Peter Hahne © ZDF/Juergen Detmers
Ein Porträt

Peter Hahne: Wenn keiner über einen redet, ist man tot

 

Immer wieder wird Peter Hahne für seinen bisweilen allzu kuscheligen Talk am Sonntagmittag kritisiert - doch er gibt sich selbstbewusst und selbstzufrieden. Sogar wenn Harald Schmidt oder Stefan Raab über manchen Ausschnitt spotten, kann er dem noch etwas Positives abgewinnen.

von Uwe Mantel
24.04.2011 - 13:00 Uhr

Als der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender im Frühjahr vergangenen Jahres seinen Posten auf Druck der CDU räumen musste, da zog das noch eine ganze Reihe weiterer Veränderungen nach sich, die der "politischen Farbenlehre" geschuldet waren. Die Vergabe der Posten gehorcht beim ZDF nämlich längst nicht nur Qualifikations-Kriterien, sondern auch der Frage, welchen politischen Lager man zugerechnet wird. Der Posten des stellvertretenden Leiters des Hauptstadtstudios fiel nach dieser Logik einem sozialdemokratischen Vertreter zu - und Peter Hahne, dessen Vertrag auslief, entsprach diesem Anforderungsprofil fraglos nicht.

Also gab er seinen Posten ab und bekam stattdessen seine eigene Talkshow am Sonntagmittag - ein "Trostpflaster" wurde das damals von vielen genannt. Doch wer heute auf Peter Hahne trifft, der hat alles andere als einen verbitterten Menschen vor sich. "Ich fühle mich pudelwohl", sagte er kürzlich bei einem Abendessen mit Journalisten mit Blick auf seine neue Aufgabe. Dass er gewissermaßen Opfer der Umstände geworden ist, bestreitet Hahne. Er habe schon weit vor dem Auslaufen seines Vertrags signalisiert, dass er etwas anderes machen wolle. Schließlich habe er in seinem Berufsleben immer nach etwa zehn Jahren einen neuen Weg eingeschlagen. "Als Journalist hat man seinen Beruf verfehlt, wenn man sich nicht darauf freut, etwas Neues zu machen", so Hahne.

 

 

Die Idee zum eigenen Talk sei dabei aus den Sommerinterviews entstanden, die Hahne in seinen Jahren als stellvertretender Hauptstadtstudioleiter geführt hatte. Der etwas unprominent anmutende Sendeplatz am Sonntagmittag sei dabei ganz bewusst gewählt worden. Zu der Zeit gebe es sonst nur "Sport und Trallala", sagt Hahne, in diese "tote Zone" habe man ganz bewusst eindringen wollen. Mit dem "Fernsehgarten" habe man im Sommer ein starkes Vorprogramm, durch den Startzeitpunkt im Anschluss an den "Presseclub" im Ersten könne man zudem von dort interessiertes Publikum anlocken. Dazu komme, dass man dort recht unbehelligt von der zahlreichen Talkshow-Konkurrenz ist, die am Samstag komplett pausiert. "Wir haben eine Atempause von 36 Stunden vor uns, in der nicht getalkt wird. Das ist heute schon Luxus."

Überhaupt sieht er die "Talk-Schwemme", von der derzeit so häufig die Rede ist, gelassen. "Solange wir unser Alleinstellungsmerkmal haben, sollen die ruhig machen", sagt Hahne mit Blick auf die Konkurrenz. Als sein "Alleinstellungsmerkmal" sieht er dabei die fast schon intime Atmosphäre, in der der Talk abläuft. Das gelingt unter anderem durch die Konzentration auf manchmal einen, in der Regel aber zwei Gäste und durch die Tatsache, dass im Studio weder Kameras sichtbar noch Zuschauer anwesend seien. Talke man vor Publikum, führe das nur dazu, dass die Gäste sich stets zu beifallheischenden Statements genötigt sähen, so Hahne. Durch die ruhige Atomsphäre würden seine Gäste viel eher von den üblichen immer gleichen Floskeln abkommen - auch ganz ohne allzu hartnäckig-verbissene Nachfragen.

Das führt allerdings auch dazu, dass Hahne häufiger als Kuscheltalker in die Kritik gerät. Besonders bei Einzelgästen wie etwa vor einigen Wochen Bundespräsidenten-Gattin Bettina Wulff fällt das auf, weil dann nicht einmal der zweite Talk-Gast Kontra geben kann. Mit einigen, besonders soften Nachfragen wurde Hahne sogar Thema in Formaten wie der "heute-show", "TV Total" oder bei Harald Schmidt. Peter Hahne lässt sich aber nicht einmal davon die Laune verderben. Dort aufzutauchen sei doch das Beste, was einem passieren könne. "Auf solche Ausschnitte bekommt man die meiste Resonanz", so Peter Hahne.

Und Resonanz, das wird an diesem Abend immer wieder deutlich, ist Hahne wichtig. "Wenn keiner mehr über einen redet, ist man in diesem Gewerbe tot", sagt er. Da nimmt er auch nicht allzu wohlmeinende Berichterstattung in Kauf. "Wenn die Zuschauer flüchten würden, wäre das schlimmer als ein Verriss." Nach einem solchen würden manche vielleicht ja sogar aus Mitleid rein schauen. Ändern will er seine Art der Befragung jedenfalls nicht. Man könne auch in freundlicher Atmosphäre investigativ fragen, ohne gleich persönlich zu werden. "Ich bin ja nicht der Friedman des ZDF. Das würden mir die Leute auch nicht abnehmen."

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