten am Montag zwar zeitlich abgestimmt zur MIP.TV, aber nicht aus Cannes selbst. Etwa dass sich ZDF Enterprises zusammen mit Gottfried Zmecks Mainstream Networks Holding im PayTV-Markt engagiert (DWDL.de berichtete).

Ein echter Aufreger unter den Vertretern der Privatsender, die sich in Cannes lieber noch einmal mehr als nötig versicherten, dass sie das richtig gelesen haben, was da aus Deutschland gemeldet wird. Ein Thema also, welches sicher in den kommenden Tagen, wenn alle wieder zurück im Arbeitsalltag sind, noch einmal Wellen schlagen wird. Doch noch bis Donnerstag dauert der kollektive Betriebsausflug der TV-Branche an. Und solange will sich niemand die Stimmung versauen lassen - bei diesem schönen Wetter. Und die großen neuen TV-Geschichten? Die suchen wir dann im Mai, in Los Angeles.